2019 – der obligatorische Jahresrückblick

Geschehen

E-Scooter rollen durch die Städte bzw. liegen auf Straßen und in Flüssen rum • Der Regenwald brennt • May tritt zurück • Notre-Dame brennt • Rezo dreht ein Video über die CDU, diese antwortet mit Amthor • Friday for Future treibt Jugendliche auf die Straße • in Garzweiler protestiert die Ende-Gelände-Bewegung • Greta Thunberg schippert nach Südamerika – umsonst, der Klimagipfel wurde verlegt • wegen Unruhen in Chile • live gestreamter Amoklauf in Neuseeland • Amoklauf-Versuch vom Versager von Halle • ein Junge verschwindet in einem Loch in Spanien • Nahles tritt zurück • Jeffrey Epstein droht, interessante Dinge zu verraten und, äh, „bringt sich um“ • Merkel zittert • von der Leyen im Europaparlament • Demos in Hongkong • es ist ein paar Tage richtig heiß: über 42°C

Gesehen

Ich war auch dieses Jahr 4x im Kino: mein Favorit war Hard Powder, dicht gefolgt vom Joker – dem traue ich auch durchaus einen Oscar zu. Außerdem gab es noch John Wick: Kapitel 3 und Glass.

Als bester Film wurde Green Book mit dem Oscar ausgezeichnet. Habe ich später bei Netflix gesehen. War ganz ok.

Serienmäßig gab’s dieses Jahr wieder einiges. Mein absolutes Highlight war Chernobyl. Knapp dahintzer folgt Dark – da habe ich gleich beide Staffeln geschaut, sonst hätte ich nie verstanden, worum es geht. Außerdem habe ich angefangen, Sherlock zu schauen und finde es äußerst schade, dass es nur so wenige Folgen davon gibt. Außerdem habe ich die zweite Staffel The Rain gesehen, The Terror, Die purpurnen Flüsse, Dr. House, The Purge, Die Methode Hill… Netflix und Amazon Prime sind ein wahrer Segen.

Gelesen

Seit diesem Jahr schreibe ich mir auf, welche ich Bücher ich gelesen habe. Es waren insgesamt 20. Ein weiteres habe ich angefangen und weggelegt, nämlich Die Siedlung der Toten von Max Landorf – das war nix für mich.

Für gut befunden:

  1. Markus Heitz – Aera
  2. Adam Sternberg – Spademan
  3. Dave Eggers – The Circle
  4. Hugh Howey – Silo / Level / Exit
  5. James Frey – Endgame-Trilogie
  6. Claire North – Die vielen Leben des Harry August

Gespielt

Kurz vor Ende des letzten Jahres legte ich mir ja ein neues Notebook-Gerät zu. Das wollte natürlich auch bespielt werden. Ich gönnte ihm und mir: Life is strange, diverse Sherlock Holmes-Spiele von Frogwares, Sims 3, Gremlins Inc. und andere Online-Brettspiele, Beholder, Tormentum – Dark Sorrow, natürlich auch wieder Life is strange und zu guter letzt kaufte ich auch noch Fallout 4.

In realen Leben habe ich recht oft Villen des Wahnsinns 2 gespielt. Bei einer Spielemesse erwarb ich außerdem Azul und etwas später Die Quacksalber von Quedlinburg, welches ausgesprochen viel Anklang fand und inzwischen erweitert wurde.

Spiel des Jahres wurde Just One, fand ich nicht so toll. Das Kennerspiel des Jahres, „Flügelschlag“, habe ich noch nicht spielen können.

Gemacht

Tai Chi mache ich immer noch und ich habe mit Yoga angefangen, war jedoch letztendlich zu doof, mir für den richtigen Kurs anzumelden. Daher endete mein Ausflug ins Yoga-Reich berits nach einem 3/4-Jahr. Ob ich weitermache weiß ich noch gar nicht.

Ich war auf zwei Spielemessen, habe im Sommer 2x eine Grillparty geschmissen, mein Wohnzimmer grau-blau gestrichen und neue Möbel reingestellt, ganz viel Zeug aussortiert und bei eBay-Kleinanzeigen verschenkt, einen neuen Kleiderschrank aufgebaut, Amazon Prime abonniert für noch mehr Serien- und Filmgenuss, ein Heidengeld in mein Auto gesteckt, damit es über den TÜV kommt; ich habe eine Garage gemietet und, verdammt, ich habe RAMMSTEIN LIVE GESEHEN!

abGebildet

Dieses Jahr habe ich irgendwie nicht viel fotografiert. Allerdings habe ich auch Mitte des Jahres ein neues Handy bekommen, die Bilder sind alle unsortiert und vielleicht auch einige verschwunden. Nun denn…

SPIEL DES JAHRES: Just One

Vor einer Weile kam ich in den Genuss, das Spiel des Jahres 2019 zu spielen. Es heißt Just One und ist für maximal 6 Personen geeignet.

