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Gute Filme, die wenige kennen: Four Lions

Worum es geht

Die vier islamischen Freunde Omar (Riz Ahmed, auch bekannt als RizMC), Waj, Faisal und Barry leben in Sheffield und planen, dort einen Terroranschlag zu verüben. Der Besuch eines Terrorcamps endet leider nicht wie gewünscht und so sind sie bei der Suche nach geeigneten Zielen (Moscheen? Apotheken? Schafe?) und Hilfsmitteln (Krähen mit Sprengstoff ausstatten?) auf sich allein gestellt.

Warum dieser Film?

Lachen tötet die Furcht.
Umberto Eco – der Name der Rose

„Four Lions“ ist nicht albern, der Humor ist tiefschwarz und sehr, sehr britisch. Regiesseur Chris Morris hat es geschafft, seinen Selbstmordattentätern ein Gewissen zu geben und sie mit diesem hadern zu lassen. Und  obwohl man verurteilt, was sie tun, findet man sie doch sympathisch. Am Ende mischt sich Tragik mit Slapstick, Zynismus mit Mitleid – für die Terroristen selbst. Schöner Film. Lohnt sich zu schauen. Gerade jetzt.

 

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The Guard – Ein Ire sieht schwarz

Worum es geht

In einer irischen Kleinstadt in Connemara leistet der Polizist Gerry Boyle seinen Dienst, wobei er gern auf etwas „unkonventionelle“ Methoden zurückgreift. Eine, in einem Ferienhaus gefundene, Leiche stellt ihn und seinen jungen Kollegen Aiden McBride, der gerade erst aus Dublin gekommen ist, anfangs vor Rätsel. Bis der FBI-Agent Wendell Everett auftaucht. Dieser berichtet von einem in Connemara geplanten Drogenschmuggel. Boyle identifiziert den Toten als einen der Schmuggler und wird dadurch unfreiwilliger Partner von FBI-Mann Everett – dieser ist schwarz und Boyle als Ire, nach Eigenaussage, schon aus kulturellen Gründen Rassist…

Hintergrund

John Michael McDonagh, dessen Am Sonntag bist du tot mich vor einigen Monaten begeisterte, ist Regisseur von The Guard. Dem ein oder anderen mag der Name McDonagh bekannt vorkommen, zurecht. Martin McDonagh, dem Bruder, verdanken wir Brügge sehen… und sterben? und 7 Psychos. Hier war dieser als Produzent tätig.

Besetzt sind die Hauptrollen des Gerry Boyle und Wendell Everett durch Brendan Gleeson (Harry Potter, Brügge sehen… und sterben?) und Don Cheadle (Oceans-Reihe, Iron Man 1 -3). Auf der DVD findet sich umfangreiches Bonusmaterial, u. a. Outtakes, Interviews, Trailer und dem Schnitt zum Opfer gefallene Szenen.

The Guard gewann mehrere Preise und ist der erfolgreichste, irische Independentfilm.

Schade?

Dem ein oder anderen missfällt vermutlich das offene Ende. Und der schwarze Humor ist sicher auch nicht für jeden was.

Nachdem ich auch Am Sonntag bist du tot gesehen habe, muss ich sagen, dass ich mir schönere Musik für The Guard gewünscht hätte. Diese stammt von der US-Band Calexico und passt irgendwie nicht so richtig.

Warum dieser Film?

Ein paar Freunde und ich waren damals im Kino und hatten in dem nahezu leeren, kleinen Kinosaal jede Menge Spaß. Trotz positiver Kritiken gehe ich nicht davon aus, dass einem der Film in absehbarer Zeit in einem der vielgesehenen Fernsehsender zu einer moderaten Zeit über den Weg läuft. Dazu ist der Humor zu schwarz, zu rassistisch. Weil genau das aber extrem lustig ist, die Dialoge großartig und auch ernste, leise Töne angeschlagen werden, empfehle ich The Guard uneingeschränkt weiter.

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God Bless America!

Worum es geht

Frank hat die Schnauze gestrichen voll. Seine unfreundlichen Nachbarn haben ein Tag und Nacht brüllendes Baby zur Welt gebracht, seine etwa 10jährige Tochter möchte unbedingt ein iPhone statt eines schnöden Blackberrys und die einzige Kollegin, mit der er sich zu verstehen glaubt, sorgt dafür, dass man ihn wegen Belästigung entlässt. Als ein inoperabler Hirntumor bei ihm diagnostiziert wird, beschließt er, seinem Leben ein Ende zu setzen. Die Waffe bereits in der Hand sieht er im Fernsehen die verwöhnte Chloe, die in einem Wutanfall ihren Vater beschimpft, da dieser ihr zum Geburtstag nicht das gewünschte, sondern ein anderes Auto geschenkt hat. Frank fährt zu Chloes Schule, tötet diese und möchte sich in einem Hotelzimmer erschießen, als plötzlich Roxy vor der Tür steht. Diese hat den Mord beobachtet und findet die Idee, unfreundliche Menschen zu beseitigen, toll. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg quer durch die USA.

Hintergrund

God Bless America wurde in Deutschland direkt auf DVD veröffentlicht, und zwar in der Kino Kontrovers-Reihe. Das Schöne an dieser ist, dass sie je nach Version – es gibt eine günstige und eine etwas teurere – mit umfangreichem Bonusmaterial daherkommt. So finden wir u.a. einen Audiokommentar, Hinter den Kullissen-Filmmaterial, Interviews, nicht verwendetet Szenen und den obligatorischen Trailer.

Schade?

Da die Synchronisation fast zwei Jahre auf sich warten ließ, habe ich God bless America zuerst auf Englisch gesehen und erst später die deutsche Fassung. Und ich muss sagen, dass dieser Film nicht nur schlecht übersetzt ist sondern auch die Synchronstimmen überhaupt nicht passen. Ich kann daher nur empfehlen, sich den Film auf Englisch anzuschauen.

Schade finde ich auch die zweite Hälfte. In dieser schwingt die wirklich böse Komödie um und wird schon fast zu einem Drama. Ich persönlich hätte lieber noch mehr spaßige Morde gesehen.

Warum dieser Film?

Die Inhaltsangabe lässt es schon vermuten: Es handelt sich um eine bitterböse, zynische Komödie die sich nur für diejenigen eignet, denen beim Anblick eines Amoklaufs nicht das Lachen im Halse stecken bleibt. Dennoch ist der Film nicht platt sondern zwingt einen zur Selbstreflektion und führt einem auch hier in Deutschland vor Augen, wie Teile unserer Kultur bereits verkommen sind – und andere noch verkommen könnten. Außerdem begegnen auch uns hin und wieder Exemplare dieser unfreundlichen, rücksichtslosen Menschen denen wir die Pest an den Hals wünschen. Nach einem stressigen Tag zwischen solchen Personen gibt einem der Film eine gewisse Genugtuung.

I mean, why have a civilization anymore if we no longer are interested in being civilized?

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