Der Marsianer – Rette Mark Watney

Kino-Wochenende Teil 2: es ging in die Spätvorstellung, da ich vorher den Auftrag hatte, meine Mutter vom Flughafen nach Hause zu rekrutieren. Als akzeptabelster der zu diesem Zeitpunkt laufenden Filme, ziegte sich der Marsianer, weshlab ich diesen auswählte.

Was habe ich erwartet?

„Befürchtet“ trifft es besser. Ich dachte an sowas wir Gravity, einen derart langweiligen, gefühlsduseligen Film, das Rosamunde Pilcher ihn nicht verschlimmern hätte können. Der Vergleich drängt sich förmlich auf, immerhin geht in beiden Filmen jemand irgendwo in den Weiten des Alls verloren und möchte nach Hause. Außerdem las ich im Vorfeld, dass zahlreiche Amerikaner dachten, der Film basiere auf wahren Begebenheiten was m. E. nicht gerade für Ideenreichtum sprach – die Realität ist mehrheitlich langweilig oder unangenehm, daher zieht es mich ja so oft ins Kino. Auch meine Begleitung war nicht positiver gestimmt, lediglich mein Vater sagte ein paar Tage vorher „Ich glaub, der (Marsianer) ist besser als James Bond!“. Manchmal kommen Alter und Weisheit eben doch zusammen.

Worum geht`s?

Die Handlung ist schnell erzählt: Botaniker und Ingenieur Mark Watney (Matt Damon – Good Will Hunting, Dogma) ist Teil einer sechsköpigen Crew, die dem Mars einen Besuch abstattet. Während eines Sturms kommt es zu einem Unfall, in Folge dessen die Crew Watney für tot erklärt und den Mars fluchtartig verlässt. Watney ist aber mitnichten tot – er erwacht allein auf einem ganzen Planeten mit Nahrung für wenige Wochen und der Aussicht, dass die nächste Mars-Mission erst in über vier Jahren eintrifft. Ein Kampf ums Überleben beginnt.

Bewertung

9/10

Das war dann wohl der Überraschungs-Film diesen Jahres. Der Marsianer kommt mit großer Spannung und noch mehr Humor daher – gerade mit letzterem hatte ich nicht wirklich gerechnet. Aber Mark Watney ist seinem Schicksal wunderbar stoisch ergeben und begegnet ihm mit einer riesigen Portion Sarkasmus, Nerdigkeit und Selbstironie – dabei zuzuschauen macht richtig Spaß.

Dennoch hat er auch ruhige, nachdenkliche Momente, die Matt Damon gekonnt umsetzt – es bedarf keinem pompösen Soundtrack oder Actionszenen, um zu beeindrucken. Selbst die permanent plärrende Discomusik lässt den Zuschauer mitfühlen – immerhin geht sie Watney genauso auf die Nerven, wie dem Kinobesucher, aber eine Alternative hat er nicht.

Den Marsianer kann ich nur weiterempfehlen, allerdings hätte es 3D nicht gebraucht – dafür gab’s wirklich keine Szene, die das rechtfertigt. Und mein Weltbild wurde mal wieder geradegerückt: einige Menschen sind noch dämlicher, als ich gedacht hätte, dass sie sein könnten. Immerhin hörte ich nach dem Film niemanden fragen, ob das denn nun wirklich passiert sei…

8 Kommentare

  1. Servus, Mara.
    Ich bin mir relativ dessen gewiß, daß Ron Howard oder Chris Columbus einem Film wie ‚Gravity‘ den Garaus hätten machen können; in einem Rosamunde-Sinne, wie Du es meinst. Alfonso Cuarón bleibt mir da besser gestrickt – wenn auch hier gefällig (vrgl. mit ‚Children Of Men‘).

    Schmunzelig, daß es Leute gibt, die glaubten wir wären schon leibhaftig auf dem Mars gewesen. Vermutlich wurde die Realitätsnähe der eingesetzten Technik/Wissenschaft hier einfach nur mißinterpretiert.

    Dämliche Kinobesucher?! Details!?

    Für was – außer Rendite – ist 3D überhaupt brauchbar?

    Ich vergaß übrigens noch Steven Spielberg zu erwähnen. Er versteht es nun überhaupt nicht, SF-Stoffe zu drehen.

    bonté

    1. Aloha,

      „Children of men“ habe ich, muss ich zu meiner Schande gestehen, nie wirklich gesehen. Noch schlimmer: die DVD steht hinter mir im Regal… den und Pan’s Labyrinth sollte ich mir dann vielleicht doch mal zu Gemüte führen und mich nicht von Gravity beirren lassen.

