The Guilty

Wer spielt da mit? Jakob Cedergren. Und sonst? Keiner.

Asger Holm sitzt in der Notrufzentrale in Kopenhagen und nimmt die Anrufe derer an, die Hilfe brauchen. Seine Gespräche verlaufen normal, bis sich eine Frau namens Iben am Telefon mit „Hey Schatz!“ meldet. Sie verwechselt ihn nicht mit einem Kollegen, sie wird entführt. Asger versucht, ihr zu helfen, ist jedoch an das Telefon gefesselt und auf Ibens Anrufe und die seiner Kollegen auf der Straße angewiesen. Die Situation spitzt sich zu, als klar wird, dass Iben Mutter ist und ihre kleinen Kinder in der Wohnung zurücklassen musste…

Meine Einleitung lässt es schon erahnen: es handelt sich um ein Kammerspiel. Tatsächlich sieht man nur einen Protagonisten und hört ein paar weitere. Visuell ist The Guilty nichts für die große Leinwand und auch die kleine brauchst es gar nicht unbedingt. Der Film funktioniert hervorragend auch als Hörspiel. Zu sehen gibt’s eh nur die gräuliche Einöde der Notrufzentrale.

Obwohl einem nur die Fantasie bleibt, um optisch am Schicksal Ibens und den Eindrücken der alarmierten Streifenpolizisten teilzuhaben, fesselt einen The Guilty förmlich an den Fernseher. Der Film ist nämlich richtig spannend und voller Wendungen – und gerade das Nichtsehen macht einen riesigen Reiz aus: den man weiß ja nicht, wann das Telefon das nächste mal klingt. Oder, ob es das überhaupt nochmal tut…

Die Dänen haben mal wieder ein cineastisches Highlight abgeliefert, das zurecht mit einigen Preisen ausgezeichnet und in der IMDB mit 7,5 von 10 möglichen Punkten bewertet wurde. Außerdem ist der Film knackige 85 Minuten kurz. Die passen auch nach einem langen Arbeitstag noch in den Abend, ohne anstrengend zu werden.

Dahinter wird’s geil.

Ich hab’ festgestellt, dass die besten Geschichten immer hinter der Angst lagen. Wenn ich Angst vor Aids in Afrika Mitte der 80er Jahre oder vor der Pest in Indien Mitte der 90er Jahre verspürte, solche Themen meinetwegen. Dann hatte ich vorher unheimlich viel Angst, dahin zu fahren. Wenn ich Angst spüre, dann weiß ich: ‚Hey, geh durch, dahinter wird’s geil‘

Helge Timmerberg

Rammstein

Eigentlich wollte ich diesen Artikel erst schreiben, wenn die Tour vorüber ist. Tja, ich habe unlängst Karten für das Konzert im nächsten Jahr in Düsseldorf bestellt. Es kann also noch eine Weile dauern, bis Rammstein keine Stadien mehr heimsuchen und vom nächsten Jahr bringe ich bestimmt auch wieder Handyfotos und Eindrücke mit.

Die Videos, die ich gemacht habe, sind alle nur wenige Sekunden kurz, da ich nicht ewig auf’s Handy schauen wollte. Trotzdem gibt’s hier ein paar zu sehen.

Die Anreise

Wir besuchten das Konzert in Gelsenkirchen in der Veltins Arena – da, wo Schalke Fußball spielt. Wir, das waren mein bester Freund Marcel, dessen Vater, der schwer krank war und deshalb nicht mehr so gut zu Fuß ist, und ich. Die beiden sind ausgesprochene BVB (Dortmund) Fans und hier im Ruhrgebiet gibt es da eine gewisse Feindschaft zwischen Schalkern und Dortmundern. Tja, da mussten sie durch, sich in Feindgebiet zu begeben. ¯\_(ツ)_/¯

Mein bester Freund hatte gehört, dass es da einen kostenlosen Parkplatz „nur 500m entfernt vom Stadion“ gibt. Wir ließen seinen Vater in der Nähe raus und parkten dann dort. Die Tatsache, dass wir ca. eine Stunde zum Eingang des Stadions liefen, lässt mich an der 500m-Angabe etwas zweifeln.

Ansonsten war die Organisation super: der Veranstalter hat die Arena bereits um 16.30 Uhr geöffnet, offizieller Beginn des Konzerts war 19.30. Dadurch entzerrte sich die Anreise, es kam zu keinen Staus oder Gedrängel. Auch um das Stadion herum kam man super voran. Jeder wurde direkt zu dem Eingang geschickt, zu dem er musste, von dort waren es dann nur noch ein paar Meter zum Sitzplatz – so man einen hatte.

Nach dem Konzert wurde die Straße, auf die die Stadion-Parkplätze führen, gesperrt, damit die Leute ohne Wartezeit fahren konnten. Ebenfalls gut gelöst, finde ich, wobei sich natürlich einige über die Sperrung ärgerten. Der Umweg zur nächsten Autobahnauffahrt war aber nicht der Rede wert.

