Beerdigung – wie geht das?

Vor einigen Monaten habe ich ja über Walter, den Mann meiner Mutter, geschrieben. Inzwischen ist er gestorben, wurde eingeäschert und beigesetzt.

Im Vorfeld der Trauerfeier und Beisetzung fragte ich mich „wie geht das eigentlich?!“. Ich war erst 1x (bewusst) bei einer Beerdigung, da war ich 14 und es war eine Standard-Bestattung im Sarg. Das ganze Drumherum mit Kleidung usw. hat meine Mutter gemanagt ich musste nur anwesend sein.

Kleidung ist ein gutes Stichwort! Muss ich unbedingt in schwarz & schick kommen? Ich trag nur Band-Shirts…

Naja, besonders für den verwitweten Ehepartner ist schwarz „gängig“ – es sei denn, es war anders gewünscht. Als „normaler“ Gast sind auch gedeckte Farben ok, einigermaßen in Ordnung sollte die Kleidung aber sein – also bitte ’ne Buxe ohne Löcher und auch das Band-Shirt vom letzten Wacken bleibt besser zu Hause.

Bei mir ist schwarz ja kein Problem, das ist die einzige Farbe, die sich im Überfluss in meinem Schrank befindet. Wenn ich mich richtig erinnere, trug ich eine 3/4-Hose und ein Top, es war nämlich recht warm. Achtung beim Schuhwerk! Unser Friedhof ist recht unwegsam und nur zum Teil befestigt. Noch extremer ist das wohl in Friedwäldern. Ich war jedenfalls froh, dass ich nicht die schicken Schuhe für Festlichkeiten rausgekramt habe.

Wie lange dauert die Trauerfeier etwa?

Bei uns: 20 Minuten.

Das lief so ab: Musik lief (irgendwas von Mozart), der Trauerredner begrüßte die Trauergemeinde (also den menschlichen Inhalt der Kapelle – die Besucher halt)  und sagte ein paar Worte über Walters Leben. An dieser Stelle brachte es besonders viel Spannung und Spaß für alle Beteiligten, dass kaum jemand von Walters erster Ehefrau wusste – alle, einschließlich seiner Söhne, dachten, er sei nur 2x verheiratet gewesen. Hach ja, kleine Überraschungen lockern die Stimmung auf.

Dann gab’s nochmal Musik. Soeine Art tibetanisches Kuhglocken-Geläut. Hat meine Mutter gewählt, ebenso wie das anfängliche Mozart-Stück.

Es folgte der zweite Teil der Rede (ohne Überraschungen), und das letzte Lied Calm after the storm von den Common Linnets, weil Walter das sehr gemocht hat, währenddessen der Bestatter die Trauergemeinde bat, sich zu erheben und wir dann hinter der Urne die Kapelle verließen.

Wo sitze ich in der Kapelle?

Das ist sehr einfach: Kinder und Ehepartner ganz vorne, dahinter die Verwandten und dahinter Kollegen, Freunde etc.

Wie kommt die Urne ins Grab?

Das war eine Frage, über die ich vorher tatsächlich nachgedacht habe. Bei einem Sarg ist die Sache ziemlich eindeutig, die Sargträger lassen den an solchen Leinen hinab. Aber das Loch für eine Urne ist ziemlich klein. Wird die reingeschmissen? Oder gibt’s eine kleine Rutsche? Weder noch – sie hat Bänder an zwei Seiten und wird, ähnlich wie der Sarg, herabgelassen.

Schmeißt man dann auch was hinterher?

Bei einem Sarg ist es üblich, Rosen, Rosenblätter oder Erde/Sand auf den Sarg zu werfen. Die Frauen greifen eher zu Blümchen, die Männer zu Schüppe. So geht das bei der Urnenbestattung auch. Allerdings wurde vorher ein Kranz über das Loch gelegt, was die Einwurfschneise ziemlich verkleinerte. Gut, wenn man ab und zu Dart spielt, zumindest die Rosen bekam man dadurch einigermaßen gezielt ins Grab.

Der Bestatter will ein Foto des Verstorbenen zeigen, kann man da nehmen, was man will?

„Ja!“ hätte ich vor kurzem noch geantwortet, es sei denn, Opi hat noch in seiner Wehrmachts-Kluft posiert oder nackt… wir wollten ein Foto, das Walter in seiner natürlich Umgebung zeigte, wo er sich wohlfühlte. Es gab auch ein schönes, von einer Party mit einem Glas Bier in der Hand. Wir hatten es sogar schon entwickeln lassen und gerahmt aber der Bestatter sagte „nö, das, äh, Format passt nicht“. Da es das schönste Foto war, das wir hatten, gaben wir es ihm trotzdem und er schnitt das Bierglas ab.

