Wild Card

Was tut man als potentiell schlafloser Mensch nachts? Beispielsweise um 23 Uhr ins Kino gehen und das Gefühl genießen, seinen eigenen Kinosaal zu haben… bis 20 Minuten nach 11 noch zwei niedere Lebensformen eintrafen, die sich genau vor mich setzten (wohin sonst) und alles was im Film passierte mit „Boah krass ey!“ oder „Alta geile Scheiße!“ kommentierten. Womöglich tue ich diesen wertvollen Mitgliedern unserer Gesellschaft unrecht, denn es war das erste Mal, dass sie einen Film bzw. generell bewegte Bilder sahen, aber mich nervt sowas wahnsinnig und ich verzog mich letztendlich in eine Ecke, so weit weg von den beiden, wie nur möglich.

Was habe ich erwartet?

Der Trailer zeigt uns Jason Statham. Das reicht eigentlich schon, denn, wie ich schonmal schrieb, Statham-Filme sind wie Pfannkuchen.

Worum geht’s?

Nick Wild (Statham) ist freiberuflicher Personenschützer in Las Vegas und hegt den Traum, irgendwann fünf Jahre Auszeit vom Job zu nehmen. Dafür benötigt er lediglich eine halbe Million Dollar. Ein Weg dahin ist der Auftrag des jungen Spielers Cyrus Kinnick (Michael Angarano – kennt man evtl. aus Almost Famous oder Haywire), der reich und schutzbedürftig ist. Zuerst muss sich Wild aber um seine Freundin Holly (Dominik Garcia-Lorido, hat bisher in keinem mir bekannten Film mitgespielt) kümmern, die wurde nämlich in der Nacht zuvor von Mafia-Größe Daniel DeMarco (Milo Ventimiglia – u.a. gesehen in Gamer) vergewaltigt und sinnt auf Rache. Also nichts wie los, mal eben die Mafia gegen sich auf- und umbringen, schnell noch ’ne halbe Million machen und der betuchte Kunde möchte ja auch noch bespaßt werden…

Bewertung

4/10

Wild Card ist mal wirklich nichts. Wirkt wie schlecht geschnitten, irgendwie zusammenhanglos. Wirklich viel Action gab’s auch nicht dafür eine ganze Menge unrealistische Dialoge. Ein bisschen britischen Humor hat man Statham immerhin verpasst, passend zu seiner Herkunft, die natürlich nicht unerwähnt blieb. Irgendwie hat sich da in den letzten Jahren so eine Sitte eingeschlichen, dass die Amerikaner ihre Helden nur noch unter häufiger Erwähnung derer insulanen Wurzeln aus England importieren.

Gnadenpünktchen gibt’s für Stathams Bemühungen, irgendwas draus zu machen, statt einfach nur als dekorativer Muskelprotz im Bild rumzustehen und für die nett ausgewählt Musik (hauptsächlich Elvis). Kann man sich aber trotzdem getrost sparen, da verpasst man nichts. Wild Card ist einer dieser Pfannkuchen, die zerfleddert in der Pfanne liegen und, wenn man gerade denkt „ich nenne es Kaiserschmarrn und tue so, als sei es Absicht“, anfangen schwarz zu werden.

6 Kommentare

  1. Ich glaube, deine Kritik ist jetzt die erste überhaupt, die ich zu diesem Film lese. Warum eigentlich? Naja.
    Da sogar mein Freund den Film nicht sehen wollte – und er hat bisher JEDEN (J E D E N) Film von Statham gesehen, war das Thema für mich schnell vom Tisch. Irgendwann wird er sicher aufm DVD-Abend mal laufen, aber ich bin jetzt froh dass wir uns das Geld fürs Kino in dem Fall gespart haben.

    PS: Ich HASSE solche Leute im Kino auch! Was denken die sich immer?

    1. Da war dein Freund wohl besser informiert als ich, wenn er ihn sehen wollte. Ich lese vor dem Kinobesuch nie Kritiken, um möglichst unbeeinflusst den Film zu sehen und darüber zu schreiben. Mehr als ein „der soll gut sein“ mag ich auch von anderen nicht an mich herangetragen bekommen, vor allem keine Spoiler… ich verlasse mich da völlig auf Trailer. Daher kommt’s hin und wieder mal vor, dass ich in ’nem schlechten Film lande.

