Post und Cholera

In der Vorweihnachtszeit habe ich, wie wohl viele andere auch, besonders viel Kontakt mit der Post und DHL. Beziehungsweise eigentlich nicht wirklich, meinen DHL-Paketboten habe ich nämlich seit Wochen nicht mehr gesehen. Der wirft die Päckchen nur noch in den Hausflur, wo sie dann von den Nachbarn oder mir aufgelesen werden. Eines lag vor der Kellertür, ein anderes bei den im Erdgeschoss wohnenden Nachbarn auf dem Balkon.

Am vergangenen Montag wagte ich mich dann in die Höhle des Löwen as known as: Hauptfilliale der deutschen Post. Ich war naiv genug zu glauben, am 9.12. wäre es noch recht leer, die meisten würden die Geschenke erst um den 20. rum verschicken, damit sie Heiligabend unterm Baum liegen. Never have I been so wrong!

Die Schlange stand bis draußen und resigniert reihte ich mich mit meinen zwei Paketen ein. Vor mir ein Rentner mit einem schier ungebändigten Kommunikationsdrang, der den Umstand, dass ich nicht fliehen konnte, nutzte um jeden seiner Gedanken auf der Stelle und an mich gerichtet zu verbalisieren. Selbst, als meine Mutter anrief und ich offensichtlich telefonierte, konstatierte er weiter, dass früher alles besser war, die Parkplätze billiger, die Autos schmaler, Autobahnen gepflegter und Schlaglöcher wurden erst nach Öffnung der deutsch-deutschen Grenze im Westen eingeführt. Ich realisierte, dass mein Martyrium sich noch einige Zeit hinziehen würde, da von den fünf vorhandenen Schaltern selbstverständlich nur zwei geöffnet waren. Kennt man ja.

Als die Zielgerade, visualisiert durch einen gelben Streifen auf dem Boden mit der Aufschrift  „Diskretion, bitte hier warten“, bereits in Sicht war, begann dann das Highlight das Tages. Vor mir und dem Rentner noch zwei Kunden: ein Postbote und eine Mutter südosteuropäischen Ursprungs mit zwei Kinden, ungefähr 4 und 6 Jahre alt. Der Postbote beanspruchte den ersten, freiwerdenden Schalter. Er hatte einen Abholschein dabei und war erschienen, um seine Sendung abzuholen. Die Suche nach dem verlorenen Päckchen begann. Nachdem Postbeamtin Nr. 1 es nicht finden konnte, forderte sie Ground Support bei ihrem Kollegen an. Dadurch waren beide Schalter unbesetzt. Die Konsultation eines weiteren Kollegens aus einem der Hinterzimmer war erforderlich, wodurch zumindest ein Mitarbeiter zurückkehrte um die wartenden Kunden abzufertigen.

Nun trat die bekopftuchte Mutter mit ihrem Nachwuchs an den Schalter. Ihre Vorstellungen des deutschen Postsystems waren wohl sehr abwegig, denn sie legte dem Beamten einfach ein bisschen Krempel hin, den dieser nun wohl an seinen Zielort zaubern sollte. Etwas hilflos wies der Staatsbedienstete daraufhin, dass man wohl einen Karton brauche. Die Dame selbst war der deutschen Sprache nicht mächtig, hatte aber ja ihre persönlichen Dolmetscher dabei. Der ältere Junge verstand ein bisschen Deutsch und schaffte es auf Anweisung, einen Karton aus einem der Regale zu nehmen und zum Schalter zu bringen. Gefalltet, befüllt und verschlossen wurde dieser vom Mitarbeiter, eine Empfängeradresse führte die Türkin auch mit. Auf die Aussage „das macht dann 8,50€“ reagierte diese allerdings mit Verwunderung und auf die folgende, vom Sohn übersetzte, Erklärung, dass man für den Transport von Postgut zu zahlen habe, mit Agression und (vermutlich) jeder Menge Verwünschungen. In mitten dieses Geschreis tauchte dann auch endlich das Päckchen des Postboten auf, dadurch wurde ich zumindest von meinem Rentner befreit, der mittlerweile bei Stammtischparolen über Homosexuelle, Ausländer und Linke angekommen war.

