Das war knapp.

Ich hätte gestern fast einen Unfall gehabt. Es war wirklich verdammt knapp, wäre ich 1 – 2m weiter gewesen, hätte der andere Wagen meinen voll erwischt.

Ich bin auf die A43 gefahren. Diese ist an den Auffahrten dreispurig – Beschleunigungsstreifen und zwei Fahrspuren halt. Ich war gerade dabei, aufzufahren, als schräg vor mir, auf der linken Spur, ein Fahrer die Kontrolle über sein Auto verlor. Er schleuderte über die rechte Spur, wobei der Wagen sich einmal um sich selbst drehte und landete halb auf dem Beschleunigungs- und halb auf dem Standstreifen. Ja, das sieht aus, wie im Film, mit quietschenden Reifen und jeder Menge Rauch von verbranntem Gummi. Zur Verdeutlichung ein Bild: das rote Rechteck ist sein Auto, das blaue meins. Die Ausgangspositionen sind blasser dargestellt.

Sehr professionelle Unfallgrafik - und vielen Dank an Google Maps. Die Verkehrslage entsprach etwa dem Bild – Feierabendverkehr halt – mit dem Unterschied, dass auf der rechten Spur (nicht dem Beschelunigungsstreifen, auf dem ich gefahren bin) weitere Autos fuhren. Der Fast-Unfallfahrer hatte eine Lücke von ein paar Metern erwischt. Ich war Gott sei Dank nicht besonders schnell unterwegs und hatte schon angefangen zu bremsen, so kam ich – nach einer Vollbremsung, bei der alles, was nicht festgeschraubt war, durch das Auto flog – mit ungefähr 50cm Abstand hinter dem Anderen zum Stehen. Ganz sicher, dass das klappen würde, war ich während des Bremsens nicht. Man sagt immer, kurz vor einem Unfall würde man noch versuchen, auszuweichen oder das Leben zöge an einem vorbei, oder man denkt „Scheiße!“ oder sowas. Das trifft auf mich tatsächlich nicht zu, ich dachte: „Gleich knallts. Das zahlt die Verischerung!“. Daher und auf Grund der bereits recht geringen Geschwindigkeit hätte ich den Crash auch mit Gleichmut ertragen können.

Da standen wir nun dicht hintereinander. Hinter mir kamen Autos also machte ich erstmal den Warnblinker an. Um vorbeizukommen und nach links auf die Autobahn fahren zu können, hätte ich zurücksetzen müssen, worauf ich nicht sonderlich erpicht war. Zudem meldete sich meiner heldenhafte Seite, ich wollte helfen! – hätte es ja sein können, dass der Fahrer vor mir einen Herzinfarkt oder ähnliches gehabt hatte – obwohl sein Gefährt eher für einen Herren jüngeren Alters sprach. Er fuhr auf den Standstreifen und ich hinterher. Jetzt war ich neugierig, ob ihm was passiert war. Ich überlegte noch, ob ich aussteigen könne, ohne die Fahrertür einzubüßen, als der Andere ausstieg und sich meine Personeneinschätzung bewahrheitete. Er kam angerannt, grüßte, tatschte auf meiner Schulter rum und vergewisserte sich, dass er niemanden verletzt hatte. Dann entschuldigte er sich und erklärte seinen kleinen Schleudergang mit den Worten „Ich war so schnell unterwegs, da hab ich das Auto vor mir gar nicht gesehen!“. Bis zur nächsten Abfahrt hatte ich ihn noch vor mir, mit gepflegten 80 km/h, dicht hinter einem schwer zu übersehenden LKW.

Ich hoffe, er hat was daraus gelernt. Die Strecke da ist überschaubar, läd allerdings sehr zum Rasen ein. Wie er das Fahrzeug vor ihm übersehen konnte, ist mir nicht ganz klar, es sei denn, er hat telefoniert, ’ne Zigarette angezündet, am Navi rumgedrückt oder war auf sonstige Weise abgelenkt. Hier handelt es sich also um einen klaren Fall von „Mehr Glück als Verstand“. Das hätte schnell übel ausgehen können. auch von der Leitplanke trennte ihn nicht mehr viel…

4 Kommentare

    1. Ausweichen hätte ich auch gar nicht können… außer nach links in den fließenden Verkehr. Wenn einem ein Reh vor’s Auto läuft, soll man bremsen und das Lenkrad gerade halten, stimmt. Aber bei Autos glaube ich nicht, dass das gilt. Klar, wenn man ausweicht überschlägt man sich evtl., da geht aber ja meist recht glimpflich aus. Aber mit hoher Geschwindigkeit ein Frontalaufprall..?

  1. Ich glaub, es kommt auf die Siatuan an. Aber sicher bin ich nicht.
    Mein Freund ist mal geradewegs in die Karre vor ihn geschlittert. Wäre er ausgewichen, wäre der Schaden größer gewesen / wären er oder seine Beifahrerin verletzt worden, weil dann die Seite eingeschlagen wäre und da gibt es ja keine Knautschzone ._.
    Die Autos waren Totalschaden, aber den Menschen ging es gut

    1. Mh, sowas lernt man ja beim Fahrsicherheitstraining. Eigentlich will sich schon seit ich den Führerschein habe, eins machen… aber irgendwie komm‘ ich nie dazu. Ich glaub‘, ich schau mal, was sowas kostet und wünsche es mir ggf. zum Geburtstag.

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