Invasion der Buchsbaumzünsler

Es kam zu einem unerwünschten Eindringen in den Lebensraum meiner Hausgemeinschaft durch den fiesen Buchsbaumzünsler. Der Buchsbaumzünsler ist eine Schmetterlingsart, die ursprünglich in Asien beheimatet war, sich aber seit ca. 10 Jahren auch in Europa breit macht. Leider sind die bevorzugten Wohnraum- und Nahrungsspender der geflügelten Gesellen – wie der Name vermuten lässt – Buchsbäume. Das sind diese grünen Büsche, die man zuschneiden kann, damit sie aussehen wie ein Delfin, rund, eckig, was auch immer. Gartenfreunden bereiten sie eine Menge Freude – wenn da nicht der Buchsbaumzünsler bzw. dessen Raupen wären. 

Die befallen nämlich derzeit in Heerscharen alles, was nach Buchsbaum aussieht. Das Problem mit den invasiven Spezies ist, dass es in dem Land, in das sie eingeschleppt werden, häufig keine Fressfeinde gibt, die Raupen sind bspw. giftig (wie ihre Nahrung) und schmecken auch nicht besonders, daher meiden Vögel den Verzehr. Folglich breitet sich die Art ungehindert aus, ihr gegenüber stehen nur einige eiserne Grünanlagen-Genießer, bewaffnet mit Giftspritzen und Pinzetten, bereit das geliebte Grün zu verteidigen (bis zum bitteren Ende). 

Wir hatten bis vor kurzem rund um’s Haus ebenfalls einige Buchsbäume; eine kleine Hecke säumte den Weg, zwei Büsche waren auf der Wiese drapiert… die Hecke hackte ein Nachbar kurz und klein als seine Frau die ersten paar Raupen im Hausflur fand und die Pflanzen als Quell des pelzigen Getiers identifizierte. Dieses machte sich daraufhin auf, die nähere Umgebung zur erkunden – schließlich war ihm seine Heimat genommen worden – und fand sich daraufhin hauptsächlich an der Tür und im Treppenhaus wieder… 

Übrig blieben die Büsche: ein erster Versuch eines anderen Nachbarns, dem Problem mit einem Feuerzeug beizukommen, scheiterte- der Buchsbaumzünsler brennt nicht gut… sonst wäre er ja auch ein Buchsbaumzündler.
Am Mittwoch bemerkte ich bereits beim Lüften einen seltsamen Brandgeruch. Da keine der Nachbarwohnungen offensichtlich in Flammen stand, verwarf ich den Gedanken, die Feuerwehr zu rufen. Als ich das Haus verließ, sah ich dann den Ursprung des Rauchs: der Hausmeister hatte die Buchsbäume abgeholzt, seinen Grill und eine Flasche Spiritus in den Garten getragen und alles angezündet. Stoisch legte er Teile der ehemaligen Flora nach und stocherte ein wenig mit einem Schürhaken drinnen herum. Das alles so offensichtlich, dass keiner einen Grund gehabt hätte, die 112 zu wählen. Man sah deutlich, dass das Feuer unter Kontrolle war… ob es auch noch zur Zubereitung einen schmackhaften Mahls genutzt wurde, weiß ich allerdings nicht…

Sollte mir irgendwann nochmal ein Buchsbaumzünsler begegnen so werde ich selbstverständlich Bilder nachreichen um auch einen visuellen Eindruck des Feindes zu vermitteln. 

3 Kommentare

  1. Sali, Mara.
    Hört sich an wie der Titel eines Films, direkt aus dem Tierhorror-Segment einer später Achtziger Videothek – Unterabteilung „Gewusel“.

    Vor Jahrzehnten gab es noch chemische Keulen gegen den ungewollten Untermieter. Inzwischen hilft nur noch tägliche Aufmerksamkeit, um beginnenden Befall sofort zu bemerken & die Hoffnung ihn fernhalten zu können.

    Anmerkenswert, daß Schmetterlinge als schlundende Raupen beginnen. Beides kommt in der Kunst eher selten zusammen zum tragen…
    Beauty and the beast, irgendwo.

    bonté

    1. Hey,

      es gibt tatsächlich so ein Sprühzeug – das nützt aber nur was, wenn man den Befall früh bemerkt. Wegen der dichten Blätter fällt der aber meist erst auf, wenn Teile des Strauchs – oder gar der ganze – braun sind. Und zumindest im letzten Fall ist es dann eben zu spät.

      Ich finde Raupen gar nicht hässlich oder eklig. Viele sind ja auch pelzig oder ganz weich. Als Kind hatte ich oft Raupen gesammelt, die Planzen, auf denen sie saßen, gepflückt und die in ein leeres Aquarium gesteckt. Eine Gardine drüber gespannt, damit die Raupen nicht abhauen und dann gucken, wie die die Pflanzen kahl fressen. Nach ein paar Tagen hing dann eine Puppe drin und etwas später saß – leider immer morgens, das Schlüpfen hab ich nie gesehen – ein Schmetterlling dort, noch mit verklebten Flügel. Den habe ich dann frei gelassen, nachdem ich geschaut habe, was für einer es ist. Die schönsten Schmetterlinge, Tagpfauenaugen, schlüpfen aus ziemlich langweiligen, schwarzen Raupen, die in großen Gruppen auf Brennnesseln leben… Unter den Frisch geschlüpften Schmetterlingen befand sich immer ein riesiger, roter Fleck – wie Blut. Ich dachte jahrelang, das sei so Zeug das in der Puppe um den fertigen Falter drumrum ist… quasi sowas wie Fruchtwasser. Vor einiger Zeit lernte ich einen Schmetterlingsforscher kennen, der mich darüber aufklärte, dass es sich um Schmetterlingskacke handelt…

      die Buchsbaumzünsler habe ich für Kohweißling-Raupen gehalten, die sehen sich verblüffend ähnlich…

      Nimmersatte Grüße

      1. …die Raupen des Prozessionsspinners sind dann doch sehr unangenehm.
        Am anderen Ende des Spektrums wäre dann wohl die Seidenraupe.
        Ist eben immer was los in der Natur.

        bonté

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