Blogparade: Schlafstörungen

Lothar hat in seinem Blog eine Blogparade gestartet, in der es um Schlafstörungen geht. Über einen Aspekt meines Schlafverhaltens habe ich bereits gebloggt, nämlich über meine Fähigkeit, mich an alle meine Träume zu erinnern. Schön ist das nicht, da ich mitunter sehr intensiv träume und es kaum unpassendere Adjektive als „entspannend“ oder „erholsam“ gäbe, um diesen Zustand zu beschreiben. Trotzdem schlafe ich an sich gern – allerdings vorzugsweise in der Zeit von 4 bis etwa 10 Uhr. Und das ist leider unvereinbar mit meinem Job.

In den meisten Nächten komme ich auf ungefähr vier Stunden Schlaf, ich schlafe recht schnell ein, aber nie durch und es gibt nur einen Moment, in dem ich mich garantiert im Tiefschlaf befinde: wenn der Wecker klingelt. Wenn ich nachmittags zu Hause bin, kann ich dann weitere zwei Stunden ins Bett gehen. Tagsüber zu schlafen hat allerdings einen gravierenden Nachteil: deine Umgebung hält dich für faul. Du pennst, wenn andere malochen, du wälzt dich in den Laken während andere joggen gehen… dass du im Endeffekt weniger schläfst, als die meisten anderen, interessiert nicht, denn du tust es zur falschen Zeit und passt damit nicht in die gesellschaftliche Norm. Apropos: Gesellschaft zu finden wird auch schwer. Ein Hoch auf Freunde im Schichtdienst!

Meine Schlafstörungen belasten mich nicht sonderlich. Ich habe mich gewissermaßen daran gewöhnt, morgens nicht taufrisch voller Erwartung, welch‘ Freuden mir der grauende Morgen bringen wird, aus den Federn zu springen, sondern ins Bad zu schlurfen und erst nachdem Duschen und einigen Minuten für mich, ansprechbar zu sein. Anstregend wird’s wenn die Müdigkeit zu groß wird. Objekte ziehen dann Streifen, meine Hände zittern, lege ich mich hin und schließe die Augen, habe ich das Gefühl, mich zu drehen oder zu fallen – dafür klappt das Schlafen dann einigermaßen. Mitten in der Nacht, vorzugsweise aus einem Alptraum, aufzuwachen, ist auch immer ein Erlebnis der besonderen Art. Nicht nur, dass ich oft träume, im Bett zu liegen, während irgendetwas Böses in meiner Wohnung sein Unwesen treibt (erklär‘ deinem Kopf mal im Halbschlaf, dass das gerade ein Traum war… ) ich befinde mich auch danach noch in einem sehr interessanten Zustand: ich nehme alles, selbst Dinge, von denen ich weiß, dass sie direkt vor meiner Nase sind, wie die eigene Hand, wahr, als seien sie kilometerweit entfernt und unerreichbar…

Schlaflosigkeit vernebelt die Realität! Alles ist weit weg… Alles ist eine Kopie einer Kopie einer Kopie… – Fight Club

Die eigentliche Frage zielte aber auf Tipps, wie mit Schlafstörungen zu verfahren sei, ab, hier kommen meine:

