Mama vom Flughafen abholen

Meine Mutter und ihr Mann – Walter – verbrachten die vergangene Woche auf Gran Canaria, wo sie sich in der Sonne räkelten. Die Abreise wurde früh morgens um 5 Uhr eingeleitet, weshalb ich mir dieser nichts zu tun hatte. Die Ankunft in Deutschland wurde jedoch für den frühen Abend des gestrigen Tages prophezeit, wodurch meine Abholdienste beansprucht wurden.

Den Tag verbrachte ich in Essen, wo ich über den Weihnachtsmarkt spazierte, feststellte, dass das nichts für mich ist und stattdessen im örtlichen Erotikshop sowie einigen Gothicläden einkehrte, Schwarz und Sex ist eher meine Welt als Reibekuchen und Kunsthandwerk. Anschließend fuhr ich nach Hause, machte mir Essen und begab mich auf’s Sofa. Landen sollte das Flugzeug mit meinen Verwandten an Bord um 18.25 Uhr, ich wollte also gegen viertel vor 6 losfahren in Richtung Düsseldorf. Um 17.15 setzte ich mich an den PC, gab die Flugnummer auf der Website des Düsseldorfer Flughafens ein, um nachzuschauen, ob es evtl. zu einer Verspätung kommt. Mitnichten: dort wurde die Landung um 17.31 Uhr angekündigt – knapp eine Stunde früher.

Ich schmiss also mein Zeug in die Tasche, schrieb meiner Mutter ’ne SMS, die erklären sollte, warum ich sie nicht direkt nach der Landung in Empfang nehme sondern sie womöglich warten muss, und machte mich auf den Weg ins Rheinland. Am Flughafen angekommen, stellte ich fest, dass man sich wohl verschrieben habe: hier stand der Flieger angekündigt für 18.31 – was auch der aktuellen Uhrzeit entsprach. Bis die Passagiere den Flughafen-Parkour aus Rollfeld, Gepäckband und Zoll überwunden haben, vergehen jedoch gern eine dreiviertel bis volle Stunde. Mit einem McDonalds Latte Macchiato, von dem ich einen nicht unerheblichen Teil über meine Tasche und mich kippte – Achtung, die Deckel halten nicht! -, setzte ich mich vor’s Gate. Zwischen ein plärrendes Blag, ein streitendes Ehepaar und eine indische Großfamilie, die wild durcheinander plapperte. Bis gegen 19.15 Uhr meine Mutter erschien…

…und zwar alleine. Ihr Mann pflegt die Sitte, Kippen ohne Steuermarke zu schmuggeln, der Zoll pflegt die Sitte, ihn daran zu hindern, komplett zu durchsuchen und zur Kasse zu bitten. Es ist nicht das erste mal, dass das passiert. Und: Walter raucht nicht mal. Geht vermutlich um den Nervenkitzel oder die Möglichkeit, dem deutschen Staat eins auszuwischen… wer weiß. Als er eine weitere halbe Stunde später kam, sagte er auch nicht mehr viel.

Im Auto angekommen fuhr ich gerade die ersten Meter auf die Autobahn, als in der ersten leichten Kurve die komplette Palette der Spaßbeleuchtung aufflammte. Mein Auto benötige Öl, verriet sie. Ich machte einen großen Fehler: ich sagte „der Wagen braucht Öl“. Der Rest der Fahrt bestand aus Aufregung: Meine Mutter regte sich auf, weil sie der Meinung war, das Auto bliebe jeden Moment auf der Autobahn stehen; Walter regte sich auf, weil meine Mutter sich aufregte. Ich regte mich auf, weil die Scheiben des Wagens, trotz Lüftung, permanent beschlugen, Fenster öffnen zwar half, aber von den sonnenverwöhnten Insassen mit „Es ist kalt! Mach das Fenster zu!“ quittiert wurde. Wir gingen einen Kompromiss ein und fuhren – natürlich mit geschlossenen Fenstern – nicht direkt zur nächsten Tankstelle sondern die Autobahn normal weiter und erst, nachdem wir diese verlassen hatten, zu selbiger. Dort kaufte ich Öl, für 24€ pro Liter, welches im Auto landete, das daraufhin auch nicht mehr blinkte und leuchtete wie eine Disco. Um 21 Uhr kamen wir dann auch endlich bei meiner Mutter zu Hause an…

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Bore da, Mara.
    Mit einem verwandte Menschen bergen doch das Potential dem eigenen Lauf durchs Leben Würze zu verpassen. Oregano oder Chilipulver – je nach dem.

    Dein sonntagliches Erleben wird in ähnlicher Konsistenz eigentlich gern von einschlägigen Kabaretisten für ihr Programm genutzt. Übersteigeter zwar, aber die passenden Elemente sind alle vorhanden.

    Hm, manche Leute pflegen eben eher exotische Hobbies; italienische Edelflitzer sammeln, das Balzverhalten des ost-karputischen Krähenfußkranichs dokumentieren oder eben – Zigaretten schmuggeln!

    Nun vermute ich, daß Du an besagtem Tag die bessere Zeit in der Sinnlichkeits-Boutique bzw in den Goth-Läden hattest. Jetzt abgesehen vom Sofa…

    Lüftung mit Asthma, 1/2 Liter Öl pro Kilometer – Dein Auto ist in Ehren ergraut?

    Slán agat.

    bonté

    • Bonjour!

      Mein auto ist noch gar nicht so alt – erst 6 Jahre. Und es ist ein Japaner, angeblich geht an denen ja nie was wichtiges kaputt. Daher schon verwunderlich. Allerdings kümmert es mich nicht mehr großartig, da ich ohnehin bald ein neues erwerben werde.

      Ja, im Sexshop und den Gruftilädchen war’s spannender als am Flughafen und im auto. Danach gab’s aber noch einen Film – Hänsel und Gretel: hexenjäger – um den Kopf auszuschalten. Das war auch nett.

      Grüßlis!

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