Das Spielprinzip ist denkbar einfach: einer zieht eine Karte auf der 5 Worte stehen, ohne sie anzuschauen:

  1. Schmetterling
  2. Sessel
  3. Milch
  4. Feldflasche
  5. Mais

Die Karte zeigt er den Mitspielern und nennt eine Zahl zwischen 1 und 5 – das ist das Wort, das er erraten muss. Zum Beispiel „Zwei“, was in diesem Fall Sessel wäre. Nun schreibt jeder der Mitspieler einen Begriff auf, der einen Hinweis auf das Wort „Sessel“ darstellt.

  • Sofa
  • Möbel
  • sitzen
  • weich
  • Möbel

Aber: jedes Wort darf nur einmal geschrieben werden und absprechen darf man sich natürlich nicht. Doppelte, Dreifache, Vierfache Wörter werden aussortiert – natürlich alle. Es blieben also übrig:

  • Sofa
  • sitzen
  • weich

„Möbel“ wurde aussortiert, da es zweimal geschrieben wurde. Die übrigen Begriffe werden dem Ratenden gezeigt, er darf dann sein Glück versuchen. Kommt er auf die gesuchte Bezeichnung, bekommt die ganze Gruppe einen Punkt. Eine Runde umfasst 13 Worte.

Die Spielidee finde ich gar nicht mal so schlecht, die Umsetzung leider schon. Wörter-Ratespiele mag ich generell recht gern, eben Spiele wie Codenames, das Fremdwörterspiel, meinetwegen auch noch Tabu. Just One ist im Vergleich zu diesen sehr simpel und mit wenigen Worten erklärt.

Leider ist das Material, die Auswertung und Anleitung wenig bis gar nicht durchdacht. Die gute Idee wurde benutzt um Geld damit zu machen – das Spiel kostet immerhin 20 €, was ich recht happig finde. Eigentlich würden zum Spielen die Karten mit den Begriffen völlig reichen. Papier und Stifte finden sich in jedem Haushalt. Dann ist es auf einmal auch möglich, mit mehr als 6 Leuten zu spielen!

Um genau zu sein: In der Packung finden sich 6 kleine Whiteboard-Täfelchen und entsprechende Stifte mit Abwisch-Seite in 6 Farben, unter anderem Blassrosa und Hellgelb. Ratet mal, wie gut man die auf den weißen Tafeln lesen kann…

Außerdem bekommt man 110 Karten mit jeweils 5 Begriffen und eine zweiseitige Anleitung, genau das würde in der Packung eines Kartenspiels auch völlig reichen – dafür würde aber niemand soviel Geld zahlen.

Besonders die Auswertung ist auch sehr kläglich ausgefallen. Wenn man 13 Begriffe gespielt hat, kann man nachlesen, wie gut man als Gruppe abgeschnitten hat – es gibt also innerhalb der Gruppe keinen Gewinner! Die Auswertung beschränkt sich auf einen Satz im Stile von „ihr seid sehr gut“. Selbst bei allem Spaß, den man beim Spielen gehabt haben mag, ist das doch eher ernüchternd.

Ich hätte eine Variante schön gefunden, in der es einen einzelnen Gewinner gibt. Zum Beispiel: jeder hilfreiche Begriff gibt einen Punkt, jedes erratene Wort 3 Punkte. Oder so. Da muss man als Spieler aber wohl selbst kreativ werden. Ebenfalls verbessern kann man das ganze Spielerlebnis. Laut Regeln darf der Ratende genau ein Wort sagen – was ich für ein kommunikatives Spiel sehr wenig finde. Es ist deutlich schöner, seine Gedanken laut auszusprechen und so die teilweise abstrusen Assoziationen mitzuteilen, als schweigend da zu sitzen.

Insgesamt also eine nette Idee, wenn man oft in größeren Gruppen spielt – sinnvoll spielbar ist Just One wohl erst ab 5 oder 6 Personen – leider in schlechter Umsetzung.