  1. Vergiss Schlaftabletten. Wenn du Bock drauf hast, lauf in die Apotheke und hol‘ dir Vivinox (nimm‘ gegen den Rat der Apothekerin/PTA gleich die starken) und wirf um fünf, sechs Uhr morgens eine ein… der Ärger, dass es nicht wie gewünscht zu weichem, trägem Schlaf führt, wird dich wachhalten und dir die Nacht versüßen! Natürlich kannst du die Dosis erhöhen, nur zu. Vivinox und andere Präperate mit dem Wirkstoff Diphenhydramin (u. ä.) führen zu Halluzinationen… meist von Spinnen. Viel Spaß!
  2. Nicht wegen Alpträumen nicht schlafen, in der Hoffnung, sie würden dadurch weniger werden. Dein Unterbewusstsein sucht sich seinen Spielplatz sobald des Todes Bruder dich einholt und deine Monster werden sich zusammenrotten…
  3. Ritualisiere dein Zubettgehen aber benutze das Bett nicht für Dinge, für die es nicht gedacht ist – es sollte zum Schlafen und Entspannen da sein, nicht, um darinnen zu leben. Lies ein Buch. Spiele Candy-Crush. Kraule deinem Partner den Rücken oder lass die Hände nicht brav über der Bettdecke. Aber: führe diese Handlung möglichst oft vor dem Schlafen durch.
  4. Mir hat ein Tageslichtwecker beim Einschlafen (und Aufwachen) sehr geholfen. Das Prinzip ist einfach: langsam dunkler werdendes Licht lässt dich sanft einschlafen und statt eines schrillen Weckerklingelns weckt dich ein künstlicher Sonnenaufgang auf den Naturgeräusche folgen. Insbesondere das dimmende Licht hilft mir sehr, da man sich quasi selbst darauf konditioniert und der Körper sich irgendwann dran gewöhnt.
  5. Höre auf, die Vorteile zu genießen. Schlaflosigkeit bringt nicht nur Übles mit sich. Du bist länger wach, hast also mehr vom Leben. Es macht dir nichts, morgens um halb fünf mit der Kamera bis zu den Knien in der eiskalten Ruhr zu stehen und den Blutegeln ein Buffet zu sein. Wenn du mal eine Nacht anderweitig beschäftigt warst, als du es sein solltest, sehen deine Kollegen es nicht sofort am nächsten Morgen an deinen, an einen Panda oder Metaller mit Corpsepaint erinnernden Augenringen, weil sie dich eh nicht anders kennen… Denk lieber daran, dass zu wenig Schlaf dösig, dick und dauerbenebelt macht. Das treibt dich dann eher ins Bett als die Erwartung auf den Sonnenaufgang vor die Tür.

Ich hoffe, ich konnte einigen hier helfen. Die Standard-Tipps und Hausmittelchen kann jeder selbst ergoogeln. Mir haben sie nie etwas gebracht (mit Ausnahme der Ritualisierung), aber vielleicht helfen sie dem ein oder anderen ja.

Gute Nacht!

11 Kommentare

  1. Konban wa, Mara san.
    Ich denke wir alle träumen intensiv vor uns hin. Unterschiedlich dürften nur unsere „Strategien“ im Umgang damit sein. Ich erinnere mich an keine Träume, weiß aber während eines solchen, daß ich definitiv gleich aufwachen werde. Sekunden danach sind alle Traumfetzen bereits verweht.
    Wobei ich eine Bloggerin kenne, die mitten in der Nacht aus einem Traum erwacht, ihn aufschreibt und danach weiterschläft. Die Carianten sind demnach vielfältig.

    Das Schlafen oder Dösen ist eine der Kraftquellen des Menschen. Nicht umsonst ist Schlafenzug als Folter geächtet. Ein schlafender Mensch ist ein friedlicher Anblick; Bonaparte soll mit nur 2 Stunden Schlaf ausgekommen sein – und wir wissen womit er Europa überzogen hat!

    Hm…Leute, die jungdynamisch morgens aus dem Bett springen, sind wohl eher ein Klischee der Werbeindustrie. Models, die vor dem Gang ins Bad bereits 2 Stunden im Makeup aufgeforstet wurden.

    Persönlich schlafe ich wie ein Stein, in der Regel 4 – 5 Stunden, döse aber liebend gern durch den Tag, wenn ich nicht zu arbeiten habe.

    Darf ich Dir trotz allem schöne Träume wünschen?!

    Oyasumi nasai…

    bonté

    1. Aloha!

      Natürlich darfst du mir schöne Träume wünschen. Diese Nacht habe ich immerhin 6 Stunden geschlafen. Yeah!

      Schlafende Menschen sind ein friedlicher Anblick… naja. Ich erinnere mich mit Entsetzen an meine bisher einzige Nacht in einem Zelt. Neben mir eine Klassenkameradin, die mit offenem Mund, schnarchend und alle paar Minuten laut furzend, schlief…

      Das aufschreiben der Träume direkt nach dem Aufwachen dient m. W. n. dazu, luzides Träumen zu erlernen, also im Traum zu wissen, dass man schläft, was einem ermöglicht, den Traum bzw. dessen Ablauf zu kontrollieren. Eine nette Spielerei, die aber leicht größenwahnsinnig machen kann.