      Für einen DVD-Abend, wenn sonst nichts verfügbar ist, ist Wild Card aber sicher ganz ok… wobei ich ihn auch sehr weit unten auf der „Filme, die man gesehen haben muss“-Liste platzieren würde.

      Die besagten Leute verwechseln das Kino mit der heimischen Couch, glaube ich.

  2. Moin moin, Mara.
    Über den Daumen spekuliert hatte vielleicht die Fernbedienung für den DVD-Player ihren freien Tag. Also rein in den nächsten cineastischen Kulturtempel & sich schlecht benehmen. Oral/rektal erfolgreicher Gasausgleich oder das ostentative Kratzen des Gehänges.
    Meist genügt ein wohlplatzierter Satz.

    Ah – die gern beliebte Ein-Mann-Armee mischt die Ratten in den Schützengräben auf; Jason is born for it!
    DIALOGE! In einem Actioneer – sieh mich verworren…

    Echte Kerle kommen – allerspätestens nach dem Absurdistan „Freiheits-Fritten“ – eben von der Insel Albion. Wobei Nick Wild garantiert zu 1/489tel auch Cherokee ist. Macht sich immer gut in der Vita.

    Da lob ich mir doch einen Hallodri wie Korben Dallas…

    bonté

    1. Aloha!

      Ich mag solche Leute dann eher nicht ansprechen, weil ich – gerade wenn da schon ein Film läuft – keine Lust auf schwachsinnige Diskussionen habe. Zumal solche Ballastexistenzen dann ja oft der Meinung sind, Überlegenheit ausdrücken zu müssen, indem sie danach erst recht nerven.

      In den meisten Filmen sind die Dialoge wenigstens einigermaßen ok… Expendables zum Beispiel: irgendwie schwachsinnig aber doch noch erträglich. Aber hier… in einer Szene macht der heldenhafte Hauptdarsteller seiner so eben zusammengeschlagenen und brutal vergewaltigten Freundin erstmal Vorwürfe, dass sie sich nicht an seinen Rat gehalten hat und somit quasi selbst schuld an dem Geschehenen war – es ging nicht um das nuttige Abendkleid, das wäre wohl zuviel Klischee gewesen und hätte Feministinnen auf den Plan gerufen, sondern um die Location, welche die freiwillig aufgesucht hatte… naaajaaa.

      Das fünfte Element war mir immer suspekt. Gesehen habe ich ihn schon mehrmals, erinnere mich aber irgendwie immer nur an den Anfang vom Ende des Films, inbesondere der Auflösung weiß ich fast nichts mehr.

      Übrigens: vielen Dank für die Jekyll-Empfehlung. Großartige Serie. Wenn du mehr davon hast: immer her damit.

      Grüße!

      1. …ich spreche die Handy-Quassler, Simultanübersetzer, Klatschblätter oder Picknicker eigentlich nicht an – ich krame eine bestimmende Tontiefe hervor…

        Oha. Psychologisch scheint das Skript zum Streifen eher mit der groben Sacknadel gearbeitet zu sein.

        „Suspekt“ klingt interessant. Mir spritzt bei Bessons Space Opera die Ironie nur so entgegen. Monty Python between the stars.
        Das Ende!? Dem Fünften Element gelingt es natürlich in letzter Sekunde das absolut Böse wieder zurückzuschleudern. Und der Präsident darf mit Korbens Mutter telefonieren…

        Freut mich, daß Dir „Jekyll“ zu munden wußte (Nesbitt ist genial gut in der Doppelrolle).
        Gut, wie wäre es mit folgenden 3…
        „Torchwood – Kinder Der Erde“
        „Durham County“
        oder
        Gareth Edwards‘ beeindruckendem ‚Monsters‘

        bonté

        1. Hey,

          und das 5. Element ist dann die Liebe, oder? Ach, vielleicht schaue ich ihn einfach nochmal.

          Die genannten Serien schau ich mir mal bei amazon an, oder die Trailer. Mal schauen, ob mir davon was zusagt. Ich informiere dich dann bei Zeiten.

          Gruß!

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