Gut, Besser, Am Besten

Die erste Regel lautet, ihr verliert kein Wort über den…

Fight Club. Dieses oder nächstes Jahr am 2. Weihnachtsfeiertag jährt sich mein Erstkontakt mit diesem Film zum zehnten Mal. Seine Philosophie und Humor stießen bei mir sofort auf offene Ohren und er wurde unmittelbar in den Olymp meiner Lieblingsfilme erhoben. Da er diesen in den kommenden zehn Jahren nicht verließ oder auch nur irgendwas an seinem Thron gekratzt hätte, kann ich mit Fug und Recht behaupten: Fight Club ist mein Lieblingsfilm.

3 Handbreit Beton helfen, wenn die Nachbarin ihr Hörgerät verlegt hat, und ihre Game-Shows auf voller Lautstärke sehen muss… Oder wenn eine Eruption aus Trümmern deine einstige Einrichtung und persönliche Habe durch die Fensterfront bläst… Und brennend in die Nacht hinaus segeln lässt…

Fight Club basiert auf dem gleichnamigen Roman von Chuck Palahniuk, Regie führte David Fincher. Es geht um den namenlosen Erzähler (Edward Norton), der uns durch den Film führt. Er hat alles: einen hochbezahlten Job, einen Ikea-Tisch in Form eines Ying-Yang-Symbols, Heimtrainer, Geschirr mit kleinen Schönheitsfehlern (daran erkennt man, dass es handgemacht ist) usw. usf. – nur leider kann er nicht schlafen. Sein Arzt rät ihm, sich Leute anzugucken die wirklich leiden – dazu eigenen sich beispielweise Selbsthilfegruppen ganz wunderbar. Der Erzähler wird süchtig danach, bis er im Flugzeug den christmatischen Tyler Durden (Brad Pitt) kennenlernt. Dessen Lebensphilosophie steht im krassen Gegensatz zu seiner konsumorientierten, verschwenderischen und wird, nachdem er bei Tyler einziehen muss, zu einer Offenbarung für den Protagonisten. Am Anfang veranstalten die beiden harmlose Fight Clubs bei denen Männer sich prügeln um sich lebendig zu fühlen doch Tylers Pläne werden immer anarchistischer.

Du bist nicht dein Job! Du bist nicht das Geld auf deinem Konto! Nicht das Auto, das du fährst! Nicht der Inhalt deiner Brieftasche! Und nicht deine blöde Cargo-Hose!

Fight Club ist Kult. Chuck Palahniuk hat ein Vorwort für die aktuelle Auflage seines Romans verfasst, in dem er schildert, welche Wellen die Veröffentlichung des Films schlug. In Unis und Bars wurden Fight Clubs veranstaltet, junge Männer ätzten sich Kussmünder in die Hände, alte Damen verprügelten im Kellerraum einer Kirche ihre Stickrahmen und jemand schnitt das Bild eines Penisses in einen Kinderfilm, als dieser auf Video veröffentlicht wurde. Fight Club ist kompromisslos. Kaum ein Film transportiert mit so vielen Mitteln, was er aussagen möchte, wie dieser. Es gibt unterschwellige, für wenige Millisekunden erscheinende Bilder, gehässig verpacktes Productplacement und auf der DVD eine Warnung, dass der Zuschauer sein Leben verschwendet. Fight Club ist nicht nett (aber ehrlich). Er hält einem einen Spiegel vor und man fragt sich, ob es tatsächlich nötig ist, 3x im Jahr bei Ikea einzukaufen. Und, was einen ausmacht, worüber man sich definiert. Fight Club ist kritisch, lustig, zitierwürdig,  überraschend, brutal und toll gefilmt. Fight Club hat das schönste Ende, das ich kenne.

Selbstverbesserung ist Masturbation! Selbstzerstörung dagegen…

Und darum ist er mein Lieblingsfilm. Und wohl auch der, den ich so oft gesehen habe, wie keinen anderen. Es heißt, DVDs hätten keine Verschleißerscheinungen. Das stimmt nur teilweise. Wenn man eine immer wieder aus ihrer Hülle nimmt, kommt es zu Materialermüdung – um das Loch herum splittert das Plastik. Habe ich bisher bei keinem meiner Filme gesehen, außer bei diesem.

Alles, was du besitzt, besitzt irgendwann dich.

Eine Auswahl meiner weiteren Lieblingsfilme findet ihr hinter den Kulissen. Ich könnte nicht sagen, dass das alle sind, zumal es unheimlich viele gute Filme gibt, die ich immer wieder sehen könnte, über die ich aber weniger lange nachdenke, die mir weniger bedeuten. Oder mich einfach weniger ansprechen.

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2 Kommentare

  1. Schöner Beitrag! Habe auch erst überlegt, Fight Club in meinen Beitrag mitaufzunehmen, vor allem da ich ihn erst letztens noch mal gesehen habe und mal wieder festgestellt hab, wie genial er ist. Du bringst das echt gut auf den Punkt.

    1. Danke schön. Ich musste ihn mir nachdem ich den Beitrag getippt habe, auch gleich nochmal ansehen. Er ist einfach so herrlich. Jetzt bin ich aber auch total gespannt, was es dann bei dir auf Platz 1 geschafft hat *gucken geh*.

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