      Schläfrige Grüße!

      1. …erwischt! Ich ging bei meinem Ansinnen vom Ideal der „schlafenden Schönheit“ in der klassischen bis modernen Malerei aus.
        Nicht jetzt von den Banalitäten des Druckausgleichs; aber das komplette Universum strebt ja nach Ausgleich.
        Wobei Zelterfahrungen schon zu den Extremen zählen!

        Bei Ihr ist das Aufschreiben eines Traums eher nicht beabsichtigt, mehr ein Reflex, wie sie schrieb.

        Den Star Wars-Teaser schon gesehen?

        Respektive von der Unterschriftenaktion gegen einen Auftritt von Julien Blanc in Deutschland gehört?

        bonté

  2. Schlafstörungen habe ich nicht mehr, aber als ich noch zur Schule ging hatte ich eine Phase, in der ich sehr schwer ein- und durchschlafen konnte. Das hat mich damals schon sehr belastet, aber irgendwie ging es dann einfach wieder weg.

    Was wir aber teilen ist das sehr lebhafte Träumen und die Erinnerung daran. Ich träume fast jede Nacht und erinnere mich daran. Meistens sind das ganz unsinnige, belanglose Träume, aber wenn sich bei mir der Stress mehrt, dann hab ich auch sehr oft Albträume. Das häufigste Motiv dabei ist, dass ich von Tigern oder Löwen verfolgt werde Mein Freund verdreht schon immer die Augen, wenn ich mal wieder sage „Ich hab von nem Löwen geträumt!“ Das kommt wirklich ziemlich häufig vor…! Vielleicht sollte ich mich auch mal mit dem luziden Träumen beschäftigen um den Löwen beim nächsten Mal zu zähmen

    1. Von Löwen habe ich noch nie geträumt… schau doch mal, ob das irgendwas „bedeutet“ so traumdeutungsmäßig. Wirklich glauben tue ich zwar nicht daran aber ich find’s manchmal spannend zu lesen, was andere in meine Träume hineininterpretieren würden.

      1. Was das Symbol-mäßig bedeutet weiß ich auch nicht. Ich denke aber dass die Träume vor allem dann auftreten wenn mir wichtige Aufgaben im Nacken sitzen oder ich Angst habe, bestimmte Dinge nicht zu schaffen. Und sich das in Form von Löwen/Raubkatzen in meinem Traum widerspiegelt, indem ich dort verfolgt werde und Angst habe. Die Angst ist nämlich tatsächlich sehr, sehr stark während dieser Träume.

        1. Ich hab’s mal schnell gegoogelt aber nur überflogen: angeblich stehen Löwen für Stärke und Kraft. Allerdings steht da nichts davon, von denen verfolgt zu werden…

  3. ich finde es trotzdem spannend, sich an seine träume zu erinnern, weil man da unheimlich viel über sich selber lernen kann. zumindest geht es mir so. mein schlafrhythmus passt leider auch nicht mit meinem job zusammen – von „natur“ wegen würde ich von 1 bis 9 schlafen, so schlafe ich meist von 11 bis 6, habe jedoch oft probleme mit dem ein- und auch mit dem durchschlafen. der biorhythmus lässt sich halt nur dann umprogrammieren, wenn der kopf ruhig ist. wenns da rundgeht, bin ich wach.

    1. Den Biorhtymus umzuprogrammieren klappt meiner Erfahrung nach kaum… ich werde einfach vor 1 Uhr nie müde, egal, was ich gemacht habe und wie lange ich wach bin.

      Träume sind ein netter Einblick ins Unterbewusstsein, ja, aber mir werden die Einblicke mitunter zuviel…


      Schwere Träume

      Das war mir eine schwere Nacht,
      Das war ein Traum von langer Dauer;
      Welch weiten Weg hab ich gemacht
      Durch alle Schrecken, alle Schauer!

      Der Traum, er führt mich an der Hand,
      Wie den Äneas die Sibylle,
      Durch ein avernisch dunkles Land,
      Durch aller Schreckgestalten Fülle.

      Was hilft es, daß die Glocke rief
      Und mich geweckt zum goldnen Tage,
      Wenn ich im Innern heimlich tief
      Solch eine Hölle in mir trage?

      (Ludwig Uhland)

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