Was fällt mir auch ein!

Wie jeden Samstag begab es sich auch an diesem Wochenende, dass ich meine Oma zum Einkaufen im örtlichen Edeka fuhr. Es scheint von elementarer Bedeutung zu sein, dass man dort möglichst früh eintrifft, „bevor alles weg ist“ sozusagen. Frühes Aufstehen widerstrebt meiner Natur grundlegend, aber was will man machen. Wenn Oma meint, nach 11 Uhr wären die Regale ratzekahl leergefegt, muss man das respektieren (noch schlimmer scheint es ihrer Meinung nach in Baumschulen zu sein. Entweder, man ist um Punkt 8 Uhr da oder es gibt keine Bäume mehr).

Ich steuerte das Auto also auf den Parkplatz, suchte mir eine hübsche Lücke und stieg aus. Neben mir im Auto saß, bei geöffneter Beifahrertür, ein älterer Herr – blutüberströmt. Daneben stand, völlig aufgelöst und überfordert seine Gattin und wusste nicht, was sie tun sollte. So ein richtig süßes Omi und Opi-Pärchen. Auf Nachfrage erklärte man mir, er habe sich den Kopf an der Ecke der Autotür angehauen, was eine kleine Verletzung an der Stirn zur Folge hatte. Kopfwunden bluten aber ja wie die Sau; gepaart mit dem Versuch des Wegwischens sah er aus, als wolle er Polen allein mit seiner furchteinflößenden Erscheinung zurückerobern.

Auf Grund einiger meiner Freizeitaktivität und meinem Sinn für morbide Ästhetik kenne ich mich mit Wundversorgung einigermaßen aus und fühlte mich berufen, zu helfen. Während ich also Taschentücher und Pflaster aus den unergründlichen Tiefen meiner Handtasche hervorkramte, stand meine Oma genervt zwei Meter entfernt und sagte immer wieder: „Jetzt komm. Maria, jetzt komm“. Nachdem ich ihn mit einem schicken Pflaster auf der Stirn zurückgelassen und ihr versichert hatte, ihr Gatte werde diese Verletzung schon unbeschadet überstehen, kam ich der Aufforderung meiner Oma nach. Diese erklärte mir umgehend, dass das so nicht gehe. Ich solle mich nicht überall einmischen sondern mich lieber aus den Angelegenheiten anderer Leute raushalten. Was fällt mir auch ein!

Unnötig, zu sagen, dass meine Oma die erste ist, die „der Jugend von heute“ mangelende Hilfsbereitschaft attestiert, wenn der junge Mann, der auf Grund seines gebrochenen Beines auf Krücken angewiesen ist, nicht umgehend einen Hechtsprung macht, um ihr beim Aufheben zu helfen, wenn ihr etwas herunterfällt…

2 Kommentare

  1. Es gibt Menschen, die glauben wirklich, in der Welt würde alles nur für sie sein. Ich will deine Oma aber jetzt nicht beleidigen ich kenn auch solche Menschen, und ich mag sie trotzdem, aber manchmal nervt’s (und die eigene Realität und die eigene Welt dreht sich ja streng genommen auch nur um einen selbst.)
    Aber war sehr nobel von dir, dem Herren zu helfen, das Pärchen hat sich sicher gefreut.
    Zum frühen vor Ort sein fällt mir doch eine Story aus einem Buch ein, das ich mal las:
    Die 95-Jährige Oma hat sich dreißig Kilo Mehl gekauft, weil man für jedes Kilo mit einem Coupon eines gratis bekam. So hat die Dame systematisch ihre Freunde und Familie dazu gebracht, mit ihr ein paar Kilo Mehl kaufen zu gehen, bis sie auf diese Summe gekommen ist – „für schlechte Zeiten.“

    1. Mehl kann man doch immer mal brauchen! Wenn’s keins mehr gibt, werden sich alle umgucken… außer ihr.

      Meine Oma hast du schon ganz richtig eingeschätzt… bloß nicht über den eigenen Tellerrand schauen. Bei sowas ist das ja auch nciht so dramatisch, aber ich bekomm’ das Kotzen, wenn solche Menschen anderen damit schaden. Oder glotzend und möglicht langsam an Unfallstellen vorbeifahren etc.

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