Was wirklich zählt.

Wie ich bereits schrieb, habe ich Handwerker im Haus. Diesführt zu dramatischen Ereignissen. Zum beispiel gestern, als ich in meiner Mittagspause kurz nach Hause gefahren war. Meine Nachbarn rannten mir hinterher, kaum, dass ich das Treppenhaus betreten hatte. Sie waren ein wenig hysterisch, fast panisch. Was war geschehen? Die Handwerker hatten bei Arbeiten auf dem Dach das Kabel für’s Fernsehprogramm gekappt. Die Fenseher gingen im ganzen Haus nicht mehr. Meine Nachbarn waren also ein paar Stunden lang gezwungen, sich mit ihren Familienmitgliedern oder – Gott bewahre – gar mich sich selbst zu beschäftigen. Dies führte zu verständlichen Angstreaktionen. Ich sollte also erstmal schauen, ob MEIN Fernseher denn ginge. Was es geändert hätte, wenn mein fernseher funktioniert hätte, war mir nicht wirklich klar. Vielleicht wären dann alle Bewohner des Hauses in mein Wohnzimmer gepilgert und hätten einen Schrein um ihren Götzen bzw. meinen fernseher errichtet? Ich wurde umgehend nach der Erkenntnis, das auch mein fernseher nicht funktioniere, aufgefordert, mich dem wütenden Mob, der die Handwerker mit Mistabeln und Fackeln vertreiben wollte, anzuschließen. Auf meine Frage, warum ich das denn tun sollte, erntete ich nur verstörte Blicke und die Frage „Ja, wollen Sie denn kein Fernsehen?!“. Ich verneinte, da an einem Montag sowieso nichts läuft, was man sich ansehen könnte. Vermutlich gelte ich jetzt als Freak oder ehemalige Waldorfschülerin. Aber immerhin wurde ich in Ruhe gelassen.

Ich arbeitete dann weiter und kehrte erst gegen Abend zurück. Kurz nach 9 ging ich zum Klo, spülte ab, wollte mir die Hände waschen und: nichts. Die Klospülung zog kein Wasser mehr und auch mein Waschbecken blieb nach Aufdrehen des Hahnes trocken. Wasser abgestellt. Ich trat den Weg in den Keller an, wo ich auf einen aufgeregten Hausmeister mit Taschenlampe und einige tausend Liter Wasser traf. Irgendein Rohr war gebrochen o.ä. und hatte seinen Inhalt in den Keller entleert, wo sich dieser z.T. 5cm hoch in Bodennähe aufhielt.
eine halbe Stunde später war die Feuerwehr da und pumpte den Keller leer.

Gab es in der Zeit Aufstände, Demonstrationen, Anarchie? Natürlich nicht. Das Fernsehen funktionierte ja wieder. Wer braucht schon Wasser?

2 Kommentare

  1. Ein ähnliches Erlebnis hatte ich, als ein Unitymedia-Techniker (in unserem Auftrag) an den Leitungen herumwerkelte und ebenfalls das Fernsehn im gesamten Haus ausfiel. 5 Minuten später klingelte meine Nachbarin an allen Wohnungstüren, ich öffnete nicht, wurde aber Ohrenzeuge einer empörten und verzweifelten Unterhaltung zwischen unseren Nachbarn im Hausflur. Später hörte ich laute Stimmen aus dem Keller, in dem sich der Techniker befand. Der Arme tat mir irgendwie leid.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Top