Wenn einem etwas komisch vorkommt…

…ist es meist auch komisch.

Anlässlich meines Geburtstages war ich gestern mit meiner Mutter und Oma in einem kleinen Café Kaffeetrinken. Es war unheimlich voll, wir hatten aber Glück und bekamen noch einen Tisch – andere wurden wieder weggeschickt: nichts mehr frei.

Nach der Verkostung von Kaffee, Kuchen und Likör packten wir unser Zeug zusammen und standen auf. Wir zogen uns noch am Tisch stehend die Jacken an, als ein Typ an einem Nebentisch aufsprang und sich auf den Stuhl von meiner Oma drängelte. Die Leute, die unseren Tisch übernehmen wollten, standen schon in den Startlöchern und waren auch etwas irritiert ob des plötzlichen Auftauchens des Herrn. Wir verließen das Lokal und fuhren heim. Und dort stellte meine Oma fest, dass ihr Portemonnaie verschwunden war. Sie hatte mir im Café Geld gegeben. Entweder hat sie es danach nich wieder in die Tasche gesteckt sondern daneben fallen lassen oder der Typ hat es einfach aus der Handtasche geklaut. Gefunden worden war es jedenfalls nicht.

Im Nachhinein hätten wir wohl genauer schauen sollen, was der Kerl da treibt, wenn der sich schon so seltsam verhält. Ein professioneller Taschendieb war er jedenfalls nicht sondern wohl eher jemand, der seine Chance erkannt und genutzt hat… wobei ihm das nicht viel gebracht hat, in der Geldbörse waren nur eine Krankenkassenkarte und ein bisschen Kleingeld.

Schnupfen gone bad

Ja, eigentlich wollte ich hier noch ein wenig mit dem Layout rumspielen und dies dann auch ankündigen. Jetzt habe ich mein einspaltiges Design, juhu. Uneigentlich bekam ich dann aber eine Erkältung und meine Motivation sank in den Keller – ausgerechnet während meines Urlaubs krank! Es gibt tatsächlich diverse Studien, darüber, warum man ausgerechnet eher im Urlaub krank wird als während der Arbeitszeit. Zum Beispiel diese hier.

Trotz Rotz ging ich wieder arbeiten, so richtig krank ist man mit einer Erkältung ja nun nicht und Medikamente erledigten den Rest. Gegen Ende der Woche hörte das Schniefen auf und mein Geruchs- und Geschmackssinn kehrten zurück. Sie brachten so einen seltsamen Druck auf dem Ohr mit. Das war so lange überhaupt kein Problem wie mein Hausarzt Sprechstunde hat – etwa bis Samstagmittag. Abends tat dann alles, was das Ohr im weitesten Sinne betrifft,  schon ganz schön weh: kauen, husten, Nase putzen…

Sonntag wurde es echt eklig, ich hatte das Gefühl, mein Trommelfell wolle platzen. An Schlaf war nicht zu denken, im Liegen wurde der Druck im Ohr noch größer, am Liebsten hätte ich selbst mit einer Nadel das Trommelfell angepiekt, damit der Eiter ablaufen kann.

Somit schleppte ich mich am Montag dann zum Arzt. Ich dachte noch immer, das sei mit ein bisschen Schmerzmittel und zwei Tage Krankschreibung erledigt. So kannte ich das Prozedere zumindest aus meiner Kindheit, in der ich oft unter Mittelohrentzündungen litt. Tja, mein Arzt schlug die Hände überm Kopf zusammen, nachdem er versucht hatte, in mein Ohr zu schauen: der Gehörgang war schon komplett zugeschwollen, das Bisschen, was er sah, war eitrig-matschig. Antibiotikum, Krankenschein für die ganze Woche, Novalgin, Ende der Woche nochmal wiederkommen, dann evtl. Hals-Nasen-Ohren-Arzt.

Nun lunger ich hier zu Hause rum. Netflix und Schmerzmittel sind meine treuen Begleiter, alle paar Stunden gibt’s den Bakterien-Killer Clindamycin. Auf dem linken Ohr höre ich fast nichts, ist ja geschwollen und voller Eiter.

Immerhin habe ich Zeit für Serien: Salvation habe ich gesehen, als nächstes stehen Peaky Blinders und Haus des Geldes auf dem Plan. Drückt mir die Daumen, dass bis Donnerstag die Entzündung etwas zurückgegangen ist, dann habe ich den nächsten Termin beim Arzt.

Beerdigung – wie geht das?

Vor einigen Monaten habe ich ja über Walter, den Mann meiner Mutter, geschrieben. Inzwischen ist er gestorben, wurde eingeäschert und beigesetzt.

Im Vorfeld der Trauerfeier und Beisetzung fragte ich mich „wie geht das eigentlich?!“. Ich war erst 1x (bewusst) bei einer Beerdigung, da war ich 14 und es war eine Standard-Bestattung im Sarg. Das ganze Drumherum mit Kleidung usw. hat meine Mutter gemanagt ich musste nur anwesend sein.

Kleidung ist ein gutes Stichwort! Muss ich unbedingt in schwarz & schick kommen? Ich trag nur Band-Shirts…

Naja, besonders für den verwitweten Ehepartner ist schwarz „gängig“ – es sei denn, es war anders gewünscht. Als „normaler“ Gast sind auch gedeckte Farben ok, einigermaßen in Ordnung sollte die Kleidung aber sein – also bitte ’ne Buxe ohne Löcher und auch das Band-Shirt vom letzten Wacken bleibt besser zu Hause.

