Ich hab ein neues Auto. :)

Es hat einen Grund, warum ich diesen Artikel am Wochenende veröffentliche. Ich bin ein sehr friedliebender Mensch und möchte keinen Unmut bei meinen Lesern auslösen. Genauer gesagt bei denen, die zweimal am Tag an überfüllten Bahnhöfen ausharren und sich fragen, ob man nicht, wenn alle Wartenden zusammenlegen würden, den Lokführern die gewünscht Lohnerhöhung privat auszahlen und dafür pünktlich – oder überhaupt – bei der Arbeit ankommen könnte.

Ich habe ein neues Auto. Natürlich ein gebrauchtes aber für mich: ein neues. In meinem Jahresrückblick-Artikel schrieb ich, dass ich nach einem Mazda 2 suche. Der Mazda 2 ist ein praktisches Auto, mit 5 Türen, genauso vielen Sitzen, einem großen Kofferraum, 80PS, ESP… gerade letzteres wollte ich gern haben, da es das Fahren sicherer macht. Ursprünglich hatte ich auch mal nach einem Mitsubishi Colt gesucht, mein Vater meinte aber, der Mazda wäre besser. Ganz grob lauteten meine Suchkriterien: nicht älter als 10 Jahre, kein Kleinstwagen, gerne ein Asiate (auf keinen Fall ein Franzose), nicht mehr als 100.000 km gelaufen, nicht teurer als 5000,- €, achtfach bereift und eben mit ESP. Irgendwann lies ich mir alle Modelle des Mitsubishi Colts, die in dieses Raster fallen würden, anzeigen. Und fand den Mitsubishi Colt CZC. 109PS, Sportfahrwerk, Zweisitzer, Hardtop-Cabriolet (also ein Cabrio das aber ein Blechdach hat, keines aus Stoff). Nicht das, was man kauft, wenn man „ein vernünftigs Auto“ will…

Wenn man ein Auto kaufen möchte, passieren zwei Dinge:

  1. Jeder ist plötzlich ein Experte und weiß ganz genau, was du für ein Auto brauchst oder zumindest, wie du es bekommst. Mitkommen, wenn du Autos besichtigst und probefährst will freilich niemand.
  2. Mindestens die Hälfte aller passenden Wagen, deren Anzeigen du herausgesucht hast, sind schon längst verkauft.

Ich lies mich letztendlich nur noch von denen beraten, die auch mitgekommen wären, wenn sie Zeit gehabt hätten oder nicht soweit weg wohnen würden, bei denen ich aber jederzeit das Handy klingeln lassen konnte um zu fragen, wo ich anfangen solle zu handeln oder worauf ich achten müsse. Meine Mutter und Oma vertraten vehement und ohne locker zu lassen die Ansicht, man kaufe kein Auto einer bestimmten Marke sondern man kaufe eines, dass sich in unmittelbarer Nähe zum Wohnort befinde. Ich hatte mich nämlich, ob der Seltenheit des Gewünschten, entschlossen, in ganz NRW zu suchen. Mein Weg führte mich dabei u. a. nach Köln und Datteln. Ich hielt geradelinig – oder stur – an dem Plan fest, dieses Auto zu kaufen und kein anderes. Die vergleichbaren Modelle anderer Hersteller schlossen sich nämlich von vorneherein aus. Der Peugeot 206/207 cc ist ein Franzose und der Opel Tigra Twintop hätte 30PS weniger gehabt aber 100€ Versicherung mehr gekostet. Außerdem ist man als Quasi-Bochumer doch irgendwie verpflichtet, sich von Opel zu distanzieren.

Die Probefahrten waren auch abenteuerlich. Bei einem der Wagen wollte ich die Klimaanlage testen, der Verkäufer stimmte dem zu, ich fasse dahin, wo die Klimaanlage sein sollte: keine Klimaanlage. „Nanu?“ schien auch der Händler zu denken. In der Anzeige wurde die Klimaanlage nämlich erwähnt. Lange überlegen musste ich nicht, auf angenehme Kühle im Inneren des Gefährts verzichten wollte ich nicht, obwohl man mir finanziell weit entgegengekommen wäre.

Ein Anderer versuchte wohl, mir einen Blender zu verkaufen, also einen als unfallfrei ausgegebenen Wagen, der einen Unfallschaden hatte. Zumindest deutete das Fahrverhalten und die lädierte Karosserie darauf hin… und natürlich, dass er mich beim Versuch, zu handeln, mit den freundlichen Worten „Verpiss dich, du Fotze!“ bedachte.

