Es war einmal… meine erste Website

Die liebe Anne hat drüben auf ikiru.de eine Blogparade begonnen bzw. ihre Leser nach deren erster Website gefragt. Ich bin derzeit für jede Idee, worüber ich bloggen könnte, mehr als dankbar und greife natürlich gleich mal zu!

Leider habe ich keine Screenshots mehr und auch die Waybackmachine findet die Seite nicht, da der Zugriff darauf wohl von freenet, meinem damaligen Hoster, gesperrt wurde – herzlichen Dank! Daher ist auch unter meiner damaligen Domain „maras-reich.de.vu“ nur noch die freenet-Startseite zu erreichen.

Einige meiner Leser dürften sich aber noch dunkel an meine Website erinnern, und für die anderen reicht bestimmt auch eine Beschreibung. Wobei „dunkel“ auch gleich das richtige Stichwort ist. Vor 10 Jahren kamen, zumindest in den Foren, in denen ich unterwegs war (hauptsächlich Gothicszene), die persönlichen Websites gerade auf; lange, bevor man etwas von Blogs gehört oder überhaupt daran gedacht hatte, gleich sein ganzes Leben als eine Art Onlinetagebuch ins Internet zu stellen. Wenn man kein HTML konnte, mussten Baukastenanbieter herhalten, wie in meinem Fall Beepworld. Mit ein paar Klicks konnte man sich da eine Seite mit mehreren Unterseiten basteln, man hatte ungefähr 10 Designs zu Auswahl und wenn man nicht bereit war, sich tiefergehend mit dem Aufbau und der Gestaltung von Webseiten zu befassen, musste das genügen. Wie es sich als Goth gehört, wählte ich die Farbe, die schwarz am nächsten kam. Das war Dunkelgrün, eingerahmt von Efeublättern.

Dass mir das nicht schwarz genug war, muss ich wohl kaum erwähnen. Ob der begrenzten Möglichkeiten der damaligen Zeit, entschied ich mich also, HTML zu lernen. selfhtml.org und der, in weiser Voraussicht als Hauptfach gewählte, Informatikkurs an der Realschule entpuppten sich als willkommene Hilfestellungen und so hatte ich binnen weniger Wochen eine rabenschwarze Seite und ein neues Problem: Beepworld unterstützte solche Homepages nur, wenn man sie sich vorher freischalten lies. Dazu bedurfte es eines Anrufes bei einer 0190er-Nummer, der ungefähr 1,50€ pro Minute kostete. Ich war fair genug, meinen Vater um Erlaubnis zu fragen, der auch zustimmte, wobei ihm wohl immer ein Geheimnis bleiben wird, was ich in dieser seltsamen Internetwelt tue. Aus Bequemlichkeit bleib ich ungefähr ein Jahr bei Beepworld, bevor ich umzog, zu freenet.

Meine Website unterschied sich dabei kaum vom gängigen Standard dieser Zeit. Man hatte ein frameset, also eine Struktur, die eine Seite in zwei oder mehr Bereiche unterteilt. Bei mir waren es drei: links das Menü, rechts der Seiteninhalt und oben, über allem drüber, mein Banner. Wie bereits gesagt, komplett in fröhlichem Schwarz gehalten, mit hellgrauer Schrift (Schrifttyp: Verdana, fett – dass ich das noch weiß überrascht mich gerade auch :D). Dazu die obligatorischen Extras, die man sich so bei unterschiedlichen Anbietern zusammen gesammelt hat: Gästebuch, Counter, Gästebuch zum Reinmalen… ich besaß genug Stil, auf laufenden, blinkenden oder rollenden Text, Hintergrundmusik und eine Shoutbox – die Dinger hasse ich selbst heute noch wie die Pest und ich kann an einer Hand abzählen, wie oft ich etwas „geshoutet“ habe – zu verzichten. Ich besaß nicht genug Stil, auf farbige Scrollbalken zu verzichten, deren Code ungefähr 45 Zeilen in meinen Dateien einnahm und Dank derer meine Website in einigen Browsern, wie dem noch in den Kinderschuhen steckenden Firefox, nicht richtig dargestellt wurde. Aber, wenn ich ehrlich bin, ich hätte heute vermutlich noch immer welche. Eine zappendustere Fläche mit diesen grauen Balken am Rand sieht einfach blöd aus.

Zum Inhalt so einer Seite gehörte die übliche „Über mich“-Unterseite, auf der man einen Steckbrief fand und vielleicht noch ein paar Zeilen über einen selbst, sowie eine Unterseite, auf der man festhielt, wann man was neues eingefügt oder verändert hatte. Wozu diese dient, ist mir mittlerweile nicht mehr ganz klar. Mir hielt sie, denke ich, vor allem meine eigene Faulheit vor Augen. Ansonsten nutzte ich meine Website für die Veröffentlichung meiner Gedichte, Kurzgeschichten und Bilder (zu der Zeit noch gemalt, nicht fotografiert). Kurz fanden auch ein paar Kolummnen ihren Platz, verschwanden jedoch schnell wieder. Anfangs hatte ich des Bedürfnis, alle meine poetischen Ergüsse dort festzuhalten, sortiert nach Jahren, was sich aber nach ungefähr vier Jahren und entsprechend vielen Unterseiten, als eher unpraktisch erwies. Daher sortierte ich aus und behielt nur eine kleine Auswahl.

Als Blogs dann immer populärer wurden, legte ich mir auch bald einen an. Erst noch von der Website getrennt, 2007 führte ich beides jedoch zusammen und verabschiedete mich damit auch von dem schwarzen Design – wobei das Weiß anfangs als Kontrast gedacht war, da ich kurzzeitig zwei Blogs besaß. Einen schwarzen und einen weißen. Welcher überlebt hat, seht ihr ja.

 

3 Kommentare

  1. Kaum zu unterscheiden von meinen ersten Selbstdarstellungen im Netz
    Nur Selfhtml kannte ich damals nicht
    Hach.
    Da wird man ganz sentimental, wenn auch peinlich berührt.

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