Im Wagen vor mir…

Gestern Letzte Woche Unlängst (das heißt konkret: am 05.12.2013) hatte mein Auto einen Unfall. Es wird mit seinen 5 Jahren langsam richtig selbstständig, das hat es nämlich ganz ohne mich hinbekommen. Find‘ ich jetzt auch nur bedingt schade, dass ich nicht dabei sein konnte.

Ich kam morgens aus dem Haus um zur Arbeit zu gehen und wurde von diesem Anblick empfangen:

autoIn der hinteren Tür der Fahrerseite prangte eine kaum zu übersehende Beule. Leichter zu übersehen war dafür der Zettel, der unter meinem Scheibenwischer klemmte. Ich dachte zuerst wirklich, der Typ habe das Weite gesucht – hat er aber nicht. In einer Ecke der Windschutzscheibe fand sich ein Liebesbrief der Polizei, diese teilte mir mit, mein Auto sei in einen Unfall verwickelt gewesen, ich solle mich möglichst bald melden für weitere Informationen. ich meldete mich möglichst bald für weitere Informationen. Diese lauteten „Ja nee dat schicken wa Ihnen einfach zu, ne?“.

Am Freitag nach Weihnachten fragte ich mal vorsichtig an, ob da denn noch was käme – mir lag ja schon daran, den Wagen irgendwann reparieren zu lassen, dafür brauchte ich aber die Daten der gegnerischen Versicherung. Ja, das dauert leider manchmal ein bisschen. ich könne mich aber auch gleich an die zuständige Stelle wenden, vielleicht geht’s dann ja schneller. Ich wand mich an die zuständige Stelle und 5 Minuten später kam im Büro ein Fax an. Warum nicht gleich so?

In der Zwischenzeit wurde ich von allen möglichen Leuten gefragt, was denn passiert sei. Erstaunlich viele reagierten auf meine Erläuterungen mit Ausrufen des Entsetzens. Obwohl ich nicht mal einen Todesfall o.ä. hinzugedichtet habe. Ich verstehe manchmal die Prioritäten meiner Mitmenschen nicht. Was ist an einer verbeulten Autotür, die auch noch von der Versicherung bezahlt wird, so schlimm dass man eine Hand vor den Mund halten und mit großen Augen „Oh mein Gott“ wispern muss?

Spaßig wurde das Telefonat mit der Versicherung, nachdem ich mir die Daten von meinem Unfallgegner besorgt hatte. Diese war nämlich nicht besodners angetan, von der Idee, den Wagen zur Reparatur in das Autohaus zu geben, wo ich ihn gekauft hatte. Noch weniger stieß nur die direkte Beauftragung eines Gutachters auf Gegenliebe – dies wurde mir aber ausdrücklich geraten, da der Schaden 1. bei ungefähr 2000 – 3000 € lag und die Versicherung ohnehin einen Gutachter hinzugezogen hätte und 2. eine Wertminderung vorlag. Diese wird von der gegnerischen Versicherung ausgezahlt. Auf meine Frage, ob ich mir den generell aussuchen dürfte, welche Werkstatt ich aufsuche, wurde ziemlich viel herumgedruckst, ich möge doch Verständnis haben, die Kosten sollten schon möglich gering gehalten werden… ich entnahm dem ein „Ja“ und machte einen Termin für die Reparatur aus.

Genau einen Monat nach dem Crash ging’s zum Daihatsu-Händler. Und da stand dann das Beste an der ganzen Sache:

Der Leihwagen. Meine Freunde vermuteten, ich würde wohl mit einem Motorroller ausgestattet werden, da ein Leihwagen üblicherweise in der gleichen Klasse rangiert wie das eigentliche Auto oder darunter. Und unter der Klasse meines Autos gibt’s nicht mehr viel. Aber es wurde letztendlich:

LeihwagenEin Citroen DS3, Cabrio. Klein, schnell, technisch bestens ausgestattet und fährt sich, als würde man gleiten. Me Gusta! Lediglich der Briefschlitz-Kofferraum würde mich vom Kauf abhalten. Ein Foto habe ich leider nicht gemacht, aber google liefert eines, das für einen kleinen Eindruck wohl reicht: http://www.autogefuehl.de/wp-content/uploads/2013/09/CitorenDS3Cabriolet00.jpg Ein Kasten Wasser passt da nicht hindurch.