Danach war mein Bedarf an Enttäuschungen und umsonst gefahrenen Kilometern eigentlich erstmal gedeckt, zumal 3 oder 4 andere Anzeigen, bei denen ich nachfragte, längst nicht mehr aktuell waren, ein weiterer Verkäufer fragte mich, ob es mich dann störe, dass der Motor kaputt sei – stand natürlich nicht in der Anzeige – und der Wagen nicht fahre… Mein letzter Weg führte mich nach Datteln zu einem weiteren Händler. Und dort erwarb ich dann „das kleine Schwarze“. Ledersitze, achtfach bereift, neuer TÜV. Hinten drauf klebten ungefähr 18 Fußballaufkleber und 14 Hundeköppe. Diese wurden Teil unserer Verhandlungen: das Zeug kommt runter, TÜV neu, Sommerreifen drauf, hundert Euro vom ausgewiesenen Preis runter, dafür ignoriere ich mal, dass der 7000 km mehr runter hat, als in der Anzeige steht… man wurde sich einig und nun habe ich jeden Morgen schon auf dem Weg zur Arbeit Spaß… und habe ein weiteres Problem, über das ich nachdenken kann: sind 12° C evtl. zu kalt um offen zu fahren?

Neues Auto ohne Dach
Neues Auto mit Dach

5 Kommentare

  1. Schnieke! Aber was du da teilweise erlebt hast… puh, das entspricht ja leider so ziemlich jedem Gebrauchtwagenkauf-Klischee.

    Bei mir kommt das Thema Autosuche auch so allmählich auf den Tisch – derzeit teilen sich der Beste und ich ja einen Wagen, aber wenn wir mit dem Hausbau dann tatsächlich irgendwann mal durch sein sollten und quasi am Ende der Welt gleich links wohnen, brauchen wir zwei Autos. Momentan bin ich aber zugegebenermaßen noch wirklich erschlagen von der schier unendlichen Auswahl… oO

    1. Ich kam mir teilweise auch vor wie im falschen Film.

      Dass du da erstmal erschlagen bist, kann ich verstehen. Mir hat’s was gebracht erstmal – ganz political incorrect – die Nationalität meines Autos einzuschrnken. Ich Rassistin. Dann hast du zumindest ein paar Marken zur Auswahl und dann geht’s ja hauptsächlich um den Typ des Wagens (Kleinwagen, Limousine etc.).

      Ich hoffe, du findest etwas schönes für dich.

  2. Kia ora, Mara.
    Stimmt, der Wagenkauf ist nicht, als würde man/frau sich eine Tütensuppe kaufen. Zu früher wohl vergleichbar mit dem Viehkauf; da sollte auch alles passen.
    Offensichtlich hegst Du Vorlieben für den sportiven Gang…

    Hm…schlechte Erfahrung mit der französischen Automobil-Kultur gemacht?!

    Ah ja – das beliebte Spielchen „die Kundschaft wird das Fehlen diverser Extras schon nicht frühzeitig bemerken“. Immerhin wurde nicht vorgeschlagen das Fenster dafür zu öffnen.

    Testikelträger 2 – Charaktermarke „Frauen kann man leicht hintergehen!“ – offenbarte dann aber die volle Breite männlichen Charmes. Eine Büte seines Geschlechts. Wenn auch nur die Version Aas-Blume…

    12°c Temperatur sind kein Problem; solange Du Dich zuvor wie eine Doppeldecker-Pilotin einkleidest. Das Fiese am Cabrio ist ja die langsame Auskühlung durch den Fahrtwind.

    Dann wünsche ich Madame weiters ordentlich viel Fahrfreude im petite noire!

    bonté

    1. Aloha!

      Ich mags gern mal etwas zügiger, womit ich nicht unbedingt Geschwindigkeiten jenseits der 180km/h meine, sondern, dass ich gern shcnell von einem Ort weg bin.

      Ich habe keine schlechten Erfahrungen mit den Franzosen aber viele andere. Maan unterstellt ihnen wohl, mit der eingebauten Technik nicht umgehen zu können, wodurch die Reparaturen sehr teuer werden.

      Ich glaube, der Verkäufer wusste auch selbst nicht, dass die Klimaanlge fehlt. Jedenfalls stand der Wagen als ich einige Zeit später zu Hause war, neu drinnen, für 500€ weniger und ohne ausgewiesene Klimaanlage. Ich bin dieser heißen Tage jedenfalls sehr froh, eine zu haben.

      Meine Mutter berichtete von einer ihrer Beknnten, die auch bei 6°C offen fhre. Sie mache dann einfach die Heizung an. Auch eine Möglichkeit, der Kälte zu trotzen.

      Grüße!

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