Der Federball ist mächtiger als das Schwert

Als Halb-Nerd habe ich immer ein schlechtes Gewissen, wenn ich an einem sonnigen Tag die Rollos runterlasse und einen Film oder ein Spiel anmache. Mittlerweile entwickele ich sogar eine stattliche Bräune – Cabrio olé!

Dem Drang, den Sommer zu nutzen, bevor es wieder permanent plästert (ruhrgebietisch für regnen) folgend, nötigte ich meinen Freund daher, sich mit mir zu treffen zwecks eines gemeinsamen Aufenthaltes an der frischen Luft. Zur präziseren Gestaltung dieses Events schlug ich vor, Federball oder Frisbee zu spielen. Freund willigte ein, ich fuhr zu meiner Mutter und durchwühlte ihren Schuppen und den ehemaligen Hühnerstall nach Badmintonschlägern und Frisbees. Beides fand ich – nebst jeder Menge Dreck und Spinnen – zwischen Werkzeug, Fahrrädern, Liegestühlen und dem Rasenmähertrecker. Nur eins leider nicht: Federbälle.

Eine Anfrage per SMS bei meiner Mutter ergab: ich soll welche kaufen. Gut, ein Einkaufszentrum liegt auf dem Weg zum Freund. Dort gibt’s ’nen Kaufland, Toys R Us und Karstadt Sport. Drei potentielle Federballhändler. Inbesondere bei letzterem hätte ich erwartet, welche zu finden. Aber: nix da. Die konsultierte Verkäuferin guckte in zwei Ecken und sagte dann „ham wa nich'“. Also quer durch den Konsumpalast zu den anderen beiden Geschäften. Keine Federbälle. In meiner kindlichen Naivität hatte ich während der Fahrt bereits überlegt, ob ich wohl ein Set mit mehreren unterschiedlichen Bällen finde und wieviel Geld ich auszugeben bereit wäre. Nach der stressigen Parkplatzsuche und einem Sprint durch das komplette Terrain wollte ich nur noch irgendwas kaufen, war nass geschwitzt und völlig desillusioniert.

In der Kinderabteilung Karstadts wurde ich letztendlich fündig: runtergesetzte, leichte Plastikbällchen in knalligen Farben und welche mit Federn. Mitgenommen habe ich beide Varianten und strebte zur Kasse. Mittlerweile war es schon ordentlich spät – zu spät, um noch innerhalb der abgesprochenen Zeit beim Freund anzukommen. Denn Schildern folgend hetzte ich gen Kasse und dann… stand ich da. Hinter einem Kunden der gerade seine 15 Babyklamotten bezahlen wollte. Diesem gegenüber stand Herr L., meine persönliche Geißel. Herr L. besaß eine geradezu erstaunliche Akkribie und Trägheit bei der Ausübung seines Berufs. Gaaaanz langsam zog er die Kleidchen von den kleinen Bügeln… scannte den Barcode… legte die Kleidungsstücke zusammen… nahm das nächste… zog den Rabatt ab… unterhielt sich ein wenig mit dem Kunden über Kinder… erzählte vom Schlussverkauf… gab dem Kunden endlich das Wechselgeld… und dann sagte dieser „Achso, eine Tüte brauche ich auch noch“.

Eine gefühlte Ewigkeit später befand ich mich wieder auf der Autobahn in Richtung Freund. Bei ihm angekommen schrieb ich die obligatorische „Ich bin da“-SMS damit er rauskommt, schnappte mir meine feuchten Reinigungstücher, die mir im Auto schon oft gute Dienste geleistet haben und begann, das versiffte Zeug aus dem Schuppen meiner Mutter zu reinigen. Als ich dabei war, den letzten Schläger abzuwischen, erschien der Freund. Und sagte während der Begrüßung „Ach, du, eigentlich möchte ich gar nichts spielen nur spazieren gehen und kuscheln“.

„Du. Wirst. Federball. Spielen. Mit. Mir.“

(Wahnsinnig schön finde ich übrigens, dass „Federball“ auf Englisch shuttlecock heißt.)

 

9 Kommentare

    1. Jaaa, warum nicht gleich „Rocketpenis“?

      Selbstverständlich haben wir Federball gespielt. Ansonsten hätte ich andere Verwendungsmöglichkeiten für die Schläger entdeckt…

  1. Kia ora, Mara.
    Die Anekdote über Alltags-Fährnisse hätte auch Ephraim Kishon so geschrieben haben können. Zumal „Murphy“ ja gern noch ein, zwei Stolpersteine gratis reicht. Aber Spontanität zieht im Schlepptaus eben gern die Tücke diverser Objekte mit.

    Hautbräune ist beim wankelmütigen Sommer dann doch anmerkenswert. Gibt ordentlich Vitamin B!

    Mütter haben doch stets einen guten Rat parat…

    Keine Federbälle in den einschlägigen Konsumtempeln; möglicherweise hättest Du Dir eher „La Mannschaft“-Devotionalien eintüten können – heruntergesetzt wegen „war nix!“.

    Herr L ist vielleicht in inniger Liebe seinem Berufe zugetan, weswegen er jeden Vorgang als Hochamt inszeniert; am ehesten vergleichbar mit der heiligen Teezeremonie.

    Offensichtlich war die Kombination „Gehen & Kuscheln“ keine zuläßliche Option. Das ultimativ Eingeforderte, des Zaunpfahls Wink.

    Die Dame hat übrigens nach wie vor das Privileg zu einer Verabredung etwas später zu kommen. Soll die Spannung auf Kommendes befördern.

    Hoffe Ihr hattet zu guter Letzt Spaß, beim Shuttlecock-Turnier.

    bonté

    1. ICH hatte Spaß, das muss reichen.

      Fußball ist leider nicht meins. Fußbälle hätte ich in rauhen Mengen bekommen. Und auch diverse andere Trendsportarten betreffende Wurf-, Tret- und Schlagobjekte… auch Tennis scheint sich nach wie vor großer Beliebtheit zu erfreuen – nur eben Federball bzw. Badminton nicht mehr.

      Ich hatte eher den Eindruck, dass Herr L die Ausübung seines Berufs derart zelebriert, weil ihm schnelleres Arbeiten nicht mehr möglich oder gänzlih unbekannt war. Ich kam mir vor wie Quicksilver, der sympathische X-Men, der sich extrem schnell bewegt, weshalb ihm alles andere quälend langsam erscheint.

      Grüße!

  2. Ich hab zurzeit auch immer das Glück solch Kassierer zu bekommen, die vor Trägheit und „Ruhe“ nur so platzen. Wäre ja alles nicht so schlimm, wüssten einige Mitmenschen was ein Deo ist

    Federball wäre mal wieder was,… Mmh – du bringst mich auf Ideen.

    1. Viel Spaß beim spielen – und Danke für den Kommentar, dadurch habe ich jetzt die neue Adresse deines Blogs… und muss nicht mehr verwirrt die Blogeinträge des Typen lesen, der sich deine alte Domain gekrallt hat.

      1. Haha, Tatsache, die hat sich jemand gekrallt. Meine Schwester fragte mich scho die Tage, wie ich auf der alten Domain was gebloggt habe XD XD XD

        Wird wohl kein Federball sondern Tennis Weil ich ja so oft schon in meinem Leben Tennis gespielt habe, aber nen Bekannter will das unbedingt (mal wieder) spielen…

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