Die Mutter riss indes das bereits zugeklebte Päckchen wieder auf, nahm ihr Zeug raus und verließ wutentbrannt den Laden – natürlich ohne den Karton zu bezahlen. Einen Moment lang hatte ich das Bedrüfnis, dem Postbeamten meine Hochachtung auszusprechen, dass er das so jeden Tag mitmacht, wo es mir doch schon nach 15 Minuten als unbeteiligte Zuschauerin einen misanthropischen Schub einbrachte. Als mich dieser jedoch anstatt eines „Hallos“ mit „Kennen Sie bereits die Vorteile des Postbank-Girokontos?“ begrüßte, lösten sich meine guten Vorsätze in Rauch und Wohlgefallen auf.

Was sind eure Lieblingserlebnisse mit der deutschen Post, DHL und anderen Pakettdiensten?

 

5 Kommentare

  1. Ich bin der Post gegenüber sehr diplomatisch. Man wird schnell dazu verleitet, sie zu hassen, weil sie ja alles nicht so macht, wie man SELBST es will, aber man darf ja nie vergessen, dass da mehr Menschen sind als nur man selbst.
    Ich lese mir dann gern die Hassparolen auf die Post durch, in Blogs oder Foren, und frage mich, ob so manch einer überhaupt merkt, worüber er sich da aufregt „Da kam mein Brief einfach zurück, weil die Adresse nicht lesbar war? Nur, weil es rote Schrift auf einem Dunkelgrünen Umschlag war? Der Postbote soll sich mal nicht so anstellen!“ äh ja, genau (der Brief kam wahrscheinlich nicht mal bis zum Briefausträger, da er in den Lesemaschinen schon aussortiert wurde).
    Mein Opa war seinerzeit Beamter bei der Post, das war damals ein richtig hochangesehner Beruf
    Mein Vater war dann auch Paketzusteller, weshalb es mir möglicherweise auch leichter fällt, Mitleid mit den Zustellern aufzubringen als Hass. Zu Weihnachten arbeiten die bis 19,20 Uhr, die Routen sind doppelt belegt, die Post muss externe Fahrzeuge mieten. Schön ist das nicht, sie verdienen weniger als damals und Trinkgeld bekommen die Armen auch nicht mehr.

  2. Um mal irgendwo anzufangen: Ich bin gottfroh, diesen Blog hier nochmal gefunden zu haben, der schien mir nämlich eine ganze Zeit lang verschollen und jetzt war er beim googeln auf einmal wieder da. Glücksgriff!
    Dein Geschreibsel ist nämlich eins der wenigen, die man so findet, die ich richtig gut finde, und das hat mir zur Abwechslung echt gefehlt. Danke dafür!

    Weshalb ich mich eigentlich melde ist, dass ich bei deinem Eintrag richtig lachen musste: Erstens, weil er verdammt gut ist, und zweitens, weil ich vor Ewigkeiten selbst einen Blogeintrag verfasst habe, der hieß: „Post und Debitel – Not gegen Elend“.
    Falls es dich interessiert, ich hab ihn auf den neuen Blog rübergezogen: http://ferventcore.wordpress.com/2011/05/02/traumatizer/
    (Nicht wundern dass es nichts mehr mit der Post zu tun hat, deswegen die Überarbeitung des Titels; ich war abgelenkt von meinem ganzen Geläster über Mobilcom-Debitel)
    Trotzdem kann ich das ganz gut nachvollziehen, ein bisschen Post-Geläster war nämlich ursprünglich auch eingeplant.

    Wie auch immer, jedenfalls freut es mich, dich wiedergefunden zu haben.

    Liebe Grüße!

    1. Ui, da freu ich mich ja, dass du mich wiedergefunden hast. Jetzt hast du sicher auch einiges zum nachlesen.

      Der Link zu deinem Blogeintrag funktioniert leider nicht. Aber ich stöber mal so ein wenig bei dir rum, vielleicht finde ich ihn ja.

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