Meine Mutter machte „kurzen Prozess“, nahm das ursprüngliche Bild mit, stellte sich vor die Trauergemeinde und verkündete, dass das das Original sei – es stieß auf viel Zuspruch.

Muss ich beten? Wenn ja: zu wem?

Bei uns wurde nicht gebetet, das hatte meine Mutter so verfügt. Der Redner  – kein Pfarrer – fragte, ob sie wolle, dass das Vater Unser gebetet werde, was meine Mutter verneinte. Ansonsten wird in unseren Kreisen aber meist zum christlichen Gott gebetet. Dem geneigten Leser steht es aber ja frei, nur die Lippen zu bewegen oder Odin, das fliegende Spaghetti-Monster oder Morgan Freeman anzubeten. Ein wenig Diversität schadet dem ganzen sicher nicht, man will ja sicher sein, dass der Verstorbene beim richtigen Gott landet.

Darf ich Fotos machen, von der Kapelle, dem Grabschmuck, der Trauergemeinde?

Wir bekamen vom Bestatter ein kleines Fotoalbum. Kein Scherz. Ansonsten ist Blitzlicht wohl eher unangemessen, die Leute waren auch nicht drauf. Aber der ganze Schmuck (Rosen und – irre kitschig – Teelicht-Herzen) war abgebildet und später das geschmückte Grab.

Ich bin es nicht gewohnt, solange nichts zu essen! Wann gibt’s Futter?

An die Trauerfeier anschließend ist meist eine kleine Verköstigung mit Brötchen und Kuchen und Nachbarn.

Danach ging’s auch schon nach Hause, wo wir mit einigen Verwandten noch bis abends zusammen saßen. Mein Cousin und ich überlegten sogar noch, ob wir in ’ne Kneipe verschwinden und ’nen Spieleabend machen.

So lief das also bei uns. Eine recht rührende Szene gab’s noch am Grab, bevor wir uns aufmachten zum Essen: der Redner bedankte sich, dass soviele gekommen waren – die Kapelle war gerammelt voll, 40 – 50 Leute ca. – er würde oft auf Beerdigungen vor zwei, drei Leuten sprechen, das fände eher immer sehr schade…

 

 

2 Kommentare

  1. Servus, Mara.
    Dunkel bis Schwarz ist eine Herausforderung an hochsommerlichen Tagen, zumal die Beerdigung ja zumeist früh nachmittags angesetzt wird. Glücklichweise sind die meisten Friedhöfe gut bebaumt.
    Stimmt, von filigranem Schuhwerk ist auf den Splittwegen abzuraten…

    Der katholische Ritus kann da, je nach Anspruch, ordentlich ausgedehnt werden; da sind 20 Minuten direkt am Grab schnell rum.

    Alternativ kann die Urne auch direkt auf dem Grab stehen & wird dann erst, nachdem alle Trauernden gegangen sind, untergebracht (meistens bei Urnengrab-Wänden).

    Ich vermute ja stark, dass bei dem Hinweis Deiner Mutter so mancher in der Trauergemeinde bereits selbst an ein kühles Bier dachte.

    Agnostiker & Atheisten haben es in Betsituationen leichter – sie können gelockert schweigen.

    Der Leichenschmaus ist eigentlich dem Umstand geschuldet, dass zu früheren Zeiten die Leute von Höfen oder umliegenden Dörfern kamen & vor dem Rückmarsch noch verköstigt wurden. In der lockereren Runde wurden dann gern Erinnerungen gewärmt.
    Unbekannt ist mir allerdings, dass zur Verköstigung auch Nachbarn gereicht werden…

    Dem Ton Deiner Reportage entnehme ich, dass es Dir gut geht.

    bonté

    1. Naja, die Beerdigung ist schon ein Weilchen her, 30°C und mehr hatten wir da noch nicht. Da wäre ich echt eingegangen… aber Walter hätte es gefallen, der aß bei solchem Wetter wie jetzt gern den ganzen Tag in der prallen Sonne im Liegestuhl um seine Haut beim Altern zu unterstützen.

      Hier sind Beerdigungen hauptsächlich vormittags. Ich habe so den Verdacht, dass das daran liegt, dass die Gaststätten, in denen der Leichenschmaus stattfindet, dann mehr verdienen. Bei uns gab es auch neben Brötchen und Kuchen Spargelsuppe. Da bieten viele wohl gern auch ein kleines Mittagessen an.

      Diese Urnenwände sind hier nicht so geläufig. Sowas hätte meine Mutter gern gehabt, gibt’s aber einfach noch nicht. Auch selten sind diese Friedwälder, was ich sehr schade finde. Ist eigentlich eine tolleArt bestattet zu werden, unter so einem Baum. Naja, Ruhrgebiet halt.

      Ja, ich komme damit gut klar. War jetzt ja auch kein überraschender Tod.

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