Joker

DC schenkt uns einen Film, der zeigt, wie Batmans bekanntester Gegenspieler zu diesem wurde. Das muss man sich ansehen. Natürlich auf der großen Leinwand – auch, wenn ich nur noch selten ins Kino gehe, mangels Zeit und damit Netflix und Amazon Prime sich auch lohnen.

Davor

Ich hatte vorher natürlich den Trailer gesehen und fand diesen vielversprechend, vor allem wegen Joaquin Phoenix‘ Darstellung – er sah aus wie eine Mischung aus dem Heath Ledger-Joker und jenem, den Jack Nicholson verkörpert hat. Irgendwie irre aber immerhin schön bunt.

Dabei

  • Joaquin Phoenix als Arthur Fleck/Joker – den kennt man als Commodus (Daumen runter-Typ) in Gladiator und als Johnny Cash in Walk The Line.
  • Robert De Niro als Fernsehmoderator Murray Franklin, hat irgendwann mal in Taxi Driver mitgespielt und z. B. auch in Ohne Limit.

Sämtliche andere Darsteller sind mir noch nicht über den Weg gelaufen, also kein ständiger „welcher Schauspieler ist das nochmal?“-Effekt.

Darum geht’s

Arthur Fleck arbeitet bei einer kleinen Agentur als Darsteller eines Clowns, der für Straßenwerbung, Auftritte im Krankenhaus usw. gebucht wird. Er träumt davon, Comedian zu werden, um die Menschen zum Lachen zu bringen. Lachen spielt auch in seinem Leben eine große Rolle: Dank einer Kopfverletzung fängt er in unpassenden Situationen an, laut zu lachen. Die Irritation seiner Mitmenschen, die Dunkelheit und Vermüllung in den Straßen Gothams, seine pflegebedürftige Mutter in der kleinen, heruntergekommenen Wohnung und die Geldsorgen machen ihm zu schaffen. Darüber hinaus ist er depressiv und untergewichtig, weshalb er bei körperlichen Angriffen unterliegt.

Als ihm ein Kollege eine Waffe gibt und er kurz darauf drei Männer in der U-Bahn tötet, begreift Arthur, dass er nichts mehr zu verlieren hat

Danach

Bewertung: 8/10

Dieser Joker hat recht wenig mit den DC-Filmen der letzten Jahre zu tun. Es gibt keine Kämpfe, keine Superhelden mit übermenschlichen Fähigkeiten und irgendwie auch keinen richtigen Bösewicht. Das „Böse“ – oder besser: Düstere, Bedrückende – ist die Situation, in der Arthur Fleck lebt. Das System, in dem er keinen Platz findet und die Widrigkeiten, denen er zu trotzen versucht. Kein Gegner, dem man entgegentreten kann.

Dieser Aspekt sollte besonders denen bewusst sein, die DC (oder Marvel) ins Kino zieht, weil sie Action sehen wollen. Die gibt’s nämlich nur sehr gering dosiert. Der Film ist eher ein Drama, eine Charakter- und Milieustudie, besetzt mit einem großartigen Hauptdarsteller, der bestimmt eine Oscarnominierung (seine vierte) mitnimmt.

Der Abstieg, den der Protagonist erlebt und dem er sich anfangs noch entgegen zu stellen versucht, erinnert an Filme wie Drecksau, God Bless America oder Der Machinist. Wer eine Komposition dieser Streifen nicht für einen gelungenen Filmabend auswählen würde und sich eher die Laune davon verderben lässt, sollte vielleicht Abstand vom Kinobesuch nehmen. Das wird, denke ich, auch das Problem sein, das viele Amerikaner hatten – die haben nämlich scharenweise die Kinosäle verlassen.

Mir hat vor allem die Detailverliebtheit gefallen. Statt auf Untertitel setzt man darauf, Textdokumente wie Tagebücher oder Briefe in deutscher Sprache verfasst zu zeigen – leider nicht konsequent bei allen Schriftstücken. Ein weiterer Wermutstropfen ist für mich die Langatmigkeit des Film – nicht zu verwechseln mit Langeweiligkeit – die ersten 1,5 Stunden muss man sich auf eine Menge Dialoge und wenig Geschwindkigkeit einstellen.

Insgesamt also eher was für den Fan von schwerer Kost und Dramen als für den „typischen Superhelden-Liebhaber“. Denjenigen, die solche Filme mögen, empfehle ich diesen Joker aber sehr.

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