Brillengeschichten

ich bin Brillenträgerin, schon seit weit über 20 Jahren. Als ich eingeschult werden sollte, stellte eine clevere Ärztin fest: „Hey, das Kind sieht ja quasi nix!“. Achso, dachten alle – hat vorher keiner gemerkt. Vielleicht, weil ich weitsichtig bin, was eher selten ist. Die meisten jungen Menschen sind kurzsichtig. Seitdem trage ich jedenfalls eine Brille und kann es mir ohne gar nicht mehr vorstellen. Logischerweise, ich sehe ohne wirklich schlecht…

Allerdings auch mit Brille. Der Maximalwert beim Sehen liegt bei 120%, die 20% über 100 sind nicht, wie man meinen könnte, Einblicke in eine andere Dimension sondern einfach die Standardabweichung. Mehr dazu verrät der Wikipedia-Artikel über Sehschärfe.

Meine Sehschärfe beträgt mit Brille ca. 60%. Das ist nicht viel. Um genau zu sein, ist es so wenig, dass, wären es 10% weniger, die Krankenkasse meine Brille bezahlen würde. Da muss man schon ganz schön arm dran sein, damit die so eine Leistung noch übernimmt. Woran liegt’s also, dass ich so „blind“ bin? Ich habe eine Hornhautverkrümmung, zusätzlich zu den +3,5 bzw. +4,0 Dioptrien. Meine Auge ist also nicht perfekt rund mit einer hübschen, runden Hornhaut, meine Augen sind eher Kartoffeln. Und diese Kartoffeligkeit müsste ausgeglichen werden, das geschieht mit einem Zylinderwert im Brillenglas. Leider ist ein kompletter Ausgleich bei mir nicht möglich. 

Da die Sehschärfe bzw. -unschärfe schwanken kann, wird alle paar Jahre eine neue Brille fällig. Richtig, die bezahlt die Krankenkasse nur, wenn man mit Brille unter 50% Sehkraft hat. In meinem – und in vielen weiteren Fällen – müssen immer gleich zwei Brillen besorgt werden. Eine normale und eine Sonnenbrille. Selbstverdunkelnde Gläser sind nicht so das Non-Plus-Ultra, teuer und als Sonnenbrille eher unnütz, da die Gläser groß sein müssen, um die Augen komplett abzudecken. Hinzu kommt noch, dass eine Sonnenbrille dadurch meist schwerer ist, als eine normale. Meine letzte wog über 30g, das ist schon unkomfortabel.

Für mich stand daher fest, dass ich gern leichte Brillen hätte, am Liebsten eine rahmenlose und eine Pilotenbrille. Diesen Wunsch habe ich mir dieses Jahr erfüllt und dabei auf einen Onlineshop zurückgegriffen.


Das Leben ist bezaubernd, man muss es nur durch die richtige Brille sehen.

Dumas

Dazu bewogen hat mich, dass beide Brillen sehr leichte Gläser erfordern, was bei meiner Sehstärke schwierig (= kostspielig) wird. Die Gläser werden dann besonders dünn geschliffen und bekommen noch allen Pipapo reingehauen – entspiegelt, dreckabweisend usw.- solche Gläser sind beim herkömmlichen Optiker sündhaft teuer.

So richtig online war mein Brillenkauf dann aber nicht. Ich wollte den Sehtest bei einem Partner-Optiker des Händlers machen lassen (dafür gibt’s dann einen Gutschein, damit man den Test nicht bezahlen muss) und stellte dabei fest, dass dieser eine Stadt weiter eine Filiale hat. Dort ging ich bin, suchte eine Brille aus, machte den Sehtest um die neue, ideale Stärke festzustellen, wartete etwa eine Stunde auf einen Mitarbeiter und bemühte diesen dann mit meinen Wünschen. Und was machte der? Er öffnete die Internetseite des Shops und führte eine ganz normale Bestellung aus. Das hätte ich auch selbst gekonnt und ohne Wartezeit… allerdings gab’s einen Gutschein von der Filiale dazu, dadurch wurde der Spaß ca. 60€ billiger… ja, bei solchen Werten lohnt sich ein 10% Rabatt dann richtig..

Dann hieß es wieder warten. Eigentlich sollte die Bestellung mir nach ca. 2 Wochen zugeschickt werden. Uneigentlich dauerte es fast 6 Wochen, bis die Brillen endlich bei mir waren. Aber: sie sind toll. Für mich hat sich der Gang zum Onlineoptiker wirklich gelohnt, bei einem normalen Optiker hätten die beiden Brillen mit dem dünnen Schliff der Gläser mi Sicherheit einen vierstelligen Betrag gekostet.

Um noch eine Frage zu beantworten, die sich der geneigte Leser jetzt wohl stellt: Ja, ich darf Autofahren. Klar, es gab diesen Sehtest beim Optiker, den man machen konnte, da musste man erkennen, an welcher Stelle ein Ring eine Öffnung hat. Landltring nennt sich das. Da hatte ich natürlich keine Chance. Daraufhin wurde ich zum Augenarzt geschickt und dort bekam ich die Bilder für Kinder vorgelegt: kann ich die Micky Maus dreidimensional sehen? Bin ich nicht farbenblind? Test bestanden. Meine Mutter – auf einem Auge blind – musste in den 60ern noch zum „Idiotentest“ wegen der Sehschwäche…

3 Kommentare

  1. Bore da, Mara.
    In ähnlicher Weise durfte ich meine Kurzsichtigkeit auch erst in der Schule bemerken – in der Fahrschule allerdings. Also Brille. Wobei ich den Vorteil habe sie eigentlich im Alltag eher selten zu brauchen.
    Die Kassen scheinen hier übrigens sehr früh eine Einigung mit der Optikerinnung gefunden zu haben, galt doch der Begriff „Kassen-Gestell“, bereits in meiner Jugend, als quasi „Schimpfwort“.

    Offensichtlich war dem Online-Anbieter früh bewust, dass das zalando-Model (Kleidung hin- & herschicken) für Brillen eher nicht funktionieren mag – also ein analoger Laden.
    Immerhin wurde Deine Wartezeit mit 1€ pro Minute vergütet. Wobei ich mich frage, ob das überhaupt (der Laden) ein Optiker war – & nicht nur eine Verkaufszeile. Denn ein klassischer Optiker sägt sich dabei am eigenen Stuhlbein, denke ich.
    Bei einem „vierstelligen“ Optiker stelle ich mir zwangsläufig die Frage nach den jeweiligen Gewinnmargen; oder wodurch der Onliner die Kosten drückt. Der Brillenladen-mit-Wartestand wird ja auch seinen Teil erhalten wollen.
    Gut, ich habe meine Brillen auch schon seit bald 30 Jahren (nicht erneuert)…

    bonté

    1. Die Feststellung der Kurzsichtigkeit in der Fahrschule ist ja ein Klassiker. Dann braucht amn die Brille aber oft auch nur zum Fahren… Die, die keinen Führerschein machen, mussten früher ja noch zur Musterung, da fand man das dann auch oft raus.

      In dem entsprechenden Laden arbeiten zumindest Optiker. Klar wird ein Unternehmen dahinter stehen, in dem keine arbeiten… aber sie haben welche angestellt. Die müssen halt auch in der Lage sein, Brillen zu reparieren… wenn was kaputt ist, geht man eben vrobei und die erledigen das (Gläser natürlich nicht)… sie machen Sehtests etc. pp. – das ist kein Verkäufer-Job…

      Grüße

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