Kinderfreie Zone

Letzte Woche hat ein Wirt in Düsseldorf seinen Biergarten geteilt. Eine Seite ein herkömmlicher Biergarten mit einem angeschlossenen aber eingezäunten Spielplatz, an der anderen ein Strandbereich (d.h. ein paar Wagenladungen Sand mit Palmen und Strandkörben darauf). Dann hat er den Strandbereich zum Ruhebereich erklärt und ein Schild angebracht, das Kinder und Hunde in selbigem verbietet. Selbstverständlich gab es umgehend Reaktionen darauf, mehrheitlich von empörten Eltern, die partout nicht verstehen wollten, dass ihr Nachwuchs diese paar Quadratmeter Erdboden die nächsten Jahre nicht betreten darf.

Der Wirt selbst ist nicht unbedingt glücklich mit dieser Entscheidung, er sagte aber, dass es nicht sein könne, dass Kinder andere Gäste mit Sand bewerfen oder die Palmen anzünden – schuld seien aber nicht die Kinder sondern die Eltern. Das deckt sich auch mit meiner Erfahrung mit den lieben Kleinen und den blöden Großen. Wusstet ihr, dass es Kinderwagen mit (Bier)dosen-Halterung gibt? Muss es ja, wenn man zusätzlich zum Smartphone auch noch die Bierdose in der Hand halten müsste, hätte man ja gar keine Möglichkeit mehr, den Kinderwagen zu schieben! Wobei man ihn natürlich auch vorwärts treten könnte…

Erst vor kurzem ist mir ein ca. 2jähriger quasi vor’s Auto gelaufen, hier in der 30er-Zone vorm Haus. Da er damit bereits anfing, als ich noch 50m entfernt war, stand ich längst, als er meine Reifen befingerte. Offensichtlich wollte er das Auto anschauen und hatte dies auch angekündigt. Die Eltern waren aber zu sehr in ihre Smartphones vertieft, so dass sie erst nach mehreren Sekunden, die ihr Sohn direkt an meinem Auto verbrachte, entsetzt „Jeremy!!! Komm sofort her!!!“ kreischten.

Ein anderes Beispiel elterlicher Inkompetenz begegnete mir vor einigen Jahren im Zoo. Ein Freund und ich standen vor dem Gehege der Watussirinder, neben uns ein Junge, der seine Mutter fragte, was das für Tiere seien, die er da sieht. Diese antwortete ohne aufzublicken oder die Zigarette aus dem Mund zu nehmen „Weiß ich doch nicht!“. Das Schild, das den Inhalt des Geheges erklärt, war keine 3 Meter entfernt…

Es wundert mich bei solchen Exemplaren also nicht, dass der Nachwuchs Bäume niederbrennt oder Fremden auf den Sack geht. Und ich kann es mehr als nur verstehen, wenn man eben auch radikale Maßnahmen ergreift, um sich sowas vom Hals zu halten. Leider ist es aber eben nicht möglich, nur bestimmten Eltern den Zutritt zu verweigern, da sich sowieso niemand in die genannte Gruppe einsortieren würde. „Bitte bleiben Sie draußen, wenn Sie nicht in der Lage sind, Ihren Nachkommen Erziehung zuteil werden zu lassen oder auf selbige aufzupassen“, wird höchstens zu Verwirrung führen, wenn das Kind „gerade so schön spielt“ und sich darüber jemand beschwert. Fehlt nur noch, dass demnächst Zutritt für Kinder in BDSM- und Swingerclubs gefordert wird. Wenn’s „Spielabend“ oder „Playparty“ heißt, dann ist es doch eigentlich selbstverständlich, dass da Platz für die ist, die den halben Tag mit Spielzeug und spielen verbringen, oder nicht?!

Allerdings kann man auch einfach Mitdenken erwarten, nicht nur von Eltern. Wenn sich eine Gruppe von Erwachsenen zwischen die Familien an den angrenzenden Spielplatz setzt und sich dann über Kindergeschrei beschwert, statt die andere Seite des Biergartens zu wählen, wo es viel ruhiger ist, zweifel ich auch an deren Verstand. Da bedauere ich auch, dass es gemeinhin als unhöflich empfunden wird, Menschen auf ihr unüberlegtes Verhalten aufmerksam zu machen.

 

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Dia dhuit, Mara
    Elternschaft zu erlangen ist eher ein leichter Akt. Eltern sein hat aber was mit dem verdammt echten Leben zu tun. Kommt aber scheinbar – in jeder Generation – nicht überall an. 2.0 Eltern offenbaren scheinbar eine Einstellung a la „gezeugt & auf die Welt gebracht ist das Kind, den Rest kann bitte die Gesellschaft jetzt übernehmen“. Erzieherische Einsichten schwanken – wenn überhaupt als Teil der eigenen Fortpflanzung erkannt – dabei von einer Ratgeber-Saison zu anderen.

    „Kinder bedeuten konsequent mehr als der Trend-Genuß eines aufgeschäumten Kaffees; den Plural von Verantwortung.“
    (Jocelyn Cupinpaire)

    bonté

    • Hallo!

      Letztendlich macht man es als eh immer irgendwie falsch, egal, was man tut. Ich habe darüber nachgedacht, in dem Artikel auch zu schreiben, warum mein Leben eine kinderfreie Zone sein wird… das ist mir zuviel Verantwortung, abgesehen davon nerven Kinder mich meistens nur.

      Hin und wieder lese ich in Elternforen ein wenig quer.. so alles halbe Jahr, wenn ich überlege, ob sich die 30€ für die Pille wirklich lohnen. Danach weiß ich dann wieder: cih würde mir das Zeug auch reinschaufeln wenn’s 300€ kosten würde. Aber auch da wird deutlich, viele Eltern halten ihre Blagen für kleine Götter und jeder, der was anderes behauptet, ist ein Kinderhasser. Die kleinen müssen sich halt entfalten und ausleben, auch, wenn das bedeutet, dass sie die anale Phase auf Nachbars Nappaledersofa erfahren…

      kinderlose Grüße!

  2. …ist definitiv die Entscheidung eines jeden, die eigenen Gene auf die Reise zu schicken (oder eben nicht). Diese unterschwellige Botschaft „wir müssen mehr Kinder haben“, um wahlweise die Rente oder den „Volkskörper“ zu erhalten, ist mir schon per se suspekt. Menschen sind schließlich keine Brutmaschinen.

    Die Genie-Projektion mancher Eltern ist nichts Wesentlicheres als ein eingestandenes Armutszeugnis; die Weiterführung der kleingeistigen „Wir-sind-was-besseres“-Allüren. Einzig die erzieherisch vermurksten Kinder („Feldversuche“)können einem grundsätzlich leid tun. Aber die können sich die Eltern ja nicht aussuchen…

    bonté

    • Naja, den Kindern wird diese Attitüde ja mit auf den Weg gegeben, die sehen’s also mit großer Wahrscheinlichkeit genauso, wie die Alten. Bis sie auf die FResse fliegen, weil ihnen irgendwer mitteilt, dass sie nicht so großartig sind, wie sie denken…

      Grüße!

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