      Mit den dämlichen Kinobesuchern meinte ich, die glauben, wir wären schon auf dem Mars gewesen bzw. der Film basiere af realen Begebenheiten. DAFÜR ist er dann vor allem am Ende nämlich doch zu unrealistisch. Also für mein Realitätsempfinden, vielleicht ist das ja ausgeprägter, als bei anderen.

      3D… ja, ist jetzt halt modern. Ich erinnere mich an genau einen Film, der in 3D irgendwie schon mehr Laune gemacht hat, als 2D – und das war „Drive Angry“- völlig sinnlos aber mit rumspritzendem Blut und Körperteilen und so.

      Ich musste jetzt auch mal eben schauen, ob Spielberg schonmal einen Sci-Fi gemacht hat, den ich auch kenne. Spontan fällt mir da nur Krieg der Welten ein, den ich auch recht gut fand. Allerdings halt mehr in Richtung Horror/Abenteuer – Aliens auf der Erde sind für mich kein richtiger Sci-Fi. Minority Report habe ich auch immer eher als fururistischen Thriller empfunden…

      Grüße!

      1. …’Pan’s Labyrinth‘ ist in seiner realen Schiene extrem Böse; und auf der phantastischen Ebene voll schönen Grausens. Sehenswert.

        Demnach durftest Du, in Farbe & bunt, beobachten wie mies manche Leute über Aktualitäten informiert sind. Gut – beim grottigen Niveau von Nachrichten im einschlägigen Dudel-Radio verwundert das nicht. Trotzdem schade!

        Bei ‚Minority Report‘ habe ich das „Pech“ die Vorlage von Dick zu kennen; was mich für die Adaption vermuten läßt, daß Spielberg entweder die Kurzgeschichte nicht verstanden hat, oder es war Ihm egal, was Dick damit aussagen wollte.
        ‚Krieg Der Welten‘ war mir zusehr auf die Seligsprechung des Vaters angelegt.
        ‚A.I.‘ ist dick aufgetragenes Schwurbelkino, kitschiges Pathos und zuletzt auch noch verquast auf Ansprüche gepimpt. Kino & SF zum abgewöhnen.
        Glücklicherweise gibt es allerdings auch die Perlen des Genres…

        bonté

        1. Ok, also landet Pans Labyrinth auf der „unbedingt sehen“-Liste.

          An Dick-Verfilmungen kann ich „A Scanner Darkly“ sehr empfehlen, den mag ich.Wobei ich nichts von ick gelesen habe, glaube ich. Dass sich nciht jeder Film getreu an die Buchvorlage hält, finde ich nicht schlimm – oft kommt dabei ja auch was besseres raus, siehe Fight Club oder Fear and Loathing in Las Vegas.

          A.I., den hab ich mal gesehen, habe ihn aber immer eher als Kinderfilm empfunden. Keine Ahnung, sit mir nicht so in Erinnerung geblieben.

          Was würdest du denn als Perlen des SF-Genres bezeichnen? Für mich gehören dazu eindeutig Event Horizon, The 13th Floor, Equilibrium, Matrix… mehr fallen mir gerade nicht ein.

          Wochenendliche Grüße,
          Mara

          1. …mit Richard Linklaters genialer Verfilmung des Dick-Romans rennst Du bei mir offene Tore ein.
            Das mit der Freiheit von Adaptionen stimmt natürlich. ‚Blade Runner‘ ist & bleibt ein Paradebeispiel dafür, wie ein Stoff interpretiert & in die Zukunftssicht des Verfilmungsjahres tranferriert werden kann (das Buch „Do Androids Dream of Electric Sheep?“ ist von 1968). Visuell & atmosphärisch setzt Scotts Film noch immer seine Maßstäbe. Selbst in der verbockten Schnittfassung des ersten Kino-Release (mit Happy End !).
            Aktuell gibt es eine Umsetzung des Dick-Klassikers „The man in the high castle“ in Serienform; hier haben die Achsenmächte den Zweiten Weltkrieg gewonnen.
            Perlen in Reihe wären für mich:
            ‚Silent Running‘ oder ‚Logan’s Run‘. ‚Monsters‘ oder ‚Moon‘. ‚Fahrenheit 451‘ oder ‚Dark Star‘. ‚Doomsday‘ oder ‚V – For Vendetta‘. ‚Inception‘ wie ‚Brazil‘ nicht zu vergessen.
            Et cetera.