Joker

DC schenkt uns einen Film, der zeigt, wie Batmans bekanntester Gegenspieler zu diesem wurde. Das muss man sich ansehen. Natürlich auf der großen Leinwand – auch, wenn ich nur noch selten ins Kino gehe, mangels Zeit und damit Netflix und Amazon Prime sich auch lohnen.

Davor

Ich hatte vorher natürlich den Trailer gesehen und fand diesen vielversprechend, vor allem wegen Joaquin Phoenix‘ Darstellung – er sah aus wie eine Mischung aus dem Heath Ledger-Joker und jenem, den Jack Nicholson verkörpert hat. Irgendwie irre aber immerhin schön bunt.

Dabei

  • Joaquin Phoenix als Arthur Fleck/Joker – den kennt man als Commodus (Daumen runter-Typ) in Gladiator und als Johnny Cash in Walk The Line.
  • Robert De Niro als Fernsehmoderator Murray Franklin, hat irgendwann mal in Taxi Driver mitgespielt und z. B. auch in Ohne Limit.

Sämtliche andere Darsteller sind mir noch nicht über den Weg gelaufen, also kein ständiger „welcher Schauspieler ist das nochmal?“-Effekt.

Darum geht’s

Arthur Fleck arbeitet bei einer kleinen Agentur als Darsteller eines Clowns, der für Straßenwerbung, Auftritte im Krankenhaus usw. gebucht wird. Er träumt davon, Comedian zu werden, um die Menschen zum Lachen zu bringen. Lachen spielt auch in seinem Leben eine große Rolle: Dank einer Kopfverletzung fängt er in unpassenden Situationen an, laut zu lachen. Die Irritation seiner Mitmenschen, die Dunkelheit und Vermüllung in den Straßen Gothams, seine pflegebedürftige Mutter in der kleinen, heruntergekommenen Wohnung und die Geldsorgen machen ihm zu schaffen. Darüber hinaus ist er depressiv und untergewichtig, weshalb er bei körperlichen Angriffen unterliegt.

Als ihm ein Kollege eine Waffe gibt und er kurz darauf drei Männer in der U-Bahn tötet, begreift Arthur, dass er nichts mehr zu verlieren hat

Danach

Bewertung: 8/10

Dieser Joker hat recht wenig mit den DC-Filmen der letzten Jahre zu tun. Es gibt keine Kämpfe, keine Superhelden mit übermenschlichen Fähigkeiten und irgendwie auch keinen richtigen Bösewicht. Das „Böse“ – oder besser: Düstere, Bedrückende – ist die Situation, in der Arthur Fleck lebt. Das System, in dem er keinen Platz findet und die Widrigkeiten, denen er zu trotzen versucht. Kein Gegner, dem man entgegentreten kann.

Dieser Aspekt sollte besonders denen bewusst sein, die DC (oder Marvel) ins Kino zieht, weil sie Action sehen wollen. Die gibt’s nämlich nur sehr gering dosiert. Der Film ist eher ein Drama, eine Charakter- und Milieustudie, besetzt mit einem großartigen Hauptdarsteller, der bestimmt eine Oscarnominierung (seine vierte) mitnimmt.

Der Abstieg, den der Protagonist erlebt und dem er sich anfangs noch entgegen zu stellen versucht, erinnert an Filme wie Drecksau, God Bless America oder Der Machinist. Wer eine Komposition dieser Streifen nicht für einen gelungenen Filmabend auswählen würde und sich eher die Laune davon verderben lässt, sollte vielleicht Abstand vom Kinobesuch nehmen. Das wird, denke ich, auch das Problem sein, das viele Amerikaner hatten – die haben nämlich scharenweise die Kinosäle verlassen.

Mir hat vor allem die Detailverliebtheit gefallen. Statt auf Untertitel setzt man darauf, Textdokumente wie Tagebücher oder Briefe in deutscher Sprache verfasst zu zeigen – leider nicht konsequent bei allen Schriftstücken. Ein weiterer Wermutstropfen ist für mich die Langatmigkeit des Film – nicht zu verwechseln mit Langeweiligkeit – die ersten 1,5 Stunden muss man sich auf eine Menge Dialoge und wenig Geschwindkigkeit einstellen.

Insgesamt also eher was für den Fan von schwerer Kost und Dramen als für den „typischen Superhelden-Liebhaber“. Denjenigen, die solche Filme mögen, empfehle ich diesen Joker aber sehr.

Top