Immerhin besuchten das Konzert ca. 80.000 Menschen und nüchtern waren bei weitem nicht alle (vor allem, da noch „Rammsteiner“ verkauft wurde – Rammstein-Bier). Dafür war es sehr friedlich, ruhig und geordnet.

Die Plätze

Bei der Bestellung gab es verschiedene Ränge der Sitzplätze sowie Stehplatzkarten. Für die Konzerte nächstes Jahr gibt es selbst bei denen verschiedene Güteklassen. Nun, wir entschieden uns für Sitzplätze und, weil man sich ja sonst nix gönnt, direkt die teuersten besten. Immerhin 120€ kostete die Karte, versprach dafür aber auch uneingeschränkte Sicht.

Die gab’s dann auch, sogar für mich. Ich bin recht klein (1,64m) und habe bei solchen Veranstaltungen selten das Glück, etwas zu sehen, da fast immer jemand vor mir steht, der größer ist, als ich.

Weißer Rauch = neuer Papst

„Sitzplatz“ ist im Übrigen nicht ganz richtig. Es existierte die Möglichkeit, sich zu setzen. Während Rammstein spielten, standen aber alle. Dennoch ist es angenehm, etwas mehr Platz um sich rum zu haben und vor allem seine Tasche, Jacke usw. ablegen zu können.

Wie war es denn nun?

Es war su-per geil! Kann man sich ja denken, wenn ich direkt wieder Karten bestellt habe für’s nächste Jahr. Rammstein machen live richtig Spaß – vor allem erlebt man sie mit allen Sinnen. Wir saßen bestimmt 40- 50m von der Bühne entfernt, spürten aber die Hitze der Flammenwerfer!

Flammenwerfer. Auf der Bühne und mittendrin.

Flammenwerfer? Ja, richtig gelesen. Rammstein sind bekannt für ihre Pyrotechnick-Show. Da verdunkelt Rauch den Himmel, der Keyboarder wird in einem großen Kessel flambiert und es gab eine riesige Feuerschale auf der Bühne – in Form eines Kinderwagens. Das Publikum wurde mit schwarzen Schnipseln bedeckt und mit weißen, die aus einem großen Penis kamen und vier der Musiker ließen sich in Schlauchbooten über die Menge tragen. Dazu natürlich Licht, eine Leinwand auf die die Bilder einer Kamera auf der Bühne übertragen wurden. Sowie Tanzeinlagen die an Kraftwerk erinnerten, die Lichter von tausenden von Handys und Feuerzeugen und das Mitsingen des Publikums.

Während der Proben riefen Anwohner übrigens die Polizei und Feuerwehr. Nicht wegen der Lautstärke – sie dachten, die Veltins Arena stünde in Flammen.

Da kann man schonmal denken, dass das Stadion brennt.

Musikalisch machte das Konzert auch echt was her. Es war vor allem gut abgemischt, man verstand den Text, hörte jedes Instrument… das habe ich schon oft anders erlebt. Die Musik von Rammstein muss man trotzdem mögen. Es ist (natürlich) martialisch, laut und rockig. Ich mag jetzt aber auch Lieder, die mir vorher nicht so gut gefallen hatten – weil sie live so gut waren.

Till Lindemann mit einem Rucksack und weiteren… Flammernwerfern

Wermutstropfen

Den gab es auch, aber nur einen kleinen: eines meiner Lieblingslieder (Frühling in Paris) wurde nicht gespielt, obwohl es sooo schön ist. Und: die Band redet nicht mit dem Publikum. Das hätte ich mir anders gewünscht, zumindest eine Begrüßung wäre toll gewesen.

Außerdem saß hinter uns ein Typ, dessen Zusatnd nur als „volltrunken“ zu bezeichnen war. Eine Bierdusche gab es gratis, als er mit vollem Mund versuchte, zu pfeifen, er verschüttete sein Getränk und war generell eher langsam unterwegs: mitten im Lied entdeckte er die Band auf der zweiten Bühne und brüllte voller Stolz „Da sind sie ja!!!“

Ich freue mich auf nächstes Jahr

Genau. Wir hätten gern VIP-Karten gekauft, die hätten ein Buffet und Parkplätze und einen extra Eingang und was weiß ich noch alles beinhaltet. Unser Limit lag bei 150€. Der VIP-Platz kostet in Düsseldorf 287€. Das ist ein Schnäppchen: in Berlin legt man 401€ auf den Tisch. Soviel essen, dass sich das rechnet, wollte ich nicht. Jetzt sind es wieder Sitzplätze der ersten Kategorie geworden. Die Nummer unserer Sitzplatzreihe lässt hoffen: 1.

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