Menschen beobachten


Ich beobachte seit ich, ich würde sagen, 14 bin, Menschen. Angefangen hat das im Bus von der Innenstadt nach Hause. In Ermangelung eines MP3-Players und aus Unlust zu lesen, schaute ich Menschen an. Ich gab ihnen Namen und dachte mir Geschichten zu ihnen aus. Ich hatte mir so ca. 10 – 20 Leute ausgesucht, die in meinem Kopf die Figuren meiner Daily Soap waren. Sie trennten sich, schlugen ihre Kinder, verloren Jobs und Ehepartner und – waren sie mal ein paar Wochen nicht im Bus anwesend (Gott bewahre!) – versuchten sie auch mal, sich umzubringen und landeten in der Klapse.

Das mache ich immer noch, manchmal. An orten, wo viele Menschen unterschiedlichen Alters für längere Zeit unauffällig zu beobachten sind. Restaurants, Cafés, McDonalds, Züge, Busse oder halt die Türken und Russen vor meinem Fenster.

Ich habe auch endlich jemanden gefunden, dessen Fantasie ausreicht und der genug von seiner Umgebung mitbekommt, um mitzumachen. Die meisten anderen haben entweder kein Interesse an ihrer Umwelt oder sind zu fantasielos. Oder sie sind nicht böse genug.

Ja, ich muss zugeben, manchmal hab ich Angst, es könnte alles stimmen. Wenn ich immer recht hätte, wäre die Welt wohl ein (noch) schlechterer Ort als ohnehin schon.

Und noch mehr hoffe ich, dass meine Gedanken in keiner parallelen Dimension oder anderen Welt der Realität entsprechen. Denn die Menschen dort hätten wirklich kein schönes Leben.

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