Markus Heitz – Aera – die Rückkehr der Götter

Die Götter sind zurück. Nicht alle, ausgerechnet die der großen Religionen lassen sich nicht blicken: kein Allah, Gott oder Jahwe. Dafür scharen die griechischen, nordischen, asiatischen, römischen und ägyptischen Gottheiten ihre Anhänger um sich, erschaffen sich neue Reiche, führen Kriege und leben… nun ja, wie Gott in Frankreich.

Und manchmal… begehen sie Verbrechen. Um diese aufzuklären reist Interpol-Ermiuttler Malleus Buorreau in alle Welt. Der ist erklärter Atheist, hat sich während der Übergangskriege Respekt unter den Göttern verschafft – vermutlich, in dem er ein paar von ihnen getötet hat – und wird verfolgt von einem Serienkiller, der hin und wieder eingreift, wenn es gefährlich wird.

Aera Ist eines dieser Bücher, das von seinen Protagonisten lebt. Ich fand diese sofort sympathisch und hätte sie gern noch länger begleitet. Besonders der zynische Verfolger hatte es mir angetan. Auch musste ich unwillkürlich darüber nachdenken, welche Schauspieler ich für die jeweilige Rolle einsatzen würde, denn auch für eine Verfilmung wäre die Rückkehr der götter prädestiniert.

Die Geschichte besteht aus insgesamt 10 Episoden, die ersten 9 sind „normale“ Fälle für den Agenten Bourreau und seine „Assistentin“ Marianne Lagrande. Sie sollen das Verschwinden von 9 Artefakten und die damit verbundenen Morde aufklären; Episode 10 widmet sich dem Showdown. Für den Kindle wurden diese Episoden getrennt voneinander für jeweils 99 Cent veröffentlich. Das finde ich echt ungeschickt da dadurch das Gefühl entsteht, es handele sich um Kurzgeschichten, die in sich abgeschlossen sind.

Ich habe Aera als Hörbuch gehört und fand es wunderbar. Uwe Teschner schafft es, die verschiedenen Charakter wunderbar unterschiedlich zu sprechen und verleiht ihnen enorm viel Persönlichkeit.

Markus Heitz ist vielleicht dem ein oder anderen als Autor von „Die Zwerge“ bekannt. Mir sagt die Reihe zwar was, gelesen habe ich sie aber nicht und Fantasy ist auch weniger mein Metier. Seinen Ausflug in die Science Fiction habe ich jedoch sehr genossen und würde ihn auch anderen Fans von Sarkasmus und Action empfehlen, wenn Brutalität sie nicht abschreckt. Leider gibt es bislang keine Fortsetzung obwohl das Ende des Romans prädestiniert dazu wäre. Das ist auch der größte Makel, denn am Liebsten hätte ich noch viiiiel mehr Zeit mit dieser Geschichte verbracht…

Dave Eggers – Der Circle

Das oben genannte Buch habe ich neulich beendet und möchte es empfehlen, da es die Macht der großen Medienkonzerne und die schlimmstmöglichen Entwicklungen portraitiert.

Mae Holland ist Mitte 20, hat das College absolviert und erste Arbeitserfahrungen gesammelt als sie, dank ihrer Freundin Annie, an einen Job im begehrten Unternehmen „Der Circle“ kommt. Dieses ist im Prinzip eine Mischung aus facebook, Twitter, Xing, Instagram, Google und Apple: es kontrolliert das Internet, Hinz und Kunz hat einen Circle-Account, ein Leben ohne diesen ist nur noch schwer vorstellbar.

Während Maes Zeit in der Firma werden immer wieder Neuerungen vorgestellt, die von den Nutzern begeistert aufgenommen werden: Mini-Kameras. Drohnen, Meinungsumfragen usw. – das alles strebt unweigerlich der totalen Transparenz und Überwachung entgegen. Mae gerät auf Grund ihrer Beteiligung daran immer wieder in Konflikte mit ihren Eltern und Freunden. Unter den „Circlern“ und den Nutzern erfreut sie sich aber großer Beliebtheit. Doch dann begegnet sie einem geheimnisvollen Mann, der sie vor dem Circle warnt. Ist er ein Spion eines anderen Unternehmens oder ein Mitarbeiter, der mehr weiß, als alle anderen?

