Split

Ich habe meinen besten Freund ins Kino geschleppt. Damit’s finanziell ausgeglichen ist, hat er dafür Thunfischsteak gemacht – das ist tatsächlich genauso teuer wie zwei Kinokarten aber auch sehr lecker und gesund.

Davor

Auf Split war ich ja gespannt, seit ich den ersten Trailer sah. Dafür verantwortlich ist weniger M. Night Shyamalan – ich habe immer wieder das Gefühl, The Sixth Sense sei das sprichwörtliche Korn vor dem Schnabel des sehbehinderten Hühnervogels gewesen – als viel mehr James McAvoy. Der ist mir schon in Drecksau sehr positiv aufgefallen, ich würde ihn wirklich sehr gern in schwierigeren Rollen als der des gelähmten Mutanten in X-Men sehen.

Dabei

Darum geht’s

Casey (Taylor-Joy) wird zusammen mit zwei Klassenkameradinnen von einem Mann (McAvoy) entführt und in einem eigens dafür vorbereiteten Raum eingesperrt. Schnell wird dem Zuschauer – und kurz darauf auch den gefangenen Mädchen – klar, dass der Mann an einer dissoziativen Identitätsstörung, besser bekannt als „multiple Persönlichkeiten“, leidet. Casey beginnt, Kontakt mit einer Persönlichkeit, die sich als 9jähriger zu erkennen gibt, aufzunehmen, in der Hoffnung dies zur Flucht nutzen zu können. Währenddessen beginnt die Psychologin, zu der die Persönlichkeiten gehen, zu ahnen, dass Unheil droht…

Danach

7/10

Ich muss sagen, dass ich etwas enttäuscht war und das eingetreten ist, was ich befürchtet habe: M. Night Shyamalan hat’s versaut. Keine Frage – Split ist spannend bis zur letzten Minute, gleitet aber übertrieben in das Horror-Genre ab. die Möglichkeiten des menschlichen Gehirns und der Psyche sind faszinierend und abgründig genug – es braucht keine Monstergeschichten um Spannung zu erzeugen.

McAvoy brilliert in dieser Rolle. Anfangs wird bei Persönlichkeitswechseln noch viel mit Kleidung und Kameraperspektive gearbeitet aber gegen Ende fehlen diese Requisiten. Was McAvoy daraus macht ist großartig und wäre wenigstens eine Oscarnominierung wert gewesen -schade, dass es keine gegeben hat.

Ich hätte diesen Film wirklich gern von jemandem gesehen, der weniger hinzugedichtet und nicht den Touch des Übernatürlichen gesucht hätte. Jemandem, wie Fincher (Fight Club, Sieben), der weiß, wie man aus dem Talent eines Schauspielers genug rausholt, dass es keine Schreckszenen mehr braucht, um den Zuschauer bei Laune zu halten.

Wen Monster nicht stören: auf ins Kino. Wer Psychothriller bevorzugt oder Wert auf Realismus legt: spart euch den Besuch.

 

5 Kommentare

  1. Mae govannen, Mara.
    Fisch gegen Film demnach; mit leichten Vorteilen für das Meeresgetier…

    Wobei ich das Monstrum hier weniger als das klassische Monsterzitat sehe, denn als kommendem Antagonisten zu David Dunn (‚Unbreakable‘) im Abschluss der Trilogie.
    Casey nicht zu vergessen.

    Besagter ‚Unbreakable‘ gefällt mir übrigens noch ein paar Takte mehr als jetzt ‚6th Sense‘. Hier sollte ich jetzt wohl noch anfügen, dass mir kein David Fincher-Film bisher sonderlich entgegenkam; ich funke irgendwie nicht auf seiner, betont anstrengenden, Welle.

    bonté

    1. Ts, Fincher nicht mögen, wo gibt’s denn sowas? Anstregend… ja. Vor allem, weil die Filme laaang sind, unter 2,5 Stunden geht da ja nix. Aber andererseits… Fight Club… Sieben… das sind Kultfilme, die es verdienen, welche zu sein.

      unlängst sah ich übrigens „Passengers“. Die erste Hälfte des Films hatte ich die ganze Zeit ein Zitat von Homer Simpson im Kopf: „Das ist der die scöne Zeit zwischen der Lüge und dem Moment, an dem sie es merkt!“. Die andere Hälfte explodiert irgendwie was und man weiß nicht richtig warum. Der Film hatte soviel Potential und hat’s nicht genutzt… ist nur eine Schnulze. Naja.

