Chantalismus

Ich war ungefähr 9, als ich bei dm einen schrecklichen Heulkrampf hatte. Es gab dort Kinderzahnbürsten mit Namen drauf. Rosa mit Marienkäfern für die Mädchen und blau mit Autos für die Jungs. Meine Eltern hatten mich mit dem Namen Maria gesegnet, der, entgegen der landläufigen Meinung nichts mit der heiligen Jungfrau zu tun hat, sondern der Name des Segelbootes meines Vaters war. Leider war dieser Name Ende der 80er-Jahre so unpopulär, dass es keine Zahnbürste gab, auf der „Maria“ stand.

Aufgrund dieser Erfahrung bin ich immer wieder verwundert, was es für Autoaufkleber gibt. Vor mir fuhren unlängst Eltern, die ihren Sprößlingen die Namen „Jeremy-Luca“ und „Naomi-Emilie“  verpasst hatten. Stilecht wurde das Opel-Zeichen von zwei rechts und links prangenden Aufklebern einer bekannten Babybrei-Marke flankiert, die nachfolgende Autofahrer über den mitfahrenden Nachwuchs in Kenntnis setzen. Zum einen erschließt sich mir der Sinn nicht ganz. Werden dadurch Unfälle vermieden? Denkt irgendwer „Oh, dem kann ich nicht reinfahren, der hat Kinder“? Oder sind Menschen, die so etwas benutzen, so stolz auf ihre Fortpflanzungsfähigkeit, dass sie jeden darüber informieren wollen? Zum Anderen stellte ich mir die Frage, woher man diese Aufkleber bekommt. Früher gab es viele Dinge mit Namen drauf, nicht nur Zahnbürsten. Auch Schlüsselanhänger, Tassen, Stifte usw.. Diese waren alphabetisch geordnet und wer einen außergewöhnlichen Namen hatte, hatte eben Pech gehabt. Es kann doch nicht sein, dass irgendwer Aufkleber druckt für die Eltern der Chantal-Loreins und Dylan-Maddox’s dieser Welt und diese irgendwo feilbietet.

So ist es nicht. Eine kurze Recherche im Internet ergab, dass der Babybrei-Hersteller diese Aufkleber zusammen mit Proben seines Sortiments an jeden verschickt, der sie haben will. Man muss lediglich in ein Onlineformular seine Adresse und den Namen des Kindes eintragen und schon kommt das „Willkommenspaket“ per Post. Ich überlege noch, ob ich es mal ausprobiere. So käme ich zumindest an einen kostenlosen „Noheroin“-Aufkleber, mit dem ich meinen pferdeschwachen Kleinwagen schmücken könnte.

Ich vermute, dass sich eine Menge dieser gebrandmarkten Kinder später einen anderen Namen wünschen und geben wird. Die Aufkleber kann man dann im idealfall rückstandslos entfernen, sollte man das Auto, das beklebt wurde, noch besitzen. Schlimmer trifft es andere: in meinem Bekanntenkreis wurde vor wenigen Monaten die kleine Priscilla-Leonie geboren. Ihr Name wurde auch verewigt. Mit Tinte unter der Haut, jeweils am linken Unterarm, zusammen mit Sternen beim Papa und mit Schnörkeln und Schmetterlingen bei der Mama. Das hat natürlich den unglaublichen Vorteil, dass man nicht erst zum Auto gehen muss, wenn man vergessen hat, wie die eigenen Stammhalter heißen. Man kann einfach einen Blick auf seinen Arm werfen. Andererseits wird’s ab dem dritten Kind in Ermangelung weiterer Arme schwer, allen gerecht zu werden.

Zum Weiterlesen, inspirieren lassen, falls ihr Kinder wollt, oder einfach zur Belustigung, empfehle ich an dieser Stelle diesen Blog: http://chantalismus.tumblr.com/

Mein Vater kaufte mir letztendlich übrigens eine „Marie“-Zahnbürste und machte mit einem Filzstift aus dem e ein a.

7 Kommentare

  1. Toller Beitrag ich musste wirklich richtig oft schmunzeln, weil ich solche Namen auch echt schrecklich finde. Ich frage mich immer, wie sehr man seine Kinder hassen muss, um ihnen einen solchen Namen zu verpassen? Ist irgendwie einfach lächerlich, aber leider entscheidet jeder selbst wie sein Kind mal heißen wird.