Bei mir ist schwarz ja kein Problem, das ist die einzige Farbe, die sich im Überfluss in meinem Schrank befindet. Wenn ich mich richtig erinnere, trug ich eine 3/4-Hose und ein Top, es war nämlich recht warm. Achtung beim Schuhwerk! Unser Friedhof ist recht unwegsam und nur zum Teil befestigt. Noch extremer ist das wohl in Friedwäldern. Ich war jedenfalls froh, dass ich nicht die schicken Schuhe für Festlichkeiten rausgekramt habe.

Wie lange dauert die Trauerfeier etwa?

Bei uns: 20 Minuten.

Das lief so ab: Musik lief (irgendwas von Mozart), der Trauerredner begrüßte die Trauergemeinde (also den menschlichen Inhalt der Kapelle – die Besucher halt)  und sagte ein paar Worte über Walters Leben. An dieser Stelle brachte es besonders viel Spannung und Spaß für alle Beteiligten, dass kaum jemand von Walters erster Ehefrau wusste – alle, einschließlich seiner Söhne, dachten, er sei nur 2x verheiratet gewesen. Hach ja, kleine Überraschungen lockern die Stimmung auf.

Dann gab’s nochmal Musik. Soeine Art tibetanisches Kuhglocken-Geläut. Hat meine Mutter gewählt, ebenso wie das anfängliche Mozart-Stück.

Es folgte der zweite Teil der Rede (ohne Überraschungen), und das letzte Lied Calm after the storm von den Common Linnets, weil Walter das sehr gemocht hat, währenddessen der Bestatter die Trauergemeinde bat, sich zu erheben und wir dann hinter der Urne die Kapelle verließen.

Wo sitze ich in der Kapelle?

Das ist sehr einfach: Kinder und Ehepartner ganz vorne, dahinter die Verwandten und dahinter Kollegen, Freunde etc.

Wie kommt die Urne ins Grab?

Das war eine Frage, über die ich vorher tatsächlich nachgedacht habe. Bei einem Sarg ist die Sache ziemlich eindeutig, die Sargträger lassen den an solchen Leinen hinab. Aber das Loch für eine Urne ist ziemlich klein. Wird die reingeschmissen? Oder gibt’s eine kleine Rutsche? Weder noch – sie hat Bänder an zwei Seiten und wird, ähnlich wie der Sarg, herabgelassen.

Schmeißt man dann auch was hinterher?

Bei einem Sarg ist es üblich, Rosen, Rosenblätter oder Erde/Sand auf den Sarg zu werfen. Die Frauen greifen eher zu Blümchen, die Männer zu Schüppe. So geht das bei der Urnenbestattung auch. Allerdings wurde vorher ein Kranz über das Loch gelegt, was die Einwurfschneise ziemlich verkleinerte. Gut, wenn man ab und zu Dart spielt, zumindest die Rosen bekam man dadurch einigermaßen gezielt ins Grab.

Der Bestatter will ein Foto des Verstorbenen zeigen, kann man da nehmen, was man will?

„Ja!“ hätte ich vor kurzem noch geantwortet, es sei denn, Opi hat noch in seiner Wehrmachts-Kluft posiert oder nackt… wir wollten ein Foto, das Walter in seiner natürlich Umgebung zeigte, wo er sich wohlfühlte. Es gab auch ein schönes, von einer Party mit einem Glas Bier in der Hand. Wir hatten es sogar schon entwickeln lassen und gerahmt aber der Bestatter sagte „nö, das, äh, Format passt nicht“. Da es das schönste Foto war, das wir hatten, gaben wir es ihm trotzdem und er schnitt das Bierglas ab.

Meine Mutter machte „kurzen Prozess“, nahm das ursprüngliche Bild mit, stellte sich vor die Trauergemeinde und verkündete, dass das das Original sei – es stieß auf viel Zuspruch.

Muss ich beten? Wenn ja: zu wem?

Bei uns wurde nicht gebetet, das hatte meine Mutter so verfügt. Der Redner  – kein Pfarrer – fragte, ob sie wolle, dass das Vater Unser gebetet werde, was meine Mutter verneinte. Ansonsten wird in unseren Kreisen aber meist zum christlichen Gott gebetet. Dem geneigten Leser steht es aber ja frei, nur die Lippen zu bewegen oder Odin, das fliegende Spaghetti-Monster oder Morgan Freeman anzubeten. Ein wenig Diversität schadet dem ganzen sicher nicht, man will ja sicher sein, dass der Verstorbene beim richtigen Gott landet.

Darf ich Fotos machen, von der Kapelle, dem Grabschmuck, der Trauergemeinde?

Wir bekamen vom Bestatter ein kleines Fotoalbum. Kein Scherz. Ansonsten ist Blitzlicht wohl eher unangemessen, die Leute waren auch nicht drauf. Aber der ganze Schmuck (Rosen und – irre kitschig – Teelicht-Herzen) war abgebildet und später das geschmückte Grab.

Ich bin es nicht gewohnt, solange nichts zu essen! Wann gibt’s Futter?

An die Trauerfeier anschließend ist meist eine kleine Verköstigung mit Brötchen und Kuchen und Nachbarn.

Danach ging’s auch schon nach Hause, wo wir mit einigen Verwandten noch bis abends zusammen saßen. Mein Cousin und ich überlegten sogar noch, ob wir in ’ne Kneipe verschwinden und ’nen Spieleabend machen.

So lief das also bei uns. Eine recht rührende Szene gab’s noch am Grab, bevor wir uns aufmachten zum Essen: der Redner bedankte sich, dass soviele gekommen waren – die Kapelle war gerammelt voll, 40 – 50 Leute ca. – er würde oft auf Beerdigungen vor zwei, drei Leuten sprechen, das fände eher immer sehr schade…

 

 

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