Als das Buch 2013 erschien, wurde es viel in der Presse erwähnt und kurz darauf auch unter dem Titel The Circle verfilmt – Emma Watson übernahm die Hauptrolle, Tom Hanks eine der Nebenrollen. Ich kann den positiven Kritiken schon zustimmen, auch, wenn ich die Handlung insgesamt sehr vorhersehbar fand. Allerdings nervt Mae einen nach einer Weile ziemlich. Nicht nur, dass sie völlig unkritisch ist, sie ist auch mit dem Empathievermögen eines Goldfisches ausgestattet.

Wenn man Dystopien mag, die in einer nicht allzu weit entfernten Zukunft spielen und sich dabei bereits vorhandener Mittel bedienen, hat man bestimmt Spaß am Circle. Zudem würde ich das Buch eher der „seichten Unterhaltung“ zuordnen, was vor allem an Maes naivem Gemüt liegt. Das Denken überlässt Dave Eggers dem Leser – und ob man denken möchte, oder nicht, entscheidet man schließlich immer noch selbst. Zumindest, bis unsere Gedanken automatisch an einer Pinnwand im Internet landen.

Andreas Eschbach – Black Out / Hide Out / Time Out

Ich habe eine Trilogie gehört und sie hat mir sehr gut gefallen!

Ich höre inzwischen lieber mehrbändige Reihen als einzelne, in sich abgeschlossene Romane, da ich mich dann nicht wieder so schnell neu gewöhnen muss: an Figuren, Handlung, die Stimme des Lesenden… ich habe erst, seit ich Hörbücher höre, überhaupt erst gemerkt, wieviel Zeit ich eigentlich im Auto verbringe. Das ist nicht mal die pure Strecke von A nach B sondern vor allem die Pakrplatzsuche, das Stehen im Stau und vor Ampeln -unlängst habe ich für eine Strecke von 40km ganze 1,5 Stunden am Steuer gesessen. Das ist natürlich ein Extrembeispiel, das aber auch das Verkehrschaos im Ruhrgebiet verdeutlicht, insbesondere Pendler leiden darunter. Ein Freund steht seit Jahren um 4.20 Uhr auf, um nach Köln reinfahren zu können…naja, dafür „schaffe“ ich soviele Bücher, wie seit Jahren nicht mehr.

Worum geht’s also in Eschbachs Reihe?
Um Christopher, um die 20, und ein Nerd, wie er im Buche steht: vor einigen Jahren hackte er sich in die Rechner einer Bank und machte jeden auf der Welt, der ein Konto besaß, zu Milliardären. Das brachte ihm nicht nur den Spitznamen „Computer Kid“ ein, sondern auch einen gewissen Bekanntheitsgrad in der Hackerszene. Durch seine Arbeit in diesem Bereich ist er einer der ersten, der auf eine neue Methode zur Komunikation aufmerksam wird: in das Gehirn eingeplanzte Chips ermöglichen es Menschen, via Gedankenübertragung zu korrespondieren. Doch diese Technik birgt Tücken: die auf diese Weise zusammen geschlossenen Gehirne entwickeln sich zu einem einzelnen Bewusstsei weiter: der Koherenz. Christophers eigener, zwangsweise eingepflanzter Chip, ist defekt – was ihm die Chance gibt, zu entkommen. Er tut sich mit Serinity und Kyle zusammen, zwei Jugendlichen, und macht sich auf die Suche nach deren Vater – dem hat die Koherenz nämlich Bombenattentate in die Schuhe geschoben. Es muss einen Grund geben, warum sie ihn fürchtet und loswerden will. Den möchte Christopher rausfinden… und sich zu Nutze machen.

Black Out, Hide Out und Time Out sind intelligente und vor allem gut recherchierte Thriller – Eschbach weiß, worüber er schreibt, kann mit Begriffen aus dem Computergenre umgehen und hat um all dies eine spannende Geschichte gestrickt. Ein wenig „Coming of Age“ (=das Befassen mit dem Erwachsenwerden) ist dabei, die erste Liebe spielt natürlich auch eine Rolle, aber im Vordergrund steht die kaum greifbare Bedrohung eines mächtigen Wesens das aus tausenden Menschen besteht und sich hinter jedem Gesicht verbergen kann. Das ist nämlich das fiese an der Koherenz: solangedie Mitglieder nicht im Chor sprechen, sind sie schwer zu erkennen…

Von mir gibt’s eine Leseempfehlung für alle, die mit ein wenig Science Fiction und Dystopie etwas anfangen können… oder selbst sofort loslaufen würden, um sich einen Chip ins Gehirn stopfen zu lassen, wenn sich die Gelegenheit böte…

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