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Das brandneue Testament

Gott existiert. Er lebt in Brüssel.

Mit diesen Worten beginnt Éa, die 10jährige Tochter Gottes den Film. Leider ist Gott kein freundlicher, alter Herr mit Rauschebart sondern ein gewalttätiger Tyrann, der Frau und Tochter unterdrückt. Auch die Menschen müssen unter ihm leiden: mit Hilfe seines Computers verwaltet er die Welt, schafft immer neue, absurde Gesetze und hat Freude an allen möglichen Katastrophen.

Nach einem Streit mit ihrem Vater beschließt Éa, sich gegen ihn aufzulehnen: sie schickt jedem Erdenbürger eine SMS mit dessen Sterbedatum und begibt sich auf die Erde um wie einst ihr Bruder Apostel zu suchen und ein weiteres – das brandneue – Testament zu erschaffen. Gott ist natürlich nicht begeistert und folgt ihr umgehend, um sie zurück zu holen. Und auf der Erde herrschen dank des „Deathleaks“ amüsante Zustände…

Regiesseur Jaco Van Dormael hat bereits mit Mr. Nobody einen semibekannten, aber wirklich guten, Film abgeliefert. Das brandneue Testament ist spaßig und anrührend, wenn auch zeitweise langatmig. Die Charaktere sind mit viel Fantasie und Liebe zum Detail ausgearbeitet. Da das Thema Tod im Mittelpunkt steht, werden vor allem die Liebhaber von schwarzem Humor und Blasphemie ihre Freude an diesem Film haben.

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Das brandneue Testament

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  1. Hosianna, Mara.
    Besagter Film macht definitiv gern seine Runden in Blogs; zumindest kenne ich ein, zwei Bloggerinnen, die der Titel in ähnlicher Weise beeindruckt hat. Verständlich – ist ja auch ein neckisches Thema.
    Gut, der einschlägige Fundamentalist (jedweder Coleur) schreit denn gern was von Gotteslästerung. Obschon er/sie/es sich bis dato noch nie persönlich über angebliche Beleidigungen beschwert hat.

    Sich gegen einen herschsüchtigen, ungerechten Patriarchen zu wenden, ist natürlich erzählerisch Sahne der Klasse 1. Speziell wenn eine Zehnjährige dagegen oponiert (was so ziemlich gegen alles geht, womit sich das Patriarchat so die Macht warm hält!).

    Märchenhaft blauäugig wirkt auf mich allerdings die idealisierte Form, in der die Menschen auf die Kenntnis ihres Todestages reagieren. Normalerweise kann man/frau damit jemanden in eine ordentliche Existenzkrise treiben.

    Gut, ‚Le tout nouveau Testament‘ ist eben auch konkret surreal in seiner Erzählstruktur angelegt.

    ‚Mr Nobody‘ von Jaco Van Dormael könnte vielleicht auch auf Deiner Wellenlänge zu liegen kommen.

    bonté

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    • Mr. Nobody mag ich sehr…

      Nicht alle Menschen im Film reagieren positiv oder lustig auf die Erkenntsnis ihres Todestages. Eine Frau schaut auf das Handy ihres Mannes und auf ihr eigenes und sieht, dass er sie um Jahre überlebt. Das machte sie wohl sehr traurig – aber nicht, weil „der Arme“ dann allein sein muss sondern, weil sie das Gefühl hat, etwas verpasst zu haben und ihn eh nicht mehr liebt…

      Diese Woche hab ich „Shrink“ gesehen, Kevin Spacey als kiffender Psychiater… der war aber eher langatmig und verworren als „bitter böse und witzig“, wie er oft beschrieben wird. Nicht so meins.

      Grüße

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