Dr. Strange

Anlässlich meines Geburtstags habe ich zwei Freunde ins Kino geschleift. Und zwar in Dr. Strange. Arbeitszeitbedingt besuchten wir eine herrlich leere 14.30 Uhr-Vorstellung. Die zwei Menschen einige Reihen vor uns konnte man ohne Probleme ausblenden und hatte das Gefühl, es handele sich um den eigenen Kinosaal.

Was habe ich erwartet?

Nichts besonders Gutes, ehrlich gesagt. Die meisten der Marvel-Helden sind ja weniger mein Fall: zu wenig Blut, zuviel Schnulz, zu glatte Supermänner, zu seichter Humor. Darüber hinaus spielt auch noch Benedict Cumberbatch die Hauptrolle – den empfinde ich weniger als Helden, denn als Schurken – auch hier: zu geleckt, zu steril. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen: der Comic war mir nicht bekannt.

Worum geht’s?

Dr. Stephen Strange, ein Neurochirurg und Koryphäe auf seinem Gebiet, verletzt bei einem Autounfall seine Hände schwer. Aus Angst, er könne nie wieder arbeiten, unterzieht er sich zahlreicher Operationen und wendet sich schließlich, als auch diese keinen Erfolg bringen, an ein Kloster in Kathmandu. Dort erfährt er, dass es mehr gibt als das sichtbare Universum. Er überwindet seine Zweifel und lernt, die neugewonnene Kraft zu kontrollieren und zu nutzen. Jedoch gibt es auch solche, die Böses im Sinn haben. Schon bald sieht Dr. Strange sich mit einem Konflikt konfrontiert, der das Ende der Welt bedeuten könnte…

Bewertung

9/10

„Positiv überrascht“ trifft es ganz genau. Meine Befürchtungen bewahrheiteten sich nicht – insbesondere Benedict Cumberbatch überzeugt als arroganter, aalglatter Arzt, der zunächst eher von oben auf andere herabblickt und viele nicht mal eines Blickes würdigt. Dieser wird nicht nur gezwungen, sich anderen unterzuordnen sondern auch, sich auf Dinge einzulassen, die sein wissenschaftlicher Verstand nicht für möglich gehalten hätte.

Zum Lachen gibt’s auch einiges, nicht nur Slapstick sondern auch bissige Dialoge und schwarzen Humor. Abgesehen davon überhäuft einen Dr. Strange mit visuellen Effekten an denen man sich kaum sattsehen mag – schade, dass alles im Studio gedreht wurde statt mit Hochgeschwindigkeitskameras.

Für Marvel-Fans ist Dr. Strange ein echtes Muss; denen die gern mal zum Abschalten ins Kino gehen, kann ich ihn ebenfalls nahelegen. Hartgesottene Superhelden- und Hollywood-Verachter wird aber auch dieser Film kaum überzeugen können.

4 Kommentare

  1. Dia dhuit, Mara.
    Der Cineastenteil meines Herzens sträubt sich ja gegen Kino am Vor- oder Nachmittag: in den späten Neunzigern kam gar einmal der Gedanke auf an Sonntagen ein Frühstück (!) mit der Vorstellung zu verbinden…
    Nope, irgendwie verbinde ich Kino in klassischer Weise mit den frühen Abendstunden.
    Immerhin, Ihr hattet da fast den Flair einer Privatvorstellung.

    Stimmt – das Gros der Superhelden ist zu sehr in Stereotypen gelackt, als dass man/frau (über eine kindheitsbedingte Begeisterung hinaus) Interessen finden könnte. Die Ausnahmen bei den Filmen als Regelbestätigung!

    Auch der seltsamende Doktor bringt mich nicht weiter hinter dem Ofen hervor.

    Steht ‚Arrival‘ irgendwo auf Deinem Radar?
    Fast hätte ich meine diesjährige Kinoabstinenz noch v o r ‚Rogue One‘ dafür beendet; allerdings hat mich die wenig beleuchtete Konsequenz des Alien-Handelns davon wieder Abstand gewinnen laßen. Die Pointe der Handlung (auf der dem Gros der Kritiken einer abgeht)bleibt einzig als solche angelegt, ohne sich wirkliche Gedanken über die Tiefe der Konsequenzen für die Menschen zu machen. Somit wird die Pointe des Plots zum vordergründigen Taschenspielertrick.

    bonté

    1. Aloha,

      ich gehe eigentlich auch lieber in den Abendstunden ins Kino, oder auch nachts. Allerdings hätte da ein Freundd nicht mit gekonnt und das geht eindeutig vor.

      Kino mit Frühstück… „Brunch“ oder „sehr spätes Frühstück“ könnte schon noch was sein, Kino morgens um 9 brauche ich aber nicht. Wobei ich eine Erweiterung des kulinarischen Angebots befürworten würde. Lecker belegte Brötchen oder andere herzhafte Kleinigkeiten wären super. Oder Obstsalate… mir geht pappiges Popcorn und Süßkram aus dem Chemielabor auf den Geist. Wenigstens gibt’s Kaffee(mischgetränke).

      Ich kann die Kinobetreiber aber verstehen: wenn ich ein Kino hätte, würde ich auch möglichst viele Vorstellungen laufen lassen. Und wenn ich nur 5 Karten verkaue – Gewinn mache ich dabei vermutlich dennoch.

      Arrival hab ich auf dem Schirm. Ich würde auch echt gern rein gehen, weiß aber nicht, wieviele Kino-Gelegenheiten es für mich in nächster Zeit gibt. Wenn es sich ergibt, werde ich ihn mir wohl anschauen… wobei mir Sicario und Prisoners hauptsächlich durch ihre schiere Länge von über 2,5 Stunden in Erinnerung geblieben sind.

      Die aktuellen Rogue One-Trailer kenne ich zu genüge. Sehen werde ih ihn wohl, erwarte aber nicht mehr als Samstagabend-Action-Kino.

      Grüße!

      1. …die Theke mit den aufgetürmten Snacks, nebst der Eimerausgabe für Getränke, bekommt mich nie zu Gesicht. Essen im Kinosaal ist nicht mein Ding, irgendwie.
        Mit Popcorn kannst Du mich allerdings auch außerhalb erfolgreich in die Flucht schlagen!

        Sieh mich in freudiger Erwartung Deines kritischen Blicks auf ‚Rogue One‘!

        Winter is coming.

        bonte

        1. In unserem Kino gibt’s noch so eine zweite Theke, an der das angebot eher in Richtung Kuchen, Donuts und sogar Frozen Joghurt geht. Zudem gibt’s dort die Getränke in Glasflaschen. Das erinnert mich immer an das kleine Kino, dass es bis vor einigen jahren hier in Hattingen gab. Auch dort bekam man Cola und Co. in Glasflaschen serviert – allerdings zu weit moderateren Preisen als in den Kinoketten…

          Ich werde mir Mühe geben bei Rogue One nicht zu voreingenommen zu sein.

          Die Krähen schrei’n
          Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
          Bald wird es schnei’n –
          Weh dem, der keine Heimat hat!

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