Ahnenforschung

Habt ihr vielleicht auch coole Vorfahren? Eine Klassenkameradin erzählte mir die ganze Schulzeit hindurch von ihren tollen Verwandten: von Australien bis Grönland war da alles dabei und ich fragte mich mehr als nur einmal, was den Australier nach Grönland getrieben hat, bevor er es mit einem Grönländer getrieben hat. Oder umgekehrt. Dieses exotische Blut, dass durch die Adern meiner Bekannten floss, zollte ihrer Meinung nach oft seinen Tribut, wenn sie Verhaltensweisen an den Tag legte, die für deutsche Verhältnisse eher unüblich sind oder auf eines ihrer zahlreichen, damit zusammenhängenden, Bedürfnisse hinwies, bspw. ein Didgeridoo zu spielen. In meiner Ahnenreihe versteckt sich keine exotische Nationalität, keine fernen Länder, kein Orient. Sie ist auch nur bis ungefähr zu Beginn des 19. Jahrhundert zurückverfolgbar. Eine lange Reihe Bauern und Landwirte.

Irgendwann forschte mein Onkel dann dochmal etwas weiter. Mein Name – Riembauer – ist nicht so häufig, das muss es ihm erleichtert haben. An Weihnachten präsentierte er uns das Ergebnis seiner Forschungen. Ein Buch mit dem Titel „Kriminalfälle des 19. Jahrhunderts“. Es wurde natürlich längst nicht mehr verlegt, aber dank des Internets gestaltete sich die Beschaffung als nicht übermäßig kompliziert. Am weihnachtlich gedeckten Tisch begann mein Onkel uns den Teil vorzulesen, der sich auf einen unserer Urahnen bezieht: Franz Riembauer, geboren 1842, war ein Pfarrer in einem kleinen Dorf in Bayern (das passt, mein Opa kam aus der Gegend). Er führte seine Gemeinde, hielt den sonntäglichen Gottesdienst ab, hatte immer ein offenes Ohr für die Belange der Gemeindemitglieder und genoss generell ein hohes Ansehen in der Dorfgemeinschaft. Er war stets höflich, zuvorkommend, wortgewandt, intelligent und allseits beliebt. Typisch Riembauer eben, beschloss meine Familie.

Ich mach’s kurz: um 1890 herum verschwanden immer wieder Frauen. Durch einen Zufall führte ein Hinweis die Ermittler zum Haus meines Vorfahren. Man fand die letzte Frau zerstückelt in seiner Küche und im Lehmboden des Kellers vier weite Frauenleichen. Zerlegt und zum Teil gegessen. Zu was er verurteilt wurde, weiß ich nicht. Mir ist klar, dass ich nicht von ihm direkt abstammen kann, da er natürlich keine Kinder gehabt hat. Aber wer weiß, vielleicht hatte er ja nur auf Grund seiner Abstammung das Bedürfnis, Frauen zu töten und zu essen? Und wäre das eine Erklärung für meine Vorliebe, durch dunkle Höhlen zu schleichen und alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist, mit vergifteten Dolchen zu pieken? Die moderne Technologie ermöglicht es mir, diesen Gelüsten nur virtuell zu fröhnen, vielleicht ist nur deshalb die Anzahl der realen Leichen, für die ich bisher verantwortlich bin, überschaubar. Womöglich hätten Killerspiele den armen Frauen, die meinem Ahnen zum Opfer fielen, das Leben gerettet?

Wisst ihr, wo eure Vorfahren herkamen oder was sie gemacht haben?

9 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Oha, da hat die Ahnenforschung bei dir ja glatt etwas Spannendes zu Tage gefördert.

    Ich hab mich vor vielen Jahren mal ein bisschen damit beschäftigt. Ein Großcousin oder so etwas in der Art hat das nämlich mal recht intensiv betrieben und einen ganzen Stapel an Dokumenten zusammengestellt – Auszüge aus Kirchenregistern, viele alte Fotos und so weiter. Mütterlicherseits geht es zurück bis 17hundertschlagmichtot – Bauern aus dem Schwabenländle, die es irgendwann in die Pfalz verschlagen hat. Ein paar sind Mitte des 19. Jahrhunderts in die USA ausgewandert, aber da gibt es keinen Kontakt mehr.
    Väterlicherseits weiß ich aber nicht mehr als drei Generationen – da gab’s ein uneheliches Bauernkind im tiefsten Bayern und daher keine weiteren Aufzeichnungen. Nichts Spektakuläres also.

    • Ausgewandert sind auch mal welche bei mir. Auch in die USA. Irgendwer hat mal behauptet, dort sei das erste e in meinem Namen wegrationalisiert worden und eine meiner Verwandten sei „Ellen Rimbauer“, von der es so ein Geisterbuch und -film gibt: „Die Tagebücher der Ellen Rimbauer“ oder so ähnlich… bestätigen konnte mein Onkel das aber nicht, ist also vermutlich Quatsch.

      Ich glaube, bei den meisten kommt da nichts dolles raus. Und ob ein Serienmörder etwas ist, worüber man sich freut, sei auch mal dahingestellt.

  2. Ich bin nie weiter als bis zur Uromma gekommen… aber wenn man Serienkiller in der Familie haben könnte, ist das vielleicht auch gar nicht schlimm
    Möglicherweise gab es Vorfahren in Wuppertal. Aber auch das will ich gar nicht so genau wissen, Wuppertal gefällt mir nicht.

        • Jeder, der da mal ’n Parkplatz gesucht hat und dabei ungefähr 25x durch diese gräßlichen Einbahnstraßen gefahren ist, kann den Wunsch, die Verantwortlichen zur Strecke zu bringen, nachvollziehen.

  3. Ich find sowas auch total interessant, aber leider kenne ich meine Ahnengeschichte auch nur bis zu Uroma und Co. Einerseits könnte es aufgrund eines ungewöhnlichen Nachnamens väterlicherseits recht einfach sein, Spuren zurück zu verfolgen, andererseits kamen meine Großeltern aus Ostpreußen und wurden dort im Krieg vertrieben, was die Spurensuche wieder schwieriger gestalten könnte. Generell weiß ich gar nicht wie ich da ran gehen sollte, aber das Interesse wäre da.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Top