Begegnung mit der grünen Fee

Ich war jahrelang überzeugte Nichttrinkerin. Alkohol ist mir als Rauschmittel zu plump, es macht im Wesentlichen dumm, agressiv, peinlich, ungeschickt… kurzum: nicht wirklich gesellschaftsfähig. Außerdem schmeckt er mir nicht. Ich habe mir die Fähigkeit, das Nervengift aus allem herauszuschmecken, nicht abtrainiert und mag daher nicht mal Kuchen mit Likör o.ä.

Bei meiner Familie stößt die Weigerung, zu trinken, meist auf Unverständnis. Hin und wieder konsumiere ich daher ein (halbes) Glas Sekt zum Anstoßen, verschmähe aber die Weinbrandpralinen, die meine Oma mir regelmäßig schenkt, vehement. Doch für diese gibt es jetzt Hoffnung: Ich war am Samstag mit ein paar Freunden in einem Lokal mit dem schönen Namen „Absinth“. Der sehr versierte Wirt führte uns erfreut in das Ritual der Zubereitung ein: das Stück Zucker aus der Flüssigkeit rausfischen, auf den Absinthlöffel legen, anzünden, auspusten, ins Glas werfen, zerstoßen und mit Wasser aufgießen. Beim darauf folgenden Rumgehen-lassen des Glases merkte ich: in der nach Hustenbonbons schmeckenden Flüssigkeit fällt der Alkohol kaum auf und lecker ist das auch.

Von allen alkoholischen Getränken ist das eine, das mir schmeckt, also ein 89%iger, pechschwarzer, von Marilyn Manson gebrauter Kräuterschnaps, der früher in Verdacht stand, wahnsinnig zu machen. Den versprochenen Effekt des Wermutöls konnte ich allerdings nicht feststellen, vielleicht reichte die Menge von 5, 6 herumgereichten Gläsern zum Nippen nicht aus. Ich nehme an, dass weitere Experimente im trauten Heim folgen werden – und da Absinth auch als Getränk der Künstler und Literaten bezeichnet wurde, womöglich auch entsprechende Ergüsse hier im Blog. Ich hoffe es aber nicht. Denn ich bin nicht sicher, ob sich die Auswirkungen von Absinth von denen normalsterblichen Alkohols unterscheiden… ich werde es herausfinden. Und ihr womöglich auch.

 

2 Kommentare

  1. Sali, Mara.
    Mir war der „Genuß“ von Alk, als gesellschaftliches Ritual, immer fremd – weil irgendwie sinnfrei. Das Hinunterstürtzen von Bier widerspricht jeder These von Genuß. Tee, Kaffee oder Limo wird in geselliger Runde schluckweise goutiert. Bier schlicht gesoffen („Woiza pressa!“).
    Gut, für rauschhafte Sinneseindrücke bin ich eh nicht der Adressat.

    Der Kelch mit der prickelnden Sekt-Faszination ging auch irgendwann an mir vorbei. Für mich schmeckt das Perlwasser wie sanft entschlafene Füße…

    Du siehst, ich bin ein hoffnungsloser Fall.

    Wie bei allem, ist auch bei la fée verte die Dosis das Gift für die Hirn- oder Leberzellen.
    Denkt jetzt der olle Nörgler!

    bonté

    1. Bonjour,

      Sekt fand ich immer extrem eklig, besonders „trockenen“. Ein bisschen, als hätte man Socken im Mund oder so. Nach einigen Gläsern bekomme ich dann auch Bauchschmerzen davon.

      Bier wird in meiner Familie getrunken wie Wasser oder Kaffee. Also schon Schluck für Schluck. Mir schmeckte es aber nie.

      Und, klar, auch Alkohol führt erst in höherer Dosis zu Albernheit, dem Ausfall der kognitiven und später allen anderen Fähigkeiten.

      die DVDs sind angekommen, ich schreib die Tage noch was in einem Blogartikel. Vielen Dank!

      Grüße!

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