    Danke auch für dein liebes Kommentar.
    Ich will dich ja jetzt nicht enttäuschen, aber die Simpson Folge basierte damals auf Stephen Kings Roman :D. Ich schaue zwar die Simpson nie und bin kein Fan, aber sie machen das ja öfters mal, dass sie sowas verfilmen. Ist aber nicht geklauft von Stephen King, stammte auch bei den Simpson von ihm ;). Bin jedoch auch sehr gespannt auf die Serie und werde sie heute Abend auch anschauen, weil ich ein großer Fan solcher Storylines bin. Bei Under The Dome geht es auch mehr um die Abgründe der Menschheit, da die Charaktere ja alle durch drehen werden, da sie komplett abgeschnitten sind von der Außenwelt. Ich denke wie die Kuppel kam, wird wieder etwas ganz mysteriöses sein, aber an sich geht es ja mehr um die Menschen die hier durch drehen. Das Buch soll ja sehr brutal sein, also da geht es echt zur Sache. Das wird die Serie wohl nicht halten, da um 20:15 wsl viel geschnitten wird.

  2. „Das hat natürlich den unglaublichen Vorteil, dass man nicht erst zum Auto gehen muss, wenn man vergessen hat, wie die eigenen Stammhalter heißen. Man kann einfach einen Blick auf seinen Arm werfen. “ – Herrlich, ich hab gerade so lachen müssen.

    Tja, der Trend mit den Namen. Ich vermute ja mal, dass hinter so exotischen Namen und -skombinationen ein vehementes „Mein Kind ist besondererer als alle anderen!!einseinself“ steckt – uargh…
    Danke für den Link zu dem Chantalismus-Blog. Mein Favorit ist da bis jetzt ja „Bento Gabriel“ – da denk ich spontan an einen Engel in der Butterbrotdose.

  3. Also laut der Wikipedia Seite des Simpson Film basiert das Konzept mit der Kuppel lose auf dem Buch von Stephen King ;). Also war das Buch im Vorfeld wohl schon bekannt. Kann ich mir auch ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass so ein gefeierter Autor so dreist abkupfert und damit dann noch Erfolg hätte. Ich glaube da würde auch ihm einiges an Kritik entgegenschwappen.

    Also ich fand sie jetzt nicht so schlecht, gut das mit den Kühen hätte man weglassen können,aber ansonsten sind ja doch schon einige Charaktere durch gedreht. Vor allem die Rolle des Juniors, hat das größte Durchdreh Potenzial für mich. Da kann man noch einiges rausholen. Und bisher bleib ich auch aufgrund der ganzen Fragen dran. Man möchte nun doch irgendwie wissen was es mit der Kuppel auf sich, warum die Jugendlichen alle immer diesen einen Satz in einem Anfall sagen und ob sie da wirklich nochmal rauskommen.

  4. Danke für eure Kommentare. Nicole, dir habe ich in deinem Blog geantwortet.

    Sogar relativ normale Namen können in anderen Sprachen bedeutungen haben, mit denen die Eltern eher nciht rechnen. Ich kenne einen Pepe. Pepe ist auf phillipinisch allerdings ein Wort für… naja… die Scheide.

    Bei c&a begegnete ich mal einem kleinen Mädchen, dem die Mutter „Silly“ (engl. „dumm“) hinterherrief. Und im Chantalismus-Blog steht gerade ganz oben ein Bobby-Bully… also ein Mobber. x)

  5. Also auf Cola-Flaschen habe ich noch keine außergewöhnlichen Namen entdeckt. Noch nicht mal meinen Ich würde wohl mein Kind Laura, Stefan oder so nennen. Irgendwas wo man sich nicht die Zunge bricht beim aussprechen XD

  6. Stimmt, Cola-Flaschen sind ja derzeit auch Namensträger. Ich glaube, die Supermärkte verachten Coca-Cola dafür, weil sie immer die Flaschen wieder ordentlich hinstellen müssen, wenn jemand seinen Namen gesucht hat.

    Gerade Lehrer sind über normale sehr dankbar, glaube ich. Die müssen sich ja merken, wie man die ganzen Namen ausspricht und schreibt usw…

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