Who Am I

Endlich gab’s mal wieder einen deutschen Film im Kino. Nach dem enttäuschenden Stereo vor ein paar Monaten, lag meine Hoffnung auf einen vernünftigen Thriller nun auf den Schultern von Who Am I, der derzeit auch pausenlos beworben wird.

Was habe ich erwartet?

Das, was der Trailer uns zeigt: einen düsteren Thriller über einen Hacker, der sich im Cyberspace zusammen mit seinen Kumpels einen ganzen Haufen Probleme einhandelt.

Worum geht’s?

Benjamin Engel (Tom Schilling – Crazy, Elementarteilchen) ist ein typischer Nerd. Seine Kindheit war geprägt vom Außenseitertum, dem Computer, Comics und dem Suizid seiner Mutter. Aufgewachsen bei seiner Oma lernte er immer mehr über Programmierung, das Internet und letztendlich auch zu hacken. Als er für Marie (Hannah Herzsprung – der Baader-Meinhoff-Komplex, Hell), auf die er steht, versucht, die Prüfungsfragen vom Server ihrer Uni zu entwenden, wird er erwischt und muss Sozialstunden ableisten. Bei diesen lernt er Max (Elyas M’Barek – Fack Ju Göthe, Die Welle) kennen, der ihn seinen Kumpels Stephan (Wotan Wilke Möhring – Antikörper, Männerherzen) und Paul (Antoine Monot Jr. – Lammbock, „Tech-Nick“ aus der Saturn-Werbung) vorstellt. Diese hacken schon seit länger Zeit dieses und jenes um Spaß zu haben und haben sofort großes Interesse an Benjamin, dessen Fähigkeiten sie beeindrucken. Außerdem verbindet sie die Bewunderung für MRX, einen amerikanischen Hacker, an dessen Aufmerksamkeit besonders Max interessiert ist. Nach einigen harmlosen Aktionen beschließen sie, den BND zu hacken um ernstgenommen zu werden. Doch Benjamin geht noch weiter um MRX auf sich aufmerksam zu machen – der jedoch weit gefährlicher ist, als angenommen…

Bewertung

7/10

Who Am I fängt super an. Spannend, mit lustigen Szenen, coolen Protagonisten und guter Besetzung. Aber je länger man ihn schaut, desto mehr Logiklöcher tun sich auf. Man kann nicht über alle Fehler hinwegsehen. Und auch hier gibt’s die bereits bei Lucy bemängelten Szenen, die mit der Handlung des Films wenig zu tun haben. In diesem Fall wird der Cyberspace, genauer gesagt das Darkweb, durch eine U-Bahn symbolisiert, in der sich maskierte Gestalten tummeln. Das sieht sicher schön böse und cool aus, aber auch irgendwie wie eine schlecht gewählte Metapher. Sowas scheint jetzt ja im Trend zu sein? Ich kann damit wenig anfangen.

Das größte Manko aber ist das Ende, das ich natürlich nicht verraten werde. Die letzten 20 Minuten stopfen den Zuschauer so mit Informationen und Wendungen voll, das man danach nur noch denkt „Hä?“. Der Grundgedanke ist zwar ganz nett (und ziemlich bekannt) aber dafür reicht die Kürze des Films dann doch nicht aus, sowohl die Story als auch das komplizierte Ende sinnvoll und verständlich unterzubringen – Schade!

Die vorhergehenden 80 Minuten reichen mir aber für eine 7-Punkte-Bewertung, insbesondere für Darsteller Humor und Spannung sowie den Beweis, dass deutsches Kino amerikanischem in nichts nachstehen muss.

4 Kommentare

  1. Salut, Mara.
    Irgendwie fehlt hier ein Kommentar, habe ich das Gefühl.
    Hiesige Produktionen tun sich scheinbar immer etwas schwer mit dem Genre-Film – jetzt einmal abgesehen vom German-Klamauk. Wirkt doch oft ein wenig bemüht. Ausnämlich fallen mir solide SF-Filme wie ‚Pandorum‘ oder ‚Cargo‘ ein (ersterer eine deutsch-britische Koproduktion, letzterer einer aus der Schweiz).

    Ben wird demnach im (!) Rechenzentrum der Uni hopps genommen?!
    Ein eher ungewöhnlich direkter Weg für einen Hacker, die doch eher global von hinter leeren Pizzakartons agieren…
    Denke ich jetzt.

    bonté

    1. Hey,

      ja in der Tat müssen in dem Film die Hacker immer direkt zum Ort des Geschehens um dann dort die Netzwerke anzuzapfen. Vermutlich aus filmischer Dramaturgie heraus – von zu Hause hacken sieht einfach nicht so gut aus.

      Grüße!

  2. Als deine Kritik hier online ging habe ich nur schnell auf deine Bewertung geschielt (ich lese generell keine Reviews bevor ich den Film gesehen habe, auch wenn ich nach meinen Glühwürmchen-Faux-pas weiß, dass du idR nicht spoilerst ) – naja, jedenfalls hab ich den Eindruck dass du etwas „strenger“ bewertest als ich und demzufolge war ich doch recht positiv gestimmt als ich deine 7 Punkte sah

    Wieauchimmer, ich habe den Film mittlerweile gesehen und ich würde ihn durchaus mit 8 bis 9 Punkten bewerten, ich fand ihn wirklich sehr stark! Über das Ende kann ich auch nicht meckern – ja, es waren viele Informationen und Wendungen am Ende, aber gerade das fand ich klasse, weil es dem Film für meinen Geschmack noch ziemlich viel Würze verliehen hat. (Im Hintergrund sah man übrigens ein Fight Club Poster, nette Anspielung )

    Ja. So. Ich dachte ich lasse mal meinen Senf dazu hier, und weil ich in dem anderen Beitrag gelesen hab, dass du erkältet bist, wünsche ich noch Gute Besserung!

    1. Ich lese auch nie fremde Kritiken, bevor ich in einen Film gehe. Das nimmt einem irgendwie die Möglichkeit, sich ein eigenes Bild zu machen.

      Das Fight Club-Poster war schon sehr deutlich zu sehen – genau dieses hängt btw. auch in meinem Flur.

      Es freut mich, dass dir der Film gefallen hat. 9 oder gar 10 Punkte vergebe ich ja wirklich nur sehr selten und dafür hat’s mir hier nciht gereicht aber ich habe definitiv schon viiieeel schlechtere Filme gesehen.

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