      Die multiple Persönlichkeit soll also auf Bruce Willis treffen. Na das kann ja heiter werden. Ich blicke dem nicht voller Freude entgegen.
      „Unbreakable“ war ok, stimmt schon – aber da fehlte halt das überraschende Ende, für das Shyamalan später bekannt wurde.

      1. …ich unterfüttere mal meine Distanz zu David Fincher-Filmen ein wenig.
        Bei ‚Se7en‘ platzte mir die kleine Hutschnur daran, daß Pitts Figur am Ende haargenau das tut, worin sich Spaceys portraitierte Abartigkeit ja förmlich suhlen kann. Denn wäre das Skript nicht dem Klischee gefolgt, daß der selbstgerechter Mörder über den Haufen geschoßen wird – dessen komplettes Dogma wäre zum Nichts zerstöben!
        So aber liefert David Fincher „bestenfalls“ eine Bestätigung für jeden religösen Irren der Welt.

        ‚Alien3‘ ist weiterhin der erste Alien-Film, in dem einem nicht (!) mehr vor der nächsten Ecke im Korridor graut.

        Bei ‚Benjamin Button‘ kann ich mich zwar daran erinnern ihn im Kino beäugt zu haben – an mehr aber auch nicht…
        Eben nicht meine Wellenlänge.

        Nicht Fisch, nicht Fleisch – ‚Passengers‘!
        Mir reichten da aber auch schon die Reviews, die ich zum Film zu hören bekam. Mir SF & Jennifer Lawrence zu verbrämen, ist dann schon eine Leistung der verantwortlichen Macher („Einsamkeit im Weltraum allein reicht nicht… wir brauchen Action…& eine Lovestory!!!“).

        bonté

        in memoriam Richard Hatch

        1. Aloha!

          Interessanterweise mag ich auch nicht alles von Fincher. Benjamin Button hatte ich bspw. gar nicht auf dem Schirm, The Social Network ist auch eher mittelmäßig. Panic Room – ja, gut, interessante Kamerafahrten aber musste es denn ausgerechnet die Twilight-Tussi als Hauptdarstellerin sein? Dass Spacey am Ende stirbt, war klar und obligatorisch. Erstaunlich nur, dass die Herren Polizisten diese Möglichkeit nicht VORHER bedacht haben, so in Richtung „Ey! Der verstößt ja auch selbst gegen die Gebote der Bibel! Was will er damit bloß erreichen..?“… abartig sind die Morde. Aber: ist die reale Welt denn besser? Wohl kaum. Was Menschen Menschen antun, geht auf keine Kuhhaut… eine interessante Lektüre in diesem Bereich ist die zweimonatig erscheinende Zeitscrift „Stern Crime“, in der interessante Verbrechen der letzten Jarzehnte dokumentiert werden.

          Die Alien-Teile kann ich übrigens nur schwerlich voneinander unterscheiden. Ich weiß, der erste ist der, in dem die Katze überlebt.

          Einsamkeit im Weltraum lieferten ja schon Gravity und der Marsianer. Das sceint gut anzukommen, also baut man das doch aus. Am dämlichsten an Passengers fand ich – Achtung, Spoiler – dass der Roboter-Barkeeper moralisch handelt und ihr sagt, dass er sie geweckt hat. Der Typ ist ein Roboter! Am Anfang kann der nicht mal auf Gesagtes eingehen außer mit Standardphrasen und der hat plötzlich ein Ethikempfinden? Einmal schauen reicht wirklich.

          Grüße!

          1. …wobei man hierzu anfragen könnte wie oft die christlichen Kirchen das eigene Gebot der Nächstenliebe(*) mit Füßen treten.
            Weswegen für mich die Abartigkeiten des Bigotten (in Spaceys Figur) weit vor den selbstgefällig inszenierten Morden beginnen.
            Die reale Welt ist ein Abgrund – deswegen muß ein Film wie ‚Se7en‘ aber nicht ethisch vor der Obszönität „Gewalt“ einknicken.

            bonté

            (*)“…nur für Christenmenschen – und dann auch nur für die Wahren!“

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