            Hm…bei ‚Matrix‘ blieben mir die Wachowski-Geschwister eigentlich die Antwort schuldig, warum die Rebellen eigentlich permanent auch die Leute killen, die sie vorgeblich aus der Matrix befreien wollen. Kollateral-Schäden allesamt!?

            bonté

            1. „V wie Vendetta“ fand ich gar nicht so toll – eher enttäuschend, weil er so gehyped wurde. Letztendlich war’s irgendwie ein Film über nen Typen mit ’ner Maske, der eine junge Frau traumatisiert, damit sie macht, was er will. Naaajaa. „Inception“, klar… ich dachte bei Sci-Fi jetzt eher an Weltraum-Filme.

              Für mich gibt’s nach Weihnachten im Zuge eines Filmabends evtl. mal Kubrick „2001“. Habe ich erst 1x vor zig Jahren gesehen. Gut, Kubrick ist jetzt nicht so mein Regiesseur… ist mir eigentlich auch, wie Lynch, zuviel Wischiwaschi und „ich filme mal irgendwas, irgendwer interpretiert bestimmt was ganz tolles rein“.

              Wenn ICH mir aussuchen dürfte, wieviele Menschen ich aus der Matrix rette, wäre die Zahl auch mit Sicherheit nicht dreistellig. Daher: ja, ich tippe auf Kollateralschäden. Wären sie zumindest bei mir…

              Möge die Macht mit dir sein!

              1. …bei ‚Vendetta‘ war ich auch lange skeptisch.
                Die Agitation des „Guy Fawkes“ zeigt dabei die finsteren Mechanismen solcher Bewegungen auf. Also schon mal nicht das good vs. bad Kino von der Stange.

                ‚2001‘ ist um gut eine Stunde überdehnt. Eigentlich hätte Kubrick mit dem Beginn der Mission zum Jupiter loslegen können; bis dahin herrscht jetzt eher optisch aufgepeppte Langeweile vor (und das schreibe ich, als SF-Fan).

                Mich beunruhigte bei ‚Matrix‘ eher das Fehlen der Hinterfragung dessen; fast könnte einem in den Sinn kommen, daß der ethische Knackpunkt* den Machern nicht in den Sinn kam, oder nicht wichtig genug erschien.

                „Ich habe da ein ganz mieses Gefühl…“
                Gut, irgendwo hoffe ich natürlich, daß die Fortführung der Reihe dort ansetzt, wo ‚Empire‘ geendet hat. Die Fugenmasse seither war ja nicht weiter erwägenswert.

                bonté

                * die Terror-Heinis der Welt zünden ihre Bomben, unter willkürlich „ausgewählten“ Menschen, nach einem ähnlichen Prinzip

                1. Klar, aber da gibt’s doch weit besseres Moral-Kino. Ganz vorne zu nennen sei da doch Watchmen, bei dem es am ende auch nicht den oder das Böse(n) gibt, sondern einfach nur die Frage, wieviele Menschenleben die Wahrheit wert ist. Das übersteigt leider oft den Horizont des geneigten Zuschauern, der sein Heil doch eher in streifen wie „2012“ oder „Pixels“ findet.

                  Der Beginn von „2001“ erinnert mich immer an „Begotten“ – sagt dir der was? Wenn nicht: Wikipedia-Artikel lesen reicht völlig aus.

                  Der erste Teil dr Matrix-Filme häte sogar noch das Potential gehabt, dies zu hinterfragen. Ich hätte mir zum beispiel sehr gut vorstellen können – nach dem ersten Teil – dass man darauf kommt, dass die Matrix und die normale Welt nebeneinander existieren können und gar nicht alle Menschen aus der Matrix gerettet werden sollten – sondern bspw. nur die, die neugierig genug sind, Dinge zu hinterfragen und so selbst auf die Menschen außerhalb der Matrix stoßen. Oder, dass die reale Welt nur eine „Auffang-Matrix“ ist – für die, die lapieren, was da abgeht. Das hätte zumindest erklärt, warum Neo die Maschinen in der realen Welt stoppen konnte… aber dann kamen Reloaded und Revolution und man mag ja eigentlich gar nicht drüber reden. x)

                  Frohe Weihnachten!

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