Reife(n)

Mein fast-noch-neues Auto hatte seine erste kleine Beschädigung! Es begab sich in einer Freitagnacht, dass ich die Autobahn befuhr, um nach Hause zu kommen, als ich über irgendwas drüber fuhr, das sich anfühlte, wie ein etwas dickerer Zweig/dünner Ast.

Bis nach Hause kam ich noch, war dort aber erstmal in meinem faradayschen Käfig gefangen, da ein Blitz in unmittelbarer Nähe wütete und ich keinen Streit mit ihm anfangen wollte. Ich vermute, er hätte die Diskussion, wer mehr Recht hat, sich gerade auf der Straße zu befinden, gewonnen. Als ich mich dann endlich in den Regen hinaus traute, sah ich sofort, dass ein Teil meines Reifens irgendwie unglücklich abstand. Was auch immer auf der Straße gelegen hatte, es hatte den Reifen von der – zusätzlich zerkratzen – Felge bis zum Boden aufgeschnitten – zwar nicht bis zum Gewebe, aber genug, um ein Stück Gummi abstehen zu lassen.

Leider hatte ich Montagmorgen einen Termin in Bochum, den ich nicht verschieben wollte, erklärtes Zeil war also, die Karre bis dahin wieder fahrtüchtig zu bekommen. Samstagmorgen telefonierte ich einige Werkstätten in der Gegend ab und wurde bei einer, die mir vor einigen Monaten die Spur eingestellt habe, auch fündig. Etwa eine Stunde standen das kleine Schwarze und ich dort auf der Matte und haarten der Dinge, die da kamen. Der freundliche Mitarbeiter sagte, dass die Vorderreifen zwar schon sehr abgefahren seien, aber die Beschädigung kein Problem darstellen sollte, es sei denn, es bilde sich eine Beule. Sein Chef war anderer Meinung, das müssten vorne dringend neue Reifen drauf – komisch, als ich vor ein paar Monaten dort war, um die Spur einzustellen, war man noch der Meinung, damit könne ich den Sommer über noch fahren.

Man unterbreitete mir unverzüglich ein Angebot: 130€ pro Reifen, „und für 300€ insgesamt montieren wir Ihnen die auch noch!“. Dies erschien mir, obwohl es sich um Niederdruckreifen handelt, etwas überteuert. Vorrätig wären sie wegen des eher seltenen Maßes ohnehin nicht gewesen, ich hätte also so oder so bis zur kommenden Woche warten müssen. Ich verabschiedete mich dort und suchte umgehend zu Hause einen der zahlreichen Online-Händler heraus. Und tatsächlich: dort kosten zwei Sommerreifen inkl. Montage bei einem Reifenhändler in der Nähe nicht mal die Hälfte. Und: schneller ging’s auch noch. Ich bestellte Sonntagabend zwei Reifen, sprach mit der Werkstatt des Reifenhändlers und vereinbarte einen Termin für Dienstagmittag. Da hieß es dann 20 Minuten an der Ruhr spazieren gehen, danach kurz bezahlen und dann gute Fahrt.

Das war in den 10 Jahren, die ich jetzt fast schon hinterm Steuer verbringe (und ich schätze ungefähr 200.000 gefahrene Kilometer) die erste Beschädigung eines Reifens und ich hoffe, es bleibt auch erstmal die einzige. Denn ich hätte überhaupt keine Lust gehabt, nachts im Gewitter auf der Autobahn zu stehen und das Reparaturkit aus dem Kofferraum zu kramen um irgendwie einen Reifen zu flicken und auch nicht gewusst, wen ich hätte anrufen sollen, der mich um die Zeit auch noch abgeholt hätte.

 

6 Kommentare

  1. Hoi, Mara.
    Die Mobilitätspanne begleitet die menschliche Zivilisation in treuer Ergebenheit. Nicht nur in technischem Sinne, schließlich kann man/frau sich auch den kleinen Zeh heiter anschlagen.

    Freut mich, daß Dir Dein Reifen in der übelhaltigen Situation „Gegenstand auf der Fahrbahn“ die Treue gehalten hat. Hätte auch in einer kurzen Zeitungsmeldung enden können.
    Schutzengel – metaphorisch – in Sonderschicht.

    Bleibt zu vermuten, daß Mr. Werkstatt eine eher individuelle Definition von „Sommer“ pflegt. Während der Mitarbeiter, in seiner juvenilen Unbekümmertheit, gern Risiko spielen möchte. Beschädigte Reifen sind nicht für die Ablage „leichte Schulter“ vorgesehen. Schwachstelle bleibt Schwachstelle und bietet der Physik Spieloptionen in Hülle

    Hast Du noch ein echtes (!) Reserverad an Bord, oder nur ein Notrad?

    Ein „Die-Straße-gehört-mir“-Blitz – witziges Bild!

    Allzeit gute Fahrt.

    bonté

    1. Hallo,

      es muss schon ein recht kleiner Gegenstand gewesen sein, ich habe jedenfalls kaum was davon gemerkt, ging halt von einem Ast oder Zweig aus. Aber ja, da gibt’s auch Fälle, die ganz anders ausgegangen sind.

      Aber gerade bei Reifen sollte man vielleicht doch Wert auf Unbeschädigung legen, denke ich. Sie sind immerhin die einzige Verbindung zur Straße.

      Ich glaube, ich habe nur so ein Reparatur-Kit. Habe zumindest noch nichts radiges in meinem Kofferraum gefunden – mich aber auch nicht intensiv damit beschäftigt, muss ich zugeben.

      Danke, dir auch jederzeit eine freie Strecke, grüne Welle und bei deinen Unfällen nur Blechschaden.

      Liebe Grüße,
      Mara

      1. …Dein Notersatz für den Notfall versteckt sich vielleicht unter „zuunterst“, im Kofferraum. Hyperpraktisch, wenn man/frau für wahlweise „Weltreise“ oder „Umzug“ bepackt ist.
        Das genialste war für mich deshalb der Verwahrkorb, unten am Heck, des R 11. Der größte Müll diesbezüglich kommte leider auch von Renault, nötigt einem doch die Bergung/Rückführung des Ersatzrades höhere Kenntnisse in abstrakter, theoretischer Physik ab.
        Aber abgesehen davon; mein Modus steht nach bald zehn Jahren noch wie eine 1 da. War also kein legendäres „Montagsauto“…

        bonté

        1. Hey,

          ja, so sind die Franzosen, denen erschließt sich die Nutzung eines Reserverads vermutlich nicht, weil sie bei der kleinsten Niederlage die weiße Flagge schwenken. Wozu weiterfahren, wenn der Fein – in diesem Fall der des Reifens, ein Nagel bspw. -, bereits seine Stärke bewiesen hat?

          Sonnige Grüße

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