Der Wagen weiß, wann er nass wird, wann es dunkel wird und kündigt durch lautes Piepen an, wenn man im Begriff ist, rückwärts in irgendwas reinzufahren. Das finde ich ausgesprochen praktisch. Ich bin dann auch in vier Tagen ca. 200km gefahren. Natürlich nicht, weil das soviel Spaß macht! Ich musste wirklich dringend zu Ikea, nach Bochum und Essen und einen Umweg ins Büro nehmen! :mrgreen:

Mit der Werkstatt war abgesprochen, dass sie mein Auto auch gleich über den TÜV bringen, der wäre nächsten Monat eh fällig und ich dachte, man könne das in einem Abwasch erledigen. Denkste. Nach erfolgreicher Reparatur hingefahren, Rechnung kurz begutachtet, Schlüssel entgegen genommen und dann mal unverbindlich gefragt „Und übern TÜV isser auch?“. Das kaum merkliche Zusammenzucken meines Gegenübers verriet mir „da hat einer was vergessen“. Sagte man so natürlich nicht, man verwies darauf, dass man den Monat ja nicht verkommen lassen müsse, mir aber gleich ganz am Anfang einen Termin… nein danke. Da fahre ich lieber selbst zum TÜV, wenn ich gerade Lust dazu habe, als da wieder 33€ für zwei Scheibenwischerblätter bezahlen zu müssen, die einfach mal eingebaut werden. Wenn was beanstandet wird, kann ich ja immer noch hin.

Der Spaß hat letztendlich übrigens ca. 2600 € gekostet. Die Tür wurde komplett ausgetauscht, das Spaltmaß war verzogen und musste begradigt werden und dann wurde alles nochmal lackiert.

Jetzt muss ich nur noch mit dem Verlust des Citroens klarkommen. Es war, als hätte ich einen gut bestückten Geliebten gehabt, der soviel besser im Bett ist als mein Lebensabschnittsgefährte und nun ist er passé und befriedigt eine andere.

6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Mein erstes Auto war ein Citroen. Allerdings ein älteres Modell, das ich trotzdem mochte, mit dem ich einen Corsa mal in die Seite gefahren bin. Der Corsa hatte völlig kaputte und verrostete Kotflügel, die er dann dank meiner Unaufmerksamkeit neu bekam. Da hatte wohl jemand gutes Karma gesammelt…

    • Naja, so lange keinem was passiert…

      Mein erster war ein Seat Ibiza. Der hat einiges überlebt. Unter anderem ein kleines Feuerchen und meinen bisher einzigen Unfall, bin jemandem draufgefahren. Er fiel dann der Abwrackprämie zum Opfer.

  2. Da hätte wohl jeder um den schönen Citroen getrauert.
    Aber ärgerlich ist sowas ja schon wenn man vom Unfall gar nichts mitbekommt, auch wenn die Versicherung bezahlt, man hat ja doch viele Scherereien damit.
    Als ich noch klein war, wurde unser Auto vorm Haus mal kaputt gefahren, weil ein anderes Auto einfach drauf gefahren ist. Das Auto war Schrott und lies sich leider nicht mehr reprarieren.

    • Mh, mir war’s so lieber, glaub ich. Wäre er reingefahren, während ich drin saß, hätte ich mich total erschrocken, hätte dann draußen in der Kälte stehen müssen, auf die Polizei warten usw. usf. – so war’s nur n bisschen telefonieren und so.

      Am Besten wär’s natürlich ganz ohne Unfall, aber solange derjenige die Polizei ruft und die Versicherung alles bezahlt… es gibt wirklich schlimmeres.

        • Achso… mh, ich glaub‘, da waren aber ziemlich sicher andere Leute. Um 7 Uhr morgens fahren hier einige zur Arbeit und unauffällig oder lautlos war der Crash